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Test
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29.09.2017

Audio-Technica AT5047 Test

Übertrager-Version des Großmembranmikrofons AT5040

Viel 50(40), wenig (U) 47 – und gerade deswegen hervorragend

Das Audio-Technica AT5047 sieht dem AT5040 nicht nur grob ähnlich, sondern beruht auch technisch auf dem 5040. Dieses AT5040 ist ein exzeptionelles Mikrofon und begeistert nicht nur uns, sondern hat weltweit eingefleischte Fans unter den Tontechnikern gefunden. Das gilt in gleichem Maße für das weniger auf Vocals denn auf Instrumente hin konzipierte, deutlich kleinere AT5045 – ein Mikrofon, das man dem Autoren dieser Zeilen wohl nur unter Gewaltandrohung abnehmen könnte.

Das AT5047, welches das nun dritte Mikrofon der Top-Serie des Unternehmens aus Japan ist, baut wie die beiden anderen auf eine spezielle Rechteckmembran. Was merkwürdig für denjenigen klingen mag, der der Meinung ist, dass Mikrofonmembranen, von Ribbons einmal abgesehen, rund zu sein haben, dem sei entgegnet: Das Konzept ist nicht neu, die Schweden von Pearl und Milab haben damit schon sehr vorzügliche Mikrofone gebaut – und auch AT5040 und AT5045 gelten bei manchen Engineers als die besten Großmembranmikrofone der Welt. 

Details

AT5047: Genau wie das AT5040, nur eben ganz anders?

Von außen betrachtet, ähneln sich 5040 und 5047 wie ein Ei dem anderen. Der Korpus des AT5047 hat nicht die Anthrazitfarbe des AT5040 und des AT5045, sondern kommt in mattem, edlem Silberfinish. Schaltfunktionen für Pad, Filter oder Pattern gibt es keine. Die Richtcharakteristik ist eine feste Niere, die allerdings nicht durch eine Membran, sondern ganze vier Stück generiert wird. Das Prinzip ist vom AT5040 bekannt. Auch dort sind vier Rechteckkapseln mit Nierencharakteristik in zwei übereinanderliegenden Zweierpaketen angebracht. Diese werden zusammengeschaltet, um anders als eine einzige Membran eine geringere Trägheit liefern zu können (also schnellere Transienten und bessere Höhenwiedergabe). Bei der Verschaltung wird ein Trick angewendet, denn je zwei diagonal angeordnete Einzelkapseln werden in Reihe gesetzt und ergeben einen Signalteil. Die beiden so entstandenen Signale werden dann einmal mit unveränderter, einmal mit invertierter Polarität über die Pins 2 und 3 der XLR-Buchse ausgegeben – Symmetrierung ist also unnötig! 

Der sicherlich wesentliche Unterschied zwischen dem Audio-Technica AT5040 und dem AT5047 besteht darin, dass das Audio-Technica AT5047 mit einem Mikrofon-Ausgangsübertrager ausgestattet ist. Entgegen dem transformatorlosen Design des 5040 wird damit sicher ein etwas anderer Klangcharakter einhergehen. Am Rande: Wer Interesse an den Aussagen des Mikrofon-Ingenieurs hinter der 50er-Serie von Audio-Technica hat, kann hier ein Interview und ein Firmenporträt von meinem Besuch bei AT in Tokyo lesen.

Andere Elektronik – andere Werte

Anders als das 5040 hat das 5047 etwas andere Werte. So liegt der Zerrpunkt bei 148 dB(SPL) (für 1% THD+N) statt bei 142. Die deutlich andere Elektronik sorgt für einen geringeren Übertragungsfaktor des AT5047, welcher nun mit 35 mV/Pa nicht mehr so extrem hoch ist wie der des AT5040, welcher mit über 55 mV/Pa einer der höchsten überhaupt war. Ebenfalls anders als beim AT5040 ist die Ausgangsimpedanz, die beim Audio-Technica AT5047 mit 150 Ohm ebenfalls einen üblicheren Wert besitzt: 150 Ohm, beim AT5040 sind es 50. Der grafische Frequenzgang weist die gleichen Züge auf wie der des 5040, auch dort findet man eine sanfte Rücknahme der Schärfeanteile. Nicht verwunderlich ist, dass das Polar-Pattern so gut wie identisch ist und mit einer hohen Stabilität bis zu den Seiten glänzt.

Eine Spinne und ein Koffer zum Liebhaben

Ein kleines Meisterwerk ist nicht nur das Mikrofon selbst, sondern auch die mitgelieferte Spinne AT8480. Diese Schwingungsisolation besitzt Flügel, die umklappen und somit das AT5047 fest aufnehmen und wieder freigeben können. Damit das nicht aus Versehen geschieht, gibt es einen kleinen Verschlussmechanismus.

Und während die elastische Halterung zwar höchst funktionell, aber gestalterisch nicht unbedingt jedermanns Sache ist, kann man wohl nicht umhin, diesen tollen Koffer namens „R10“, in dem unter anderem auch AT5040 und AT5045 geliefert werden, ins Herz zu schließen. Diese stark verrundeten Ecken und großen Verschlüssen: einfach niedlich. Natürlich ist dieses Case auch funktionell großartig und hält durchaus etwas aus, wie ich mit der Behausung für mein AT5045 schon das eine oder andere Mal versehentlich erprobt habe. 

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