Austrian Audio OC-B6 Test – Perfekter Kick-Sound?

Wie klingt er, der perfekte aufgenommene Bassdrumsound? Natürlich, druckvoll, mit ordentlich Punch und tiefen Bässen. Um ihn zu erreichen, verwenden die meisten Tonleute eine Kombination aus zwei, manchmal sogar drei Mikrofonen. Austrian Audio möchte mit seinem neu entwickelten OC-B6 alle Attribute der Bassdrum mit nur einem einzigen Schallwandler adäquat einfangen. Dafür hat man eine Kondensatorkapsel so konstruiert, dass sie sowohl übersteuerungsfest als auch detailliert zu Werke geht. Allerdings hat man beim Design auch an die mechanischen Anforderungen gedacht und dem Mikro das kompakte Format der Austrian Audio Tom- und Snaremikros samt stufenloser Schwenkvorrichtung spendiert. Ob das alles den doch recht kräftigen Preis rechtfertigt, lest ihr in diesem Test.

Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • sehr guter Klang
  • vielseitig einsetzbar
  • praxistaugliches Design und Handling
  • hochwertige Verarbeitung
Contra
Artikelbild
Austrian Audio OC-B6 Test – Perfekter Kick-Sound?
Für 499,00€ bei

Quick Facts zum Austrian Audio OC-B6

  • 1“ Großmembran Kondensatorkapsel
  • schwenkbarer Mikrofonkopf
  • 170 dB SPL Grenzschalldruckpegel
  • hergestellt in Österreich

Kompaktes und flexibel konstruiertes Gehäuse

Das Erste, was bei der Begutachtung des Austrian Audio OC-B6 auffällt, ist die Ähnlichkeit mit dem OC7 und dem OD5, mit denen es sich den Gehäusekopf samt Schwenkvorrichtung teilt. Mit knapp 300 Gramm liegt es wertig in der Hand, auch die seitliche Feststellschraube besteht aus geriffeltem Metall. Typisch für ein Bassdrum-Mikro ist der Sockel, in welchem sowohl das Stativgewinde als auch die XLR-Buchse nebeneinander angeordnet sind. Eine zusätzliche Halterung benötigt das OC-B6 damit nicht. Interessant: Es gibt keinerlei Schalter am Mikrofon, laut Austrian Audio ist das OC-6B auf Natürlichkeit getrimmt, wobei das technische Design die wichtigsten Parameter bereits mitdenkt.

Kompakt und einfach zu handhaben: das OC-B6 mit 220 Grad Schwenkkopf
Die Form des Kapselgehäuses ist typisch für Instrumentenmikros von Austrian Audio
Schraube zur Verstellung der Korbneigung

Vor Schalldruck hat das OC-B6 keine Angst

Ein Grund für die Abwesenheit von Schaltungsmöglichkeiten ist der Umstand, dass der Schallwandler für den Umgang mit Bassdrums getrimmt wurde. So soll die CKR6-B genannte, 1“ messende Kondensatorkapsel sowohl Schallloch-Wind als auch Schalldrucken bis maximal 170 dB SPL standhalten. Unnötige Subbass-Frequenzen unterhalb von 25 Hertz werden von der Elektronik herausgefiltert („Subsonic Filter“), was wiederum den Dynamikbereich erweitern soll. Mit nur 0,8 mV/Pa Empfindlichkeit werden zudem auch Pad-lose Preamps nicht überfordert. Mal hören, wie diese „Rezeptur“ im Einsatz klingt.

Ausfsicht auf den Korb
XLR-Buchse und Innengewinde

Die Positionierung ist absolut problemlos

Große Mikrofone sehen beeindruckend aus, haben beim Handling am Drumset aber Nachteile. Ganz anders präsentiert sich das kleine Testgerät. Mit der pummeligen Form und dem Schwenkkopf ist es extrem flexibel und einfach zu positionieren, auch das Zirkeln durch kleine Resofelllöcher macht Spaß. Der hört auch beim Soundcheck nicht auf, denn das Austrian Audio OC-B6 klingt wirklich gut. Es schafft den Spagat zwischen einer sehr natürlichen Wiedergabe, erstaunlich schnellen Transienten und einem insgesamt bassig-trockenen Charakter. Das Paket funktioniert tatsächlich mit allen drei getesteten Positionen an meiner Yamaha Recording 22“ x 14“ Bassdrum.

Austrian Audio OC-B6 im Resonanzloch

Das OC-B6 klingt an allen Positionen überzeugend

Im 5“ großen Reso-Loch gibt es eine organische Kombination aus Beater-Punch und bassigem Ausklang, nahe am Schlagfell wird der Klang in Richtung Attack verschoben und vor dem Resonanzfell kann das OC-B6 tatsächlich als Alternative zu einem Subkick (Solomon) und einem Großmembran-Mikrofon (Austrian Audio OC18) überzeugen. Den typischen Charakter eines invertierten Lautsprechers besitzt das OC-B6 naturgemäß nicht, dafür liefert es einen natürlicheren Ausklang des Resonanzfells. In diesem Fall kommt innen mein dynamisches EV N/D868 zum Einsatz, welches ich euch auch jeweils als Vergleich aufgenommen habe.

