Im Jahre 1994 veröffentlichte die US-amerikanische Band Helmet ihr drittes Studioalbum, welches auch mehr als dreißig Jahre später noch als wichtiger Meilenstein im Alternative Metal angesehen wird. “Wilma´s Rainbow“, der erste Song des Albums, setzt auf harte, tief gestimmte Gitarren und präzises, groovendes Schlagzeugspiel von Drummer John Stanier. Letzteres schauen wir uns in diesem Workshop einmal genauer an.

Der knallige Snaresound von John Stanier ist legendär
Was sofort auffällt, ist der sehr hohe Snaresound mit seinem charakteristischen Oberton. Mit ihrem sehr präsenten “Crack“ setzt sich die Snare super gegen die Gitarrenwände durch und sorgt für einen starken Backbeat. Die Bassdrum klingt sehr mächtig und tief, mit einem präsenten Attack. Toms spielt John in diesem Song nur ganz selten in kleinen Fills. Auffällig ist auch, dass sie eher nach kleineren Trommeln (z.B. Fusion-Größen wie 10“, 12“, 14“) klingen und auch recht hoch gestimmt sind – eine untypische Auswahl für diesen Musikstil, aber John setzt diese Sounds sehr sparsam und musikalisch ein.
Was die Beckenauswahl angeht, spielt John hier eine hohe, scheppernde Hi-Hat und schnell ansprechende, explosive Crashbecken. Zudem benutzt John bei den Riff-betonten Passagen gerne sein Ridebecken zum Crashen.
So spielst du die Grooves von Wilma’s Rainbow
Es geht direkt los in den ersten Realtime-Groove. John crasht das Ridebecken und spielt die Snare ganz straight auf „2“ und „4“. Mit der Bassdrum unterstützt er das Gitarren-Riff. Nach einem eingeschobenen 2/4-Takt geht es dann in den ersten Verse, wo John vom Ride auf die halb offene Hi-Hat wechselt.

Im Verse bleibt John bei seinem straighten Realtime-Groove und passt die Bassdrum wieder dem Gitarren-Riff an. Das Ergebnis ist ein simpler und ebenso effektiver Groove, der dem einsetzenden Gesang viel Platz lässt.

Im Chorus wird es dann etwas komplexer: John spielt weiterhin die Snare auf „2“ und „4“, wobei er jetzt Achtel auf der Oberfläche des Ridebeckens spielt und die Gitarrenakzente mit Bassdrum und Crash betont. Zwischendurch spielt er kleine 16tel-Fills auf der Snare und den Toms.

Ein eingeschobener 3/4-Takt
Nach dem zweiten Chorus geht die Band wieder zurück in den Intro-Part. Nach einem eingeschobenen 3/4-Takt gibt es einen Break auf der „1“. Darauf folgt ein kurzes atmosphärisches Gitarren-Interlude.

Im Anschluss an das Gitarren-Interlude steigt die komplette Band auftaktig auf der „3“ ein, und spielt den dritten Chorus. Im Anschluss an den Chorus folgt ein Gitarrensolo, untermalt mit dem Intro-Riff. John spielt hier wie gewohnt kräftig und songdienlich, allerdings gibt es im Verlauf des Solos (bei 2:48) ein etwas komplexeres Fill. Dieses Fill lässt sich auf unterschiedliche Arten interpretieren. Ich finde folgende Interpretation am musikalischsten.

Im 2/4-Takt spielt John den gewohnten Realtime-Groove. Das Fill startet auf der „1“ vom 3/4-Takt mit einem Flam auf der Snare, gefolgt von linearen Schlägen zwischen Bassdrum und Hi-Hat.
Ein wichtiges Detail, welches im Song und im Notenbild schnell untergeht, ist der Flam auf der „2“ – hier spielt John den Vorschlag auf dem hohen Tom und nicht auf der Snare.
Am Ende des Gitarrensolos steigt die Band auf der „4“ aus. John spielt hier wieder einen Snare-Flam, gefolgt von einer Bassdrum auf der „4e“. Es wirkt wie ein abruptes Ende des Songs, doch die Band setzt nochmal ein und spielt ein Abschluss-Fill.

Durch den 9/8-Takt sieht das jetzt sehr komplex aus. Es ist aber leichter als es scheint – das Fill funktioniert exakt wie das Fill im Gitarrensolo, nur dass die Band hier am Ende noch weitere Achtel-Akzente spielt.
„Wilma’s Rainbow“ wirkt insgesamt simpel, hat aber doch ein paar Überraschungen im Gepäck
Und das war “Wilma´s Rainbow“ – ein Song, der zunächst simpel wirkt, aber gerade gegen Ende doch noch ein paar Überraschungen auf Lager hat. Schlagzeuger John Stanier spielt hier sehr songdienlich, schafft es aber dabei, mit seinem Sound eigene Akzente zu setzen. Es würde mich nicht wundern, wenn er mit seinem Sound bei Helmet auch berühmte Schlagzeuger wie Abe Cunningham (Deftones) beeinflusst hat.
Achtet beim Nachspielen unbedingt auf die richtige Intensität und versucht auch kleinere, höher gestimmte Toms zu benutzen. Hier könnt ihr euch noch eine Live-Version von 1997 anschauen:
Viel Spaß beim Nachspielen!