Test
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27.04.2020

Praxis

In den folgenden beiden Videos bekommt ihr fast alle für die EXS-Serie erhältlichen Kits zu hören, wobei die fünf Preset Kits auch mit Songbegleitung eingespielt wurden:

EXS-5 Video Exercise Series

EXS-2 MK2 Video

Die Hi-Hat des EXS-5 erweist sich als geräuschvoll

Das Rack ist dank der leicht verständlichen Anleitung bei beiden Kits schnell aufgebaut, und auch die Verkabelung der Pads geht schnell über die Bühne. Alle Komponenten sind sehr flexibel positionierbar und können somit leicht an verschiedene Körpergrößen angepasst werden. Während die Anschlaggeräusche der Mesh Heads sich naturgemäß in einem angenehmen Rahmen halten, erscheint mir die Geräuschentwicklung des Hi-Hat Pads beim EXS-5 überdurchschnittlich hoch. Dies hat sicher mit der zweiteiligen Konstruktion und dem dadurch entstehenden Hohlraum zu tun und sollte, falls das Kit in geräuschempfindlicher Umgebung eingesetzt werden sollte, bedacht werden. Die doppellagigen Mesh Heads auf den Snarepads bieten neben der verbesserten Haltbarkeit noch den Vorteil, dass sie sich bei Bedarf fester spannen lassen als einlagige Varianten.

Ein Fest für Beckenfreunde

Beim ersten Anspielen der fünf Preset Kits fällt mir auf, dass die Lautstärkeverhältnisse der Instrumente – und das gilt zum Teil auch für die im Store erhältlichen 13 zusätzlichen Kits – nicht optimal sind, womit das „Plug & Play“-Konzept dann doch nicht so ganz aufgeht. Allerdings kann hier schnell Abhilfe geschaffen werden, denn im Bereich „Inst Level“ können die nötigen Anpassungen sehr bequem und zügig vorgenommen und dauerhaft gespeichert werden. Weiterhin fällt auf, dass viele der Sounds relativ trocken klingen, was so manchem angesichts der zahlreichen mit Effekten förmlich überfrachteten E-Drumkits am Markt zunächst ungewöhnlich erscheinen mag. Obwohl ich es schätze, das ATV hier den gegenteiligen Weg einschlägt, hätte ich mir die Möglichkeit gewünscht, einzelnen Instrumenten zumindest einen Hall hinzuzufügen, da sich dies nach meiner Erfahrung durchaus inspirierend auf das Spielen auswirken kann. Herausragend sind für mich die wirklich gelungenen Beckensounds, bei den Toms hingegen vermisse ich teilweise die klanglichen Nuancen, wodurch sie in einigen Kits etwas steril und gleichförmig klingen. Aber verschafft euch am besten selbst einen Eindruck. Hier folgen einige Klangbeispiele:

Das Spielgefühl und die Umsetzung der Dynamik fühlen sich auf dem EXS-5 natürlich und angenehm an. Die Mesh Heads sprechen leicht an und weisen auf der gesamten Fellfläche einen gleichmäßigen Lautstärkeverlauf vom Rand bis zur Mitte auf, was den drei Sensoren unter dem Mesh Head zuzuschreiben ist. Ein exzellentes Spielgefühl bietet auch die Hi-Hat sowie die hervorragenden Beckenpads, bei denen die Zonen sauber voneinander getrennt und die Zonenübergänge fein abgestuft sind. Nicht ganz so luxuriös geht es beim EXS-2 zu, was zum einen an den kleinen Durchmessern der Toms liegt, zum anderen daran, dass die Hi-Hat- und Beckenpads hier konventioneller gestaltet und nur auf einem Teil der Spielfläche nutzbar sind. Dennoch ist auch hier das Spielgefühl – vor allem vor dem Hintergrund, dass das EXS-2 nur halb so viel kostet wie das EXS-5 – sehr gut. Die 8“-Tompads erzeugen in der Werkseinstellung bereits bei mittlerer Anschlagstärke den maximalen Output, was sich im typischen „Machine Gun“-Effekt äußert. Nachdem ich im Trigger Menu ein anderes Pad-Modell ausgewählt habe, klingt es aber schon deutlich besser. Es sind übrigens ausschließlich ATV Pads wählbar, was aber nicht bedeutet, dass andere Pads nicht kompatibel wären: Ein testweise angeschlossenes Yamaha Pad mit Gummispielfläche funktioniert jedenfalls einwandfrei. 

Die Sounds einzelner Instrumente könnt ihr im Folgenden hören: 

Zur Veranschaulichung der Dynamik habe ich noch eine Grafik erstellt, die den Verlauf von leise bis laut auf dem Snarepad zeigt. Oben seht ihr die reale Anschlagstärke und unten den Lautstärkeverlauf des ausgegebenen Sounds. Die zweite Grafik zeigt die Latenz, also die zeitliche Verzögerung zwischen dem Anschlag und dem dadurch ausgelösten Sound. Vier Millisekunden sind ein Topwert und beim Spielen nicht spürbar. 

Die Songs klingen gut, sind aber unflexibel

Einige der 20 auf der SD Card gespeicherten Play-Along Songs könnt ihr im Video hören. Hier beweist ATV Geschmack und liefert stilistisch unterschiedliche Tracks auf hohem Niveau. Bedauerlich finde ich allerdings, dass jeder Song nur in einem festen Tempo abspielbar ist. Zum Üben wäre es sinnvoll, wenn man das Tempo verändern könnte. Ein zweiter Kritikpunkt betrifft die Record-Funktion. Es ist beim xD3-Modul nicht möglich, eigene Aufnahmen – die nach dem Ausschalten des Gerätes verloren sind – auf die SD Card oder aber einen USB-Stick zu speichern, so wie das bei vielen anderen Modulen problemlos möglich ist. In der Anleitung empfiehlt der Hersteller, die Aufnahmen über den Audioausgang zu sichern, sprich: in Echtzeit auf ein Aufnahmegerät zu überspielen. Schwer vorstellbar, dass jemand sich das heutzutage noch antun möchte… Schade auch, dass die MIDI-Notennummern, die über die Pads gesendet werden, nicht variabel sind. Das macht die Kommunikation mit einem über USB angeschlossenen Rechner oder sonstigen MIDI-Gerät unnötig kompliziert.

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