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27.04.2020

ATV EXS-2 Mk2 / EXS-5 Exercise Series E-Drum Vergleichstest

Elektronische Schlagzeuge

Der neue Minimalismus

Weniger ist mehr – das war und ist offenbar die Devise des japanischen Herstellers ATV, dessen E-Drumsets EXS-2 Mk2 und EXS-5 im Mittelpunkt dieses Testberichts stehen. Wer heutzutage mit fünf Preset Drumkits um die Ecke kommt, wird bei so manchem E-Drum-User vermutlich Stirnrunzeln hervorrufen, überbieten sich manche Hersteller doch regelmäßig bezüglich der Vielzahl an Sounds und Drumkits selbst in der unteren Preisklasse. Wer allerdings genauer hinschaut bzw. hinhört, erkennt schnell, das dieses Konzept – hinter dem übrigens kein Geringerer als Roland-Gründer Ikutaro Kakehashi steckt – durchaus Sinn macht. 

Es ist offensichtlich, dass sich ATV – und das wurde schon mit dem 2016 vorgestellten aD5 Modul sehr deutlich – nicht an die E-Drummer richtet, die nach abgefahrenen Effektsounds suchen und Wert auf eine größtmögliche Palette an unterschiedlichen Klängen legen, sondern diejenigen Schlagzeuger im Fokus hat, die akustische, authentische Trommel- und Beckensounds schätzen und auf Percussion- und Elektronikklänge verzichten können. Offenbar wollte sich Ikutaro Kakehashi, der im Jahr 2017 verstorbene Gründer der Firma ATV mit dieser Philosophie klar von den anderen Herstellern am Markt abgrenzen. Fünf akustische Drumsets von Jazz bis Metal gibt’s beim xD3 Modul – dem Herzstück der EXS-Serie, die mit dem EXS-1 Mk2 und dem EXS-3 übrigens noch zwei weitere Ausstattungsvarianten bietet – in der Grundausstattung, allerdings stehen weitere Kits kostenlos im ATV Sound Store zum Download bereit. Schauen wir also mal, was die beiden Kits im Vergleich zur Konkurrenz von Roland, Alesis, Pearl, 2Box und Co. zu bieten haben. 

Details

Während die Racks der beiden Testkits sich sehr ähneln, weicht die Pad-Bestückung deutlich voneinander ab – was sich letztlich im satten Preisunterschied von aktuell rund 1000 Euro widerspiegelt. 

Die Mesh Heads des EXS-2 Mk2 sind auf den drei 8“ Single Zone Toms – entgegen einiger Infos aus dem Web – einlagig und auf der 8“ Bassdrum sowie der 10“ Dual Zone Snare doppellagig konstruiert, was sich positiv auf das Spielgefühl und die Haltbarkeit auswirkt. Die stabilen Halterungen erlauben flexible Positionierung. Die Spitzen des Bassdrum Pads sind per Stimmschlüssel von Gummi auf Metalldorn umstellbar. Mit 12 Zoll Durchmesser bieten die Hi-Hat- und Beckenpads eine ausreichend große Spielfläche. Zwei Anschlusskabel am Ridepad weisen darauf hin, dass hier drei Spielzonen (Rand, Fläche, Kuppe) integriert sind. Zur Hi-Hat gehört auch das sehr leichte Controllerpedal aus Kunststoff, das über zwei herausschraubbare Metalldornen verfügt, die ein Verrutschen während des Spielbetriebs verhindern sollen.  

EXS-5: Alles ein bis zwei Nummern größer

Beim EXS-5 sieht man schon auf den ersten Blick, dass hier sämtliche Komponenten ein bis zwei Nummern größer ausfallen. 13 Zoll messen Bassdrum, Snare und Floortom, auf 10 Zoll bringen es die beiden Racktoms. Letztere sind mit einlagigen Mesh Heads bestückt, während für Bassdrum, Snare und Floortom die doppellagigen Varianten verwendet werden. Die Tompads des EXS-5 sind mit drei Sensoren bestückt, um eine gleichmäßigere Ansprache über die gesamte Fellfläche zu erzielen. Mit seinen 13 Zoll Durchmesser bringt das Bassdrum Pad ein stattliches Gewicht mit sich, das es sehr unanfällig gegen Verrutschen bei heftiger Bearbeitung macht. Sehr schlicht, aber gerade deshalb sehr interessant im Design sind die Hi-Hat- und Beckenpads. Hier gibt es keine abgesetzten, andersfarbigen Flächen, eingeprägten Rillen oder Ähnliches, sondern lediglich eine ebene Spielfläche aus nicht zu hartem und nicht zu weichen Silikon. Nachdem mir beim Aufbauen auffiel, dass die Beckenhalter keine Vorrichtungen gegen ein Verdrehen der Becken aufweisen, wurde der Grund dafür beim ersten Anspielen schnell deutlich: Die Pads registrieren die Anschläge gleichmäßig auf der gesamten Spielfläche, sodass man während des Spielens einfach weniger hinschauen muss und somit viel freier agieren kann. Das Hi-Hat Pad ist zur Montage auf einem herkömmlichen Hi-Hat-Stativ  – welches nicht zum Lieferumfang gehört – vorgesehen. Eine Kunststoffform wird in der Position des Bottom Cymbals aufgelegt, während das eigentliche Pad wie gewohnt an der Zugstange befestigt wird. Die Erkennung des Öffnungsgrades übernimmt hierbei ein optischer Sensor, welcher eine separate Stromversorgung benötigt. 

