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Test
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22.06.2018

AKG C636 Test

Handheld-Kondensatormikrofon

Studiosound auf der Bühne?

Das AKG C636 möchte uns im Livebereich mit studioreifem Vocalsound verwöhnen. Dabei richtet es sich an keinem geringeren als am Vorgängermodell AKG C535 aus. Kondensatormikrofone sind unter den Handhelds nicht weit verbreitet. Und so stößt das C636 aktuell noch immer in eine zwar kleiner gewordene, aber immer noch vorhandene Marktlücke. Wir dürfen deshalb durchaus gespannt sein, wie sich AKGs Neuling in der Praxis schlägt.

Denn AKG haben es sich nicht nehmen lassen, die Stärken des Vorbilds aufzugreifen und für das aktuelle Mikrofon akustisch weiterzuentwickeln. Bei einem Mikrofon, das vom Hersteller selbst als Referenzprodukt gepriesen wird, hängt die Messlatte im Hinblick auf Features, Specs, Fertigung und Handling sowie bezüglich der Soundqualität selbstverständlich hoch. Kann das AKG C636 diese Prüfung bestehen und die Erwartungen erfüllen, die es weckt?

Details

Auftritt

Der Lieferumfang des AKG C636 enthält eine Transporttasche, die durch zwei Reißverschlussfächer besticht. Im größeren der beiden Fächer wird das Mikrofon untergebracht, im kleineren findet die beiliegende Stativhalterung Platz. Eine übersichtliche und materialschonende Lösung.

Äußerlich folgt das Mikrofon der heute gängigen, zeitlosen Designlinie von AKG. Das Gehäuse des Mikrofons ist aus einer schwarzen, widerstandsfähigen Zinklegierung. Ein ebenfalls schwarzer Geflechtkorb aus Federstahldraht umgibt und schützt die Kapsel. Durch den flachen Abschluss des Mikrofonkopfes ist das Drahtgeflecht gut gegen Verformungen gewappnet, die andernfalls durch Stöße oder beim Herunterfallen des Mikrofons entstehen könnten. Darunter arbeitet in einer 24-Karat-goldbeschichten Kapsel eine 3/4-Zoll große Membran.

AKG verspricht, mit dem C636 Klang in Studioqualität einfangen und präsentieren zu können. Dazu wurden gegenüber dem C535 drei zentrale Probleme angegangen. Die spezielle Richtcharakteristik des Mikrofons soll Rückkopplungen vermeiden helfen. Sie ist auch deshalb speziell, weil sie relativ frequenzstabil ist. Das heißt, dass sie insbesondere im für Stimmen relevanten Frequenzspektrum mit einer weitgehend gleichbleibenden Nierenform arbeitet.

Außerdem wurden Popp- und Griffgeräusche angegangen. So hat AKG die Aufhängung der Kapsel beim C636 weiterentwickelt. Sie wird nämlich zweifach stoßabfedernd gelagert. Aufgrund dieser stark entkoppelten Kapselaufhängung soll die Körperschallübertragung von Griffgeräuschen deutlich weniger ins Gewicht fallen. Und auch der Drahtgeflechtkorb wurde im Hinblick auf seine akustischen Eigenschaften eigens für dieses Mikrofon überarbeitet. Außerdem wirkt unter dem Drahtgeflechtkorb nicht nur die obligatorische Schaumstoffschicht potenziellen Popp- und Plopplauten entgegen. Vielmehr kommt über der Kapsel auch ein eigens entworfener Gewebekorb zum Einsatz. Es sorgt dafür, dass auftreffende Luftströme weiter diffundiert werden.

Technik

Im AKG C636 arbeitet eine Elektretkapsel, deren ausgegebenes Signal von einem Feldeffekttransistor (FET) verstärkt wird. Aufgrund dieses FETs benötigt das Mikrofon dann auch seine Phantomspeisung. Soviel zur Funktionsweise. Aber schauen wir auch auf die technischen Spezifikationen und vergleichen die vom Hersteller angegebenen Daten des C636 mit denjenigen seines Vorgängers. Dabei fallen zunächst nur geringe Unterschiede ins Auge. Der Geräuschersatzpegel des C636 ist mit 20 dB(A) geringfügig besser als der des C535 und der Signal-Rausch-Abstand von 74 dB(A) etwas größer. Beide Mikrofone arbeiten über einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20  kHz und haben eine Impedanz von 200 Ohm. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf und wir kommen zu den Unterschieden.

Während das Vorgängermodell noch zwei verschiedene Filter (100 Hz, 12 dB/Okt. und 500 Hz, 4 dB/Okt.) sowie eine 14 dB starke Signaldämpfung per Schieberegler bot, begnügt sich das C636 mit einem Low-Cut-Filter, das bei 80 Hz einsetzt und mit einer Flankensteilheit von 12 dB/Okt. arbeitet. Gleich geblieben ist, dass der zugehörige Schalter auch beim C636 vertieft angebracht wurde und seine Stellung per Schraubenzieher oder Kugelschreiberspitze verändert werden muss. Dadurch ist er auch beim C636 bestens gegen ein versehentliches Verstellen gewappnet.

Die empfohlene Lastimpedanz beträgt für das aktuelle Modell nicht mehr 600 Ohm, sondern nun 2 kOhm. Ein weiterer deutlicher Unterschied findet sich beim maximalen Schalldruckpegel, der von 130 auf 150 dB(SPL) verbessert wurde. Das Mikrofon ist deshalb auch für sehr laute Schallquellen geeignet. Konnte das C535 noch mit einer Phantomspannung zwischen 9 und 52 V bei einer Stromstärke von gerade einmal 2,5 mA betrieben werden (etwa an mobilen Mischpulten), empfiehlt AKG für das C636 den Standard von 48 V bei einer maximalen Stromstärke von 4 mA. Damit liegen die geforderten Voraussetzungen des aktuellen Mikrofons innerhalb der aktuellen IEC-Normen für Phantomspeisung.

Vor dem Praxistest möchte ich das C636 auch noch kurz mit seinen günstigeren AKG-Geschwistern abgleichen. Hier schneidet das Mikrofon sehr gut ab und macht deutlich, warum es an der Ladentheke den einen oder anderen Schein mehr kostet. Denn verglichen mit den kleineren Kondensator-Handhelds aus dem Hause AKG (dem C7 und dem C5) ist das C636 diesen bei nahezu allen technischen Werten überlegen. Das gilt auch für die Empfindlichkeit des Testkandidaten, die von AKG mit einem für Handhelds starken Wert von 5,6 mV/Pa angegeben wird.

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