Audio Samples
0:00
im Loch, Mix im Loch mit Solomon Subkick, Mix im Loch, solo EV N/D 868 im Loch, Mix EV N/D 868 im Loch mit Solomon Subkick, Mix EV N/D 868 im Loch, solo OC-B6 am Reso, EV 868 im Loch, Mix OC-B6 am Reso, solo OC-B6 in der Bassdrum, Austrian Audio OC18 am Reso, Mix Austrian Audio OC18 am Reso, solo Solomon Subkick, solo

Das natürliche Signal des OC-B6 erweitert die Einsatzmöglichkeiten

Den gewinnt das OC-B6 recht mühelos, denn das Signal ist einfach „kompletter“. In der Nachbearbeitung sind damit mehr Optionen vorhanden, gleichzeitig muss für einen charakteristischen Bassdrumsound wenig Aufwand getrieben werden. Dass das OC-B6 jedoch ein weiteres Mikro wie das Solomon LowFreq ersetzt, erweist sich jedoch als etwas zu vollmundiges Versprechen, schon alleine deshalb, weil mehr Mikrofone im Nachgang schlicht mehr Bearbeitungsmöglichkeiten bieten. Übrigens haben auch meine Versuche an Toms und Floortoms sehr gut Resultate ergeben: Groß, druckvoll, rund geht es dort zu, mit dem Quäntchen mehr Präsenz und Natürlichkeit im Vergleich zu dynamischen Mikros.

Alternativen zum Austrian Audio OC-B6

Die meisten Hersteller von Bassdrum-Mikrofonen setzen bekanntlich auf dynamische Varianten. Wer ein bisschen mehr Geld ausgeben möchte, stößt jedoch auf das ein oder andere Modell mit Kondensatorkapsel. Dazu gehört das Lauten Audio Kick Mic, welches über jeweils mehrstufige High- und Low Cuts verfügt. Dem minimalistisch ausgestatteten OC-B6 konzeptionell ähnlicher ist das DPA 4055 Kick Mic. Das asymmetrisch gebaute Gehäuse ist ebenfalls gut zu positionieren, klanglich ist das in Dänemark gebaute Mikro äußerst flexibel und klingt auch anderen Instrumenten sehr gut. Der dritte Kandidat in der Kategorie der High-End-Bassdrummikrofone ist das Earthworks DM6.

DPA 4055 Kick Drum Mic Test Artikelbild
DPA 4055 Kick Drum Mic Test

Die dänische Firma DPA ist berühmt für ihre hochauflösenden Kondensatormikrofone. Mit dem 4055 Kick Drum Microphone kommt nun ein ungewöhnlicher Spezialist in den Genuss der Technologie.

01.06.2022
5 / 5
3,9 / 5
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Austrian Audio OC-B6: Fazit

Mit dem OC-B6 haben Austrian Audio aus Wien ein hochwertig verarbeitetes Bassdrum-Mikro in Kondensatortechnik auf den Markt gebracht. Schon das Handling macht Spaß dank des kompakten Designs und des 220 Grad-Schwenkkopfes. Klanglich schafft es den Spagat zwischen detaillierter, organischer Abbildung aller Frequenzen der Bassdrum sowie einem leicht vorgeschneiderten Sound, der sofort einsatzbereit ist. Sowohl in der Bassdrum, direkt im Resonanzloch als auch vor dem Resonanzfell sind die Ergebnisse beeindruckend solide. Ob das Testgerät zusätzliche Bassdrum-Mikrofone überflüssig macht, darf allerdings bezweifelt werden. Schließlich geht es im praktischen Studioalltag immer auch um Optionen und da schneiden mehrere Mikros immer besser ab als nur eines. Apropos mehrere Mikros: Das Austrian Audio OC-B6 klingt auch an Floortoms und Toms hervorragend, auch andere Schallquellen wie Bassamps, Snares und Gitarrenverstärker könnten einen Versuch wert sein. Fazit: Nicht billig, aber sehr empfehlenswert!

  • Großmembran-Kondensatormikrofon für Bassdrum
  • um 220 Grad schwenkbarer Mikrofonkopf
  • Lieferumfang: Transportcase, EU-Gewindeverkleinerung, Kurzanleitung
  • Empfindlichkeit 0,8 mV/Pa
  • Übertragungsbereich 18 bis 18000 Hz
  • Gewicht 280 Gramm
  • Grenzschalldruckpegel: 170 dB SPL
  • hergestellt in: Österreich
  • Webseite: austrian.audio
  • Preis: € 499,– (Straßenpreis am 1.3.2026)
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