Beim Modul herrscht Minimalismus vor

Auch wenn es aufgrund der unterschiedlichen Farben nicht so scheinen mag: Die Module der beiden Testkits – schwarz beim EXS-2, silber beim EXS-5 – sind identisch. Es handelt sich dabei um das xD3-Modell, im Prinzip eine abgespeckte Variante des aD5. Im Gegensatz zum großen Bruder besteht das spärlich bestückte Gehäuse hier aus Kunststoff anstatt aus Metall, wirkt aber dennoch robust. Die Bedienelemente, die sich um das mittig platzierte Display gruppieren, sind schnell aufgezählt: links der Power Button, unter dem Display fünf Funktionstasten – denen die Preset Kits Modern Rock, World Pop, Super Metal, Swing und Heavy Rock zugeordnet sind – sowie der Schalter zum Aufrufen der Kit-Liste. Rechts finden wir das Eingaberad, zwei Lautstärketasten, die Return- und Menu/Enter-Buttons sowie die Tasten zur Steuerung des Metronoms und der Songs. Ähnlich übersichtlich ist auch die Rückseite: Neben den zwei Ausgängen gibt es einen Audio In als Miniklinke, einen Eingang für ein zweites Crashpad, den Multi-Trigger-Anschluss, MIDI Out, einen USB Port, einen SD Card Slot sowie den Netzanschluss. Eine 8 GB Micro SDHC Card mitsamt Adapter, auf welcher 20 Play-Along Songs gespeichert sind, ist im Lieferumfang enthalten. Über diese Karte können zusätzliche Kits oder weitere Songs (als wav.-Dateien mit maximal 2 GB pro Song) in das Modul importiert werden, zudem ist es möglich, Kit- und Triggereinstellungen auf der Karte zu speichern. Der Kopfhöreranschluss befindet sich praktischerweise an der Vorderseite des Moduls. 

Der Visualizer verspricht mehr als er kann

Ebenso übersichtlich wie das Äußere gestaltet sich auch der Funktionsumfang des Moduls, das ganz klar als „Plug & Play“-Variante ausgelegt ist und keine Editierung der Sounds zulässt. Über die Menu-Taste gelangt man in die fünf Hauptbereiche Song, Metronome, Setup, Inst Level und Record. Das Song Menu bietet die Möglichkeit, im Verlauf des Songs maximal neun Marker zu setzen, um bestimmte Songteile gezielt zu üben oder Loops zu erstellen. Alle 20 Preset Songs auf der SD Card verfügen bereits über Marker, die aber bei Bedarf verändert oder gelöscht werden können. Es ist übrigens nicht möglich, Songs ins Modul zu importieren, diese stehen nur über die SD-Karte zur Verfügung. Im Metronome Menu stehen verschiedene Time Signatures und Subdivisions sowie sechs verschiedene Clicksounds zur Auswahl. Bei Bedarf kann das Metronom über das Anschlagen des Crashpads gestartet werden, und auch eine Tap Tempo Funktion ist an Bord. Beim Spielen zum Metronom zeigt eine sehr rudimentäre grafische Darstellung, genannt „Visualizer“, an, wie genau diese Schläge auf den Vierteln bzw. Achteln liegen. Klingt in der Theorie interessant, aber in diesem Bereich bieten andere Module bessere Möglichkeiten zur Tempokontrolle. Ebenso kann der Visualizer im Kit Menu die Pegel der einzelnen Schläge als Balkendarstellung anzeigen, wobei sich der Sinn dieses Features mir nicht so recht erschließen will. 

Das Setup Menu beinhaltet die Trigger Settings sowie die globalen Einstellungen. Im Trigger-Bereich können Dynamik und Ansprechverhalten der Pads variiert werden. Allerdings sind die Möglichkeiten hier begrenzt, so können zum Beispiel keine unterschiedlichen Dynamikkurven ausgewählt werden. Der Cross-Talk Cancel Wizard sorgt bei Bedarf dafür, dass es keine Übersprechungen zwischen den Pads gibt. Für das Snarepad kann hier auch eingestellt werden, ab welcher Anschlagstärke der Rimshot Sound zu hören ist. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass das Modul die Option bietet, dem Snare Rim wahlweise einen Sidestick- oder Rimshotsound zuzuordnen. Der Utility-Bereich bietet die Möglichkeit, Kit- und Triggereinstellungen zu sichern oder zu laden, Kits zu importieren, die SD Card zu formatieren und einen Factory Reset durchzuführen. Im Bereich „System“ schließlich gelangt man zu den Display-Einstellungen, der Auto Power Off Funktion (Off, 30 Minuten oder 4 Stunden), der globalen Lautstärke, den Panorama-Einstellungen für die einzelnen Pads sowie der Einstellung des globalen MIDI-Kanals. Die den Pads zugeordneten Notennummern können übrigens nicht verändert werden, was man im Kopf haben sollte, falls man das Modul in ein MIDI Setup integrieren möchte. Zu guter Letzt erfährt man im System Menu auch die Firmware-Version sowie die Product ID, die angegeben werden muss, wenn man Zugriff auf die 13 derzeit erhältlichen Extrakits aus dem ATV Sound Store haben möchte. Interessant ist übrigens die Option, dass man im Sound Store, neben den vorgegebenen Konfigurationen, aus insgesamt über 60 Einzelinstrumenten auch eigene Drumkits zusammenstellen und importieren kann, und das sogar kostenlos.  

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