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29.06.2015

Bericht vom 10. Meinl Drumfestival 2015

Trommler aller Länder zu Gast in Gutenstetten

Das 10-jährige Jubiläum des Festivals wurde am 27.06.15 im Heimatort der Firma Meinl, im mittelfränkischen Gutenstetten zelebriert. Dafür hatte das verantwortliche Artist-Relation Team ein ganz besonderes, hochkarätiges Line-Up an nationalen und internationalen Meinl Endorsern eingeladen. Nach einer kurzen Begrüßung des zahlreich angereisten Publikums durch Firmenchef Reinhold Meinl und Artist Relation Manager Norbert Saemann war die Bühne frei für den ersten Akt des Tages...

...Thomas Lang. Thomas sollte ursprünglich einen Duo-Auftritt mit Luke Holland bestreiten, aber da dieser mit gebrochenem Fuß zwar anwesend, aber nicht spielfähig war, musste Herr Lang die 45-minütige Performance alleine bestreiten. Und der „Terminator“ lieferte das, was man von ihm erwartet: wahnwitzige Fußostinati, gepaart mit seiner übermenschlichen Technik zogen schnell die Fans in den Bann. Seine Performance beinhaltete neben einem sehr ausführlichen Solo auch einige vertrackte Play-Alongs. Am Ende wurde Luke Holland im Rollstuhl auf die Bühne gefahren und bedankte sich gemeinsam mit Thomas bei den angereisten Fans.

Als nächster war der ungarische Schlagzeuger Adam Markó an der Reihe. Adam spielte sehr geschmackvoll zu stilistisch vielfältigen Playbacks von Progressive Metal bis zu elektronischen Drum‘n Bass- und Lounge-Sounds. Mit Richard Spaven kam danach ein britischer Protagonist auf die Bühne. Ausgefuchste Soul-, Hip Hop- und Elektro-Beats  standen auf dem Programm, vorgetragen auf einem, im Vergleich zum Rest der Künstler,  spartanischen Drumset. Seine Performance war die groove-orientierteste und am wenigsten „flashigste“ des gesamten Events, und er machte mit wenigen Schlägen klar, warum er in Großbritannien ein so gefragter Tour- und Session-Drummer ist.

Gänzlich andere Klänge wurden dem Publikum dann durch Kerim „Krimh“ Lechner um die Ohren geballert. Alle angereisten Freunde des Extreme-Metal Genres und knalliger Doublebass Action kamen hier voll auf ihre Kosten. Der Septic Flesh Drummer war auch nach seiner Performance schwer von Fans umlagert. Mit Ralph Peterson hielt das hochkarätige Jazzdrumming Einzug beim Meinl Drumfestival. Ralph spielte vor allem zu Bebop Tunes und brachte einen erfrischend anderen Sound („Put the low end out of the Bass Drum“) und Spielweise auf die Bühne. Auch während seiner beeindruckenden Perfomance waren die Ränge sehr gut gefüllt, und es gab am Ende viel Applaus.

Die deutsche YouTube-Sensation und „Quintolen-Königin“ Anika Nilles brachte die Halle dann fast zum Platzen, denn neben dem Publikum verfolgten auch alle anderen Performer und sonstige angereiste Trommlerprominenz gebannt ihren Auftritt. Anika spielte neben einem Solo vor allem zu ihren eigenen Songs und meisterte ihren Auftritt, trotz der wahrscheinlich höchsten Erwartungshaltung des Tages, mit Bravour und durchgehend hohem Energielevel. In den rhythmisch ausgecheckten Gefilden ging es dann mit dem Animals als Leaders Trommler Matt Garstka gleich weiter richtig zu Sache. Sein Spiel zeichnete sich durch eine beeindruckende Hand- und Fuß-Technik, gepaart mit einem felsenfest genagelten Timing und hoher Dynamik aus. Sehr beeindruckend für alle Zuschauer.

Robert „Sput“ Searight von der Band Snarky Puppy war als vorletzter angetreten, das Publikum zu begeistern. Mit einem Multi-Drumset, bestehend aus einem Tama Cocktail Kit und einem Star Drumkit im Gepäck, spielte er teils sehr dichte, perkussive Patterns oder auch hippe Grooves und knallige Licks zu eher sphärischen Loops vom Playback. Dabei hatte man als Zuhörer das Gefühl, das Sput weniger fertige Songs reproduzierte, sondern völlig losgelöst die Musik spontan live auf der Bühne kreierte. In seinem kurzen Solo kamen New Orleans Grooves und Max Roach Zitate aus der Performance von Ralph Peterson zum Vorschein. Seine spannende, hochmusikalische Performance zählt für mich zu den absoluten Highlights dieses ohnehin sehr gelungenen Programms.

Benny Greb und seine Band „Moving Parts“ gaben dann zu guter Letzt den Headliner des Festivals. Mit den beiden erst am Festivaltag angereisten Mitmusikern Kit Downes ( keys) und Chris Montague (guit) ging es sehr funky zur Sache. Nach allem Geballer und oftmals vertrackter Trommelkunst stand jetzt hier ganz klar das gemeinsame Musizieren im Fokus. Aber für Bennys berühmte Spielereien blieb natürlich, trotz der fetten Portion Groove, auch genügend Platz im organischen Spielfluss des Trios, was vom Publikum der vollbesetzten Halle natürlich gebührend honoriert wurde.

Aber auch abseits der Konzerthalle gab es Interessantes zu entdecken. So konnten die Zuschauer sich am Cajon-Selbstbau versuchen, im Percussion Circle mittrommeln oder die vielfältige Instrumenten-Ausstellung der verschiedenen Meinl Becken und Meinl Vertriebsmarken wie Tama Drums, Meinl Percussion, Ibanez Guitars, Ortega Guitars, Pro Mark Sticks und Evans Felle im Foyer der Konzerthalle begutachten und ausgiebig ausprobieren. Hier kam vom Lautstärkepegel fast Musikmesse-Flair auf. Für das leibliche Wohl wurde an verschiedenen gastronomischen Stellen umfassend gesorgt, und wer einen Blick hinter die Kulissen der Meinl Beckenschmiede werfen wollte, konnte sich per Shuttlebus zur Factory Tour kutschieren lassen. Hier konnte ich erfahren, dass Meinl im Jahr aktuell 350.000 Becken fertigt, Tendenz steigend, und in 24-Stunden-Schichten produziert. 

Insgesamt war es ein sehr gelungenes und professionell organisiertes Festival mit tollen Künstlern und vielen sympathischen Begegnungen, auch abseits der Bühne, zwischen Besuchern, Künstlern und Mitarbeitern der Firma Meinl. Auf die nächsten 10!

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