Test
2
06.09.2019

Praxis

Preiswerter, aber nicht „billiger“

Ein Punkt der Unterscheidung von DPA 2028 zu DPA 4018 ist laut Unterlagen die Mechanik. Augenscheinlich sind ist das gesamte Mikrofon etwas einfacher gefertigt: Etwas andere Materialien, etwas simplerer Aufbau und sicher auch schnellere Fertigungsmöglichkeit können den Herstellungspreis im Hochlohnland Dänemark sicher etwas im Zaum halten. Wirklich negative Auswirkungen auf das Produkt scheint das nicht zu haben, denn das DPA 2028 ist absolut hervorragend gefertigt und wirkt in etwa so wertig wie die ähnlich teuren Mikrofone der Mitbewerber.  

Super Handling

Auch in Sachen Handling gibt sich das 2028 keine Blöße. Es liegt gut in der Hand, der Kopfübergang ist haptisch eindeutig und verhindert, dass bei Handbetrieb die Feedbackfalle durch versehentliches Zuhalten der Korbrückseite zuschnappt. Auch die Griffgeräusche sind recht zurückhalten, wie das spätere Audiofile zeigt. Mit 286 Gramm besitzt es ein Gewicht wie viele andere derartige Mikrofone.

Profi-Sound

Wie zu erwarten, ist die Detailauflösung des neuen DPA-Mikrofon sehr hoch und das Signal höhenreich und sehr „schnell“. Damit unterscheidet es sich natürlich stark von dynamischen Mikrofonen. Aber auch unter den Kondensatormikrofonen zeigt das DPA, dass es ein DPA ist: Das Sennheiser e865 vermag bezüglich der Neutralität nicht ganz mitzuhalten, kostet aber auch weniger als die Hälfte. Deutlich sind die klassischen DPA-Gene auch im 2028 erkennbar, denn das Signal lässt die typische „Drahtigkeit“ nicht vermissen. Einen vorgestanzten Vocal-Sound generiert das 2028 in keinem Fall, vielmehr erzeugt es gemäß der DPA-Philosophie eine möglichst neutrale Arbeitsgrundlage. Wenn man das Mikrofonsignal mit Equalizer und Dynamikgeräten stark verbiegt, ist das kein Problem. Im Gegenteil: Für genau diese Aufgaben scheint das Mikrofon konzipiert zu sein. Es sollte sich aber jeder Interessent bewusst sein, dass man nicht einfach das Mikrofon einstecken und loslegen kann. Wer also mit diesem sehr guten Mikrofon seinen Proberaumsound oder die Qualität bei kleinen Kneipengigs veredeln will, sollte über ein wenig tontechnisches Wissen und Erfahrung verfügen.  

Vocal-Beispiele mit Sänger Chul-Min Yoo:

Obwohl das DPA 2028 nicht mechanisch oder elektrisch dagegenhält, ist die Bissigkeit durch scharfe Konsonanten nicht übertrieben hoch, selbst bei harter, eckiger Aussprache. Ein wenig meint man, ein leichtes Reiben in den Höhen feststellen zu können, allerdings in einem Maße, welches sich bei Übertragung über eine PA nicht negativ bemerbar machen wird. Die Poppempfindlichkeit ist gering, die Anfälligkeit für Trittschall ebenso.

Geringe Feedbackanfälligkeit

Allen zugute kommt in jedem Fall, dass die Feedbackanfälligkeit schön gering ist. Das geschieht vor allem dadruch, dass es keine starken Ausbrüche in der Richtwirkung gibt, an denen Rückkopplungen „greifen“ können. Bleeding-Signale, etwa von anderen Sängen, Instrumenten oder dem Monitoring, zerfallen nicht zu Unkenntlichkeit, 45° klingen noch sehr „komplett“ und frei von Löchern. Aber die 90°-Besprechung macht deutlich, dass ein derartiges Mikrofon nicht dahingehend optimiert wurde. Das passiert aber auch nie.  

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare