Software
Test
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28.05.2018

Accusonus Regroover Pro Test

Dekonstruktions-DAW

De-construction Time Again

Regroover von Accusonus ist eine Art Melodyne für Drumloops. Ähnlich wie die Celemony-Software macht Regroover Audiomanipulationen möglich, die vorher undenkbar waren: Beatloops können „entmischt“ und wieder in ihre ursprünglichen Bestandteile zerlegt werden. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein? Mijk van Dijk hat das Plug-in in seinen Produktionen getestet und weiß mehr.

Details

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich

Accusonus, die griechisch-amerikanische Softwareschmiede, die uns bereits Drumatom und die Noise/Reverb-Entferner ERA-N, ERA-R und ERA-D brachte, legt jetzt ihr bislang kreativ spannendstes Plug-in vor. Regroover analysiert Audiomaterial laut Herstelleraussage „mit künstlicher Intelligenz“, „erkennt“ die Instrumente, „entmixt“ das Stereofile und zerlegt es in seine verschiedenen Instrumentenspuren. Diese folgen dem Tempo der DAW, können mit den Regroover-eigenen Tools bearbeitet und sogar völlig neu arrangiert werden. Liquid Audio, fast so wie Melodyne für Rhythmen. Stell dir vor, du könntest all die Drumloops aus deiner Library in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen, neu abmischen, unerwünschte Instrumente muten oder nur den einen Killershaker extrahieren und den Rest ignorieren. Genau das ist jetzt möglich!

Man darf sich die Ergebnisse des Regroovers aber leider nicht so vorstellen, als hätte man nach dem „Entmischen“ wieder blitzsaubere einzelne Instrumentenspuren vorliegen. Auch kann Regroover einen Song nicht in seine einzelnen Stems zerlegen. Es ist jedoch schon sehr verblüffend, was Regroover anbietet. 

Ein möglichst sauber geschnittener Audioloop wird einfach per Drag und Drop auf der Plug-in-Oberfläche abgelegt und sofort analysiert. Wenn das File dann mehrspurig vorliegt und Producer sich durch die einzelnen Layers klickt, muted, Solo schaltet, kann man sich eines schelmischen Grinsens nicht erwehren. Es grenzt schon fast an Magie, dass plötzlich alle Bestandteile eines komplexen Grooves als separate Spuren vorliegen. Die Präzision der Analyse sowie die Anzahl der ausgegebenen Layers lässt sich einstellen.

Die Analyse-KI scheint die Frequenzen und die Wiederholungsmuster der einzelnen Instrumente zu berücksichtigen, denn manche Instrumente mit sehr definiertem Frequenzspektrum wie z.B. HiHats und Shaker werden fast perfekt isoliert, während andere mit breiterem Frequenzbereich als Artefakte sowohl in einem als auch im anderen Layer vorkommen. Gemeinsam abgespielt klingen alle Layer jedoch wieder wie der Original-Loop. Mit dem „Annotation-Tool“ lassen sich Teile einzelner Layers dann mit anderen Layers mergen, um wieder sinnvolle Spuren zusammenzustellen, z.B. wenn Regroovers KI die Attack-Phase und die Decay-Phase einer Snare in zwei verschiedenen Layers geparkt hat. Das ist etwas fummelig, aber machbar.

Pro Layer stehen noch diverse interne Bearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung: ein Noisegate, ein semiparametrischer EQ, ein Kompressor und ein Saturator, der sogar über eine einfache Transient-Design-Funktion verfügt. Mit all diesen Werkzeugen kann man dann dem File non-destruktiv zu Leibe rücken. Wem das nicht reicht, der sendet das Layer über die bis zu 16 virtuellen Einzelausgänge aus dem Plug-in und greift sie in der DAW auf individuellen Kanälen ab, die dann nach Belieben resampled oder mit sämtlichen verfügbaren Plug-ins bepflastert werden können.

Kitbuilding

Bis hierher hätte das Plug-in auch einfach „Layer-Maker“ oder ähnlich heißen können. Aber „Regroover“ trägt seinen Namen durchaus zu Recht, denn die Layers können komplett umarrangiert werden.

Die Start-und-Stop-Punkte der Layer lassen sich derart verändern, dass sehr komplexe Polyrhythmen machbar sind. Die Bassdrum läuft nur ein Viertel durch, die HiHats gleich zwei und die Snaredrum kantet sich mit nur 12 Steps durch das 16er Grid, alles kein Problem. Hier kann, darf, muss experimentiert werden. Mehr Kontrolle gibt’s per MIDI:  die einzelnen Layers lassen sich via Tastatur anspielen und in der DAW programmieren. Einzelne Elemente können zu einem Drumkit mit 16 Sounds pro Regroover-Einheit zusammengestellt, nachbearbeitet und ebenfalls per MIDI gespielt werden. Im Editor verändert man noch Start-und-Endpunkte des Samples und schmeckt es mit einer Hüllkurve ab – fertig ist ein sehr detailliertes Drumkit mit dem Feel der Originalsounds.

Dieser Editor ist auch einer der großen Unterschiede zwischen der günstigeren Essential Version und der teureren Pro Version von Regroover. Auch Drag und Drop irgendwelcher Sampleteile, das Ausspielen der Beatvariationen als Audiofiles und das Speichern von Projekten ist der teureren Pro-Version vorenthalten. Wer also ernsthaft mit Regroover arbeiten will, kommt um die Pro-Version nicht herum.

Gespeichert werden Regroover Projects ähnlich wie NI Maschine Projects entweder als eigenständige Files oder einfach mit dem Song in der DAW. Überhaupt kann man sich Regroover von der Integration in der DAW so ähnlich wie Native Instruments’ Maschine vorstellen: großes GUI-Fenster, synchronisiertes Timing, aber dennoch eine autarke Einheit im Sync mit dem Host-Programm.

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