Test
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01.04.2018

beyerdynamic DT 404 Test

Studio- und Lifestyle-Kopfhörer

Klassisch und modern zugleich

Kaum ein anderer Kopfhörer-Hersteller ist so häufig in professionellen und Hobby-Studios vertreten wie beyerdynamic. Die Heilbronner Traditionsmarke hat mit der DT-Serie echte Klassiker im Repertoire, die fast jeder Produzent oder Tontechniker irgendwann im Laufe seiner Karriere schon mal auf den Ohren hatte. So etablierten Größen wie DT 770 oder DT 990 ein neues Schwestermodell an die Seite zu stellen, ist mutig – im Falle des DT 404 ist diese Erweiterung aber absolut sinnvoll und zielführend.

Die auffallende Schlichtheit des äußeren Designs täuscht: der DT 404 verbindet schon optisch gekonnt Tradition und Innovation. Der traditionelle Teil erschließt sich dabei zunächst nur Kennern: Die dezente Einfärbung der Kapselgehäuse hat ihren Ursprung in den frühen Tagen des Fernsehens. Vor dem Farbfernsehen war es nämlich nicht ganz ungefährlich, Weiß darzustellen – die damaligen Röhrengeräte nahmen bei der Wiedergabe von reinem Weiß oftmals Schaden. Deutsche Ingenieurskunst behalf sich geschickt durch die Verwendung anderer Farbtöne, die dann technisch in ein darstellbares Weiß umkodiert wurden. Man sprach daher auch von „Fernsehweiß“ – genau jene Farbe, die nun das charakteristische Design des DT 404 bestimmt. Muss man wissen!

Details

Bauweise

Die Innovation zeigt sich dagegen in der Wahl des Polstermaterials. Das schwarze Fellimitat ist eine exakte, aber eben künstliche Nachbildung des Fells eines mitteleuropäischen Mammuts, das in fossiler Form die Jahrtausende überdauert hat. Die Ingenieure von beyerdynamic, allen voran Roland Pink, haben es nun geschafft, sich dieses Kunstfell als akustisch wirksames Material zueigen zu machen. Paradoxerweise erklärt sich der Name dieser besonderen Edition des DT 404 auch nicht aus der Verwendung von Fernsehweiß, sondern aus der Kombination des Namens des Chefingenieurs und einer erstaunlichen Ignoranz gegenüber zoologischen Zusammenhängen: Das vorliegende Modell heißt „Pink Elephant“. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Anerkennen muss man dagegen die akustische Funktion des Kunstfells. Der ohrumschließende, dynamische Kopfhörer wird vom Hersteller als „sehr geschlossen“ bezeichnet und definiert damit eine neue Kategorie jenseits des geschlossenen Bauprinzips. Grund dafür ist eben die Pink Elephant Technologie, die für eine zusätzliche Schallabsorption sorgt.

Mit 290 Gramm liegt das Gewicht des DT 404 (ohne Kabel) im Durchschnitt der Kopfhörer in dieser Klasse. Allerdings muss man berücksichtigen, dass der Pink Elephant im Regen deutlich schwerer wird und hinterher außerdem geföhnt werden muss. Regelmäßiges Kämmen soll laut Hersteller aber nicht nötig sein, diese Notwendigkeit sei im Laufe der Produktentwicklung herausentwickelt worden. Deren Worte, nicht meine. Klasse ist, wie sich das Fellimitat auf die Akustik auswirkt. Selbst im wildesten Großstadttreiben hat man mit einem Pink Elephant auf dem Kopf seine Ruhe, und zwar schon ohne Musik. Für eine auch optisch perfekte Integration in den eigenen Look hätte ich mir persönlich wechselbare Polster in verschiedenen Fellfarben zur Abstimmung auf die eigene Haarfarbe gewünscht. Mit entsprechenden Aufsätzen könnte der DT 404 so sogar zu einer Lösung für Alopeziepatienten werden. 

Verarbeitung

Im Hinblick auf die Verarbeitung muss man sich bei beyerdynamic keine Sorgen machen. Die zurückhaltende Farbkombination aus Fernsehweiß und schwarzem Pink Elephant unterstreicht den edlen, geschmackvollen Charakter des DT 404.

Gelungen ist die Verwendung des Holzes des St-Helena-Olivenbaums für die Kapseln, die dem gesamten Design zusätzliche Exklusivität verleihen. Durch spezielle Schleif- und Beizmethoden zeigt sich das Holz unter der fernsehweißen Lackierung so makellos und perfekt gearbeitet, dass man es fast nicht als Naturmaterial erkennt. Die besondere innere Struktur dieses Holzes kommt aber dem Klang zugute. Abgeschlossen wird die Kapsel von einer Platte aus gebürstetem Aluminium, die Hochglanzschwarz lackiert und mit dem Modellnamen beschriftet wurde.

Lieferumfang und Zubehör

Die mitgelieferte, robuste Transporttasche steht der Anmut des DT 404 gut zu Gesicht. Die Tasche besteht aus einem festen und in Form gebrachten Netz aus Kunstfasern, die so fein gesponnen wurden, dass sie für das menschliche Auge nicht mehr zu sehen sind. So wird der Blick des Betrachters zu keiner Zeit vom Kopfhörer abgelenkt.

Zum Lieferumfang gehört außerdem ein Satz zusätzlicher Pink Elephant Polster, allerdings ebenfalls schwarz und damit praktisch nutzlos, da eine Abnutzung bei diesem Material nahezu ausgeschlossen ist. Dafür bringt der DT 404 eine Vielzahl von Kabeln in verschiedenen Längen mit, eines davon sogar in symmetrischer Ausführung. Das erstaunt besonders deshalb, weil zum einen der DT 404 nicht symmetrisch ist und zum anderen das Kabel am Kopfhörer nicht gewechselt werden kann.

Technik und Kennzahlen

In einen so besonderen Kopfhörer kann man natürlich keinen üblichen Treiber einbauen, und so besticht der DT 404 durch ein speziell entwickeltes HoAcS-Aggregat. Während der Schwefel (S) eigentlich nur für die hübsche Farbe der Legierung sorgt, bilden Holmium (Ho) und Actinium (Ac) ein vergleichsweise weiches Metallgemisch, das für eine warme, angenehme Darstellung sorgen soll. Holmium ist außerdem ein „Metall der seltenen Erden“ und damit wiederum ein besonders edler Werkstoff.

beyerdynamic gibt einen Übertragungsbereich von 5 Hz bis 35 kHz an, der sich im Hörtest mit fernsehweißem Rauschen grob bestätigt, obwohl im Bereich um 12 Hz eine leichte Nase auftritt und der Bereich über 27 kHz weniger präsent erscheint als bei vielen anderen Kopfhörern. Letzteres mag der dämpfenden Eigenschaft der Pink Elephant Ohrpolster zuzuschreiben sein. Dafür überzeugt die Schallisolation auf ganzer Linie – 52 dB! Das ist nicht nur erstaunlich, das ist eigentlich technisch gar nicht möglich.

Mit seiner Impedanz von 16 Ohm kann der DT 404 nicht nur an Studio-Equipment, sondern sogar am Smartphone ohne weiteres betrieben werden. Der Kennschalldruck beträgt laut Hersteller 96 dB, dank der hervorragenden Isolation braucht man die aber eigentlich gar nicht. 

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