Gitarre Bass
Feature
9
Feature

A&R Special - Teil 1

Die Checkliste: Der 10-Punkte-Plan

Ihr wollt einen Deal? Gut. Daniel Heerdmann wird versuchen, euch dabei zu helfen, die Chancen zu vergrößern – denn einfacher ist es ja nicht geworden. In dieser auf vier Teile angelegten Serie wird er euch ein paar Tipps geben, so dass ihr möglichst gut vorbereitet ins Abenteuer gehen könnt ...

Los geht's mit Teil 1, der Checkliste:

"Liebes Labelteam – wir möchten euch sehr herzlich zu unserer Record-Release-Party im Logo einladen. Wir stellen dort unsere neue CD "Never Think" vor und würden uns freuen, euch dort kennen zu lernen. Hier exklusiv eine Vorabversion, mit der wir uns bei euch um einen Plattenvertrag bewerben wollen – vor Ort könnt ihr dann die richtige Version mitnehmen." 

So oder ähnlich bekommen wir immer wieder "Demos" zugeschickt – und der eine oder andere wird sich wahrscheinlich noch nicht mal darüber wundern oder hat sich vielleicht selbst schon mal so bei einer Schallplattenfirma beworben. Ich frage mich immer wieder, ob die Autoren solcher Einladungen sich überhaupt Gedanken gemacht haben, was für Schallplattenfirmen tatsächlich von Interesse ist. Mit diesem "A&R Special" werde ich versuchen, euch ein Paar der Mechanismen in den Köpfen der Artist- & Repertoire-Manager näher zu bringen, Denkanstöße zu geben – und im besten Fall dabei helfen, dass ihr auf dem Weg zum eigenen Labeldeal so weiter kommt. Eines sei vorab verraten: Zu versuchen ein Album zu verkaufen, welches ihr vorher schon mal sicherheitshalber selbst veröffentlicht habt, war noch nie eine so gute Idee ...

Die Übersicht: Der 10-Punkte-Plan!

Hier eine kleine Checkliste, für die ihr euch ein paar Minuten Zeit nehmen solltet. Einfach mal Zettel und Stift in die Hand nehmen und aufschreiben, was euch zu dem Folgenden so einfällt:

#1: Es gibt keine Regel.
#2: Es gibt keine schlechte Musik.
#3: Was will ich eigentlich?
#4: Was will mein Gegenüber?
#5: Wann bewerbe ich mich?
#6: Wie bewerbe ich mich?
#7: Womit bewerbe ich mich?
#8: Wo bewerbe ich mich?
#9: Nachhaken.
#10: Es gibt keine Regel.

Punkt #1: Es gibt keine Regel.

So simpel es klingt – so einfach ist es auch. Ich kann euch hier kein Patentrezept geben nach dem Motto: „Wenn ihr das-und-das macht, werdet ihr am Ende auf jeden Fall einen Deal in der Tasche haben.“ Was für die eine Band gilt, kann in einem anderen Genre oder auch schon für einen anderen A&R vollkommen unwichtig sein! Aber ich kann euch Tipps geben, um zu verhindern, dass typische Anfängerfehler schon vor einem ersten Gespräch die Tür für euch verschließen!

Punkt #2: Es gibt keine schlechte Musik.

Jeder A&R wird über kurz oder lang größenwahnsinnig. Die Typen in den großen Plattenfirmen sollen tatsächlich über eure Zukunft entscheiden können??? Ihr werdet euch also Sachen anhören müssen wie: „Eure Musik braucht nun wirklich niemand!“ oder: „Eure Musik ist mir zu dated.“ Oder den A&R Klassiker schlechthin: „Ich höre einfach keinen Hit!“. Alles Quatsch – Ich habe schon diverse Male Bands abgelehnt, die ich später in den Charts wiedergefunden habe. Und Bands, auf die niemand auch nur einen Penny gesetzt hätte, die auf einmal wie ein Phoenix aus der Asche steigen. Musik ist Geschmackssache – und allein der Fakt, dass ihr innerhalb der Band ein paar Leute gefunden habt, die eure Musik für super befunden haben, sollten euch zeigen, dass es oftmals nur eine Frage der Suche nach dem richtigen Partner ist.

Punkt #3: Was will ich eigentlich?

 Bevor ihr euch um einen Vertrag bewerbt, solltet ihr euch klar gemacht haben, was ihr eigentlich von eurem Gegenüber erwartet: Sucht ihr einen Künstlervertrag oder eine Bandübernahme? Soll das Label eigentlich nur als besserer Vertriebspartner oder auch als Promotionpartner fungieren? Major oder Indie? Sucht ihr nur einen Partner für dieses Album, kommt ein so genannter 360° Deal für euch in Frage - oder wollt ihr am Ende einfach nur auf die Bühne?

Punkt #4: Was will mein Gegenüber?

Eine Frage die komischerweise so gut wie nie Beachtung findet ist: Kann ich überhaupt bieten, was der A&R sucht? Warum sollte ich mich mit Popmusik bei einem Metal-Label bewerben – und darf ich mich darüber wundern, wenn der Pop-A&R nach dem „Hit“ sucht? Ein Major-A&R hat ganz andere Vorgaben als sein Indie-Pendant: Musikgeschmack spielt bei dem einen eine komplett andere Rolle als bei dem anderen. Wenn ihr euch vorher bewusst macht, was ihr repräsentiert und wer genau das sucht, was ihr macht, erspart ihr euch nicht nur eine Reihe von uncoolen Absagen, sondern steigert auch ganz immens eure Chance auf einen Deal! 

Punkt #5: Wann bewerbe ich mich?

Sollte ich mich um einen Deal bewerben, wenn ich gerade mal 5 Gigs mit meiner Band gespielt habe, brauche ich das perfekte Demo oder gar ein fertiges Album – oder zählt am Ende doch immer nur „der Song“?  Ist es OK dem A&R ein paar „roughe“ Ideen vorzuspielen, oder muss ich vor meinem ersten Album schon eine halbwegs erfolgreiche Karriere in Eigenregie angeschoben haben?

Punkt #6: Wie bewerbe ich mich?

Am Anfang steht das Demotape – oder doch eher das Telefon? Kann ich einen A&R vorher mit meinen Fragen löchern und wer ist denn eigentlich in einer Firma der A&R? Das „wie“ ist oftmals mehr als die halbe Miete, denn von zehn A&Rs werden euch mindestens 9 sagen, dass sie eigentlich gar keine Demos hören – geschweige denn zu Konzerten von Newcomerbands gehen. Und dieser Eine, der euch was anderes erzählt, will wahrscheinlich nur cool sein. Hmmm ... wie findet denn ein A&R dann eigentlich seine neuen Bands?

Punkt #7: Womit bewerbe ich mich?

Nur drei Songs oder gleich ein ganzes Album schicken? Wenn drei Songs – die drei „stärksten“ oder die drei, die am besten das Album repräsentieren? Welche Songs packe ich beim Demo an welche Stelle – und was ist der Unterschied zwischen einer „Promotion-“ und einer „Demo“-CD“? Wie schreibe ich meine Bandinfo – was will mein Gegenüber eigentlich über mich lesen? Sollte ein Info hochwertig gedruckt sein und im schnieken Top-Packaging angeliefert werden – oder reicht eine Fotokopie der Bandinfo mit der ihr euch auch um Konzerte bemüht?

Punkt #8: Wo bewerbe ich mich?

Wie finde ich eigentlich das perfekte Label für mich? Warum kann für mich das kleine, neue Label der bessere Partner sein als das Majorlabel – oder eben umgekehrt. Wann suche ich ein Label – und wann eigentlich doch nur eine Konzertagentur. Oder erstmal einen Manager, um mir die anderen Türen offen zu halten?

Punkt #9: Nachhaken.

Wann sollte ich wieder bei dem Label anrufen, dem ich etwas geschickt habe? Sollte ich warten bis die sich melden – oder kann ich riskieren, dass die Dame in der Telefonzentrale mich nach meinem 20sten Anruf schon beim Erkennen meiner Rufnummer wegdrückt?

Punkt # 10: Es gibt keine Regel.

Ach ja – bevor ihr es vergessen habt – ignoriert Regel 2-9 – weil ihr ja bereits in Regel 1 gelernt habt: Es gibt keine Regeln. Ihr müsst euch permanent neu auf die jeweilige Situation einstellen.

Im nächsten Teil unseres kleinen Vierteilers wird es um die Bestandsaufnahme, den „Ist-Zustand“ gehen – und wie ihr euch darauf vorbereitet, mit diesen Vorgaben einen passenden Partner zu suchen. Wir werden schauen, ob ihr überhaupt schon einen Partner suchen solltet oder es vielleicht sogar sinnvoll wäre, noch etwas mit der Dealsuche zu warten…

Verwandte Inhalte

Band-Aid - Berater für Musiker

Nicht nur das Erlernen eines Instruments ist eine komplexe Angelegenheit. Auch als praktizierender Mucker hat man nahezu täglich mit Problemen zu kämpfen. Hier gibt es Hilfe!

Wegweiser durchs digitale Dickicht

Urheberrechtsdebatte, GEMA vs. Youtube und Piraten, illegale Downloads und Filesharing, Crowdfunding und Spotify – Hier gibt es alle Tipps aus dem bonedo.de Podcast für Musiker im Netz.

Medienberufe - Audiodesigner

Woher kommen eigentlich die Radio-Jingles und wer singt von Waschmittel, Hundefutter und Autoscheiben? Wer hat die fünf Noten für die Telekom erfunden und die Musik im Kaufhausfahrstuhl komponiert?

User Kommentare