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01.06.2021

1000$ für ein Konzert? Ungeimpfte müssen 55-fachen Preis eines normalen Ticktes zahlen

Teenage Bottlerocket spielen am 26. Juni die erste Show

Wie schaffen wir eine sichere Atmosphäre für Club-Shows? Diese Frage steht aktuell wie keine andere im Mittelpunkt der Musik-Industrie. Langsam aber sicher gehen die Zahlen der täglichen Neuinfektionen bundesweit runter, während der Prozentsatz der zumindest einfach geimpften Deutschen nun schon den magischen Inzidenzwert überschritten hat. So langsam scheint Licht am Ende des Tunnels, Shows für die Winter-Konzert-Saison werden immer mehr und auch deutlich überzeugender angekündigt. Die Hoffnung ist groß, dass es bald wieder richtig los geht. Doch was tun, wenn bis dahin noch nicht alle geimpft sind? Oder anders: Wie geht man mit denjenigen Menschen um, die sich nicht impfen lassen wollen? 

Mittlerweile scheint es so, als würde die Debatte um Vorteile für geimpfte Menschen immer mehr in den Vordergrund gerückt werden. Bisher lässt die Bundesregierung, bis auf kleine und absolut logische Vorteile, wie ein Verzicht auf anderswo verbindliche Test-Ergebnisse oder die obligatorische Maske, nichts zu. In den USA, wo diese Debatte aufgrund der etwas weiter fortgeschrittenen Impfkampagne deutlich mehr Fahrt aufgenommen hat, unterzeichnen nur einige Staaten sogar Gesetzte, die es verbieten geimpfte Personen Vorteile einzuräumen. 

Die bekannte Punk-Band Teenage Bottlerocket hat sich also gemeinsam mit einem Konzertveranstalter aus St. Petersburg, Florida, was ausgedacht, um sich selbst und auch den Konzertbesuchern ein möglichst zeitnahes und sicheres Live-Erlebnis bieten zu können: Die Tickets für die am 26. Juni stattfindende Show in dem kleinen Küstenort in Florida sollen einen empfindlichen "Rabatt" für geimpfte beinhalten. Kannst du deinen Impfpass mit doppelter Corona-Impfung vorzeigen, zahlst du günstige 18$. Ohne Impfung werden aus den 18$ ganze 1000$, das entspricht dem 55-fachen des reduzierten Preises! 

Die Reaktionen auf diese, sagen wir mal, gewitzte Aktion ließen nicht lange aus sich warten: Umgehend erhielten sowohl Bandmitglieder, als auch Veranstalter Hass-Nachrichten und sogar Morddrohungen, wie beide Parteien in einem Interview mit der Washington Post mitteilen. "Ich es hätte nie in meinem Leben für Möglich gehalten, bedroht zu werden, weil ich Live spielen und Freude verbreiten möchte", wird der Bassist der Band zitiert. Veranstalter Paul Williams verspricht allerdings trotz der Drohungen an dem Konzept festzuhalten. 

Mittlerweile hat sich sogar das Innenministerium Floridas zu der Sache geäußert. Die Sprecherin des Gouverneurs von Florida, der vor kurzem erst das Gesetz zur Gleichbehandlung von geimpften und nicht-geimpften Menschen unterzeichnet hatte, nannte die Idee diskriminierend. Ein solcher "Rabatt" für Nichtgeimpfte verstoße ebenso wie ein Einlassverbot gegen das neue Gesetzt. Das Problem ist jedoch, dass dieses Gesetz erst im Juli in Kraft treten kann. Das geplante Konzert findet aber schon einige Tage vorher im Juni statt. Der Promoter und Veranstalter Williams rechtfertigt seinen "Rabatt" übrigens mit den Mehrkosten, die für ihn entstehen würden, sobald er ungeimpfte Menschen auf seine Konzerte ließe und damit andere Fans abschrecken könnte. 

Einige Fans der Band feierten die Aktion allerdings offenkundig und sorgten dafür, dass die Tickets jetzt schon vergriffen sind – allerdings lediglich die für 18$. Von den Tickets zum "Normalpreis" von 1000$ sei kein einziges Verkauft worden, verrät der Veranstalter. Wenn es sich bei der Aktion also lediglich um einen Werbegag gehandelt haben sollte, um die Show zu promoten, kann das Ganze als voller Erfolg verbucht werden. Die Morddrohungen auf der anderen Seite bleiben wohl dennoch ein fader Beigeschmack. 

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