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Genelec 8260A DSP Test

Details:

Die Genelec 8260 ist ein aktiver voll-digitaler Fullrange-Nahfeldmonitor mit separaten Endstufen für jeden der drei Wege. Diese Endstufen leisten 150 Watt am 255mm (10″) Basstreiber, 120 Watt am neuem 120mm Konus-Mittensystem und 120 Watt an dem koaxial ausgelegten 19mm Metallkalotten-Hochtöner. Die Trennung erfolgt dabei ausschließlich digital und vor der Verstärkung bei 490 Hz und 3 kHz.

Drei Wege sind nicht neu und wurden schon von jeher, in den etwas kräftigeren Genelec Systemen, verbaut. Durch den zusätzlichen mittleren Weg wird nicht nur der Tieftöner entlastet, sondern auch mit, nur weniger laufzeitkritischen, Frequenzen beliefert.  Neu ist allerdings die Kombination der, von Genelecs 8000er Serie bekannten, “runden” DCW/ MDE Optik mit dem neuen MDC genannten Koaxial-Mitten-Hochtöner.

Aber noch einmal langsam: Das Directivity Control Waveguide (DCW) Design mit der leichten “Hornform” soll für eine definierte und homogene Schallabstrahlung zum breiten Sweetspot hin sorgen und Abstrahlungen zur Seite vermeiden, die den Raum unnötig anregen würden. Die koaxiale Bauweise der Mitten-Hochtoneinheit sorgt wiederum für eine saubere Kopplung beider Treiber und vermindert somit Schallbeugungen bzw. (um im Englischen zu bleiben) “Diffractions”. Jetzt erschließt sich auch die Abkürzung MDC: Minimum Diffraction Coaxial (MDC). Zusammen garantiert dies ein Minimum an Laufzeitdifferenzen zwischen Mittel- und Hochtöner und kommt dem physikalischen Ideal vom Punktstrahler schon sehr nahe.

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Ein einfacher dritter Weg hätte allerdings nicht nur das aalglatte Design gestört, sondern mit seinen Kanten, Ecken und Übergängen auch die Schallausbreitung. Deshalb suchte man im finnischen Labor nach einem Konus-Mittentöner, der übergangsfreie und kohärente Schallanregung in Verbindung mit dem Hochtöner garantiert, dabei aber nicht das DCW-Design kupiert. Kurzerhand wurde ein “konventioneller” Mitteltöner mit einer zweiten, neoprenartigen Gewebe-Membran verklebt, welche von nun an die Bewegungen übernimmt, gleichzeitig aber auch Waveguide für den Hochtöner spielt. Bei normaler Beleuchtung, sprich Studio-Schummerlicht, ist der Mitteltöner übrigens fast nicht zu erkennen – das nenne ich Understatement.

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Weniger Zurückhaltung findet man beim Basstreiber und seinem konischen Bassreflextunnel – Bescheidenheit ist hier aber auch nicht angebracht! Wer genau hinschaut, erkennt schnell die Ähnlichkeit zum hauseigenen Subwoofer 7060 bzw. 7260. Und auch der Blick ins “Scheckheft” zeigt, dass ähnlich tiefe Regionen angefahren werden.

Fotostrecke: 4 Bilder Frequenzgang Freifeld “On-Axis”

Circa -3dB bei 26 Hz und unglaubliche +/-1dB im Bereich von 29 Hz bis 21 kHz! Nicht schlecht, zumal Genelec einen Frequenzgang bis 40 kHz verspricht, was die Vermutung nahe legt, dass mit Überabtastung jenseits der 192 kHz gearbeitet wird. Was allerdings konkret auf den Chips vor sich geht, wollte man mir nicht verraten: Betriebsgeheimnis. Fest steht, die interne Auflösung ist größer als 24 Bit.

Ein derartiger Tiefgang stellt natürlich hohe Anforderungen an Gehäuse und auszuhaltenden Druck. Deshalb wurde das Chassis aus Aluminium gefertigt, was nicht nur besonders robust, sondern auch sehr verwindungssteif ist. So konnte wiederum unnötige Dicke und Gewicht eingespart werden, ohne dabei die Vibrationsarmut des Gehäuses zu gefährden. Weitergehend fungiert das Druckgussgehäuse als Heatpipe und verkleinert so auch die Platzanforderung der Endstufen. Besonders sexy: die angedeuteten rückseitigen Kühlrippen!

26 Hz erreicht man in dieser Größenordnung nur durch aktives, digitales Tunning.
26 Hz erreicht man in dieser Größenordnung nur durch aktives, digitales Tunning.

Zusammengenommen sorgt dies für ein erheblich größeres akustisch nutzbares Innen-Volumen, als dies bei gleicher Leistung mit einer Holzbox möglich gewesen wäre. Ein Leichtgewicht ist die Genelec dennoch nicht. Dank 27,5 kg Eigengewicht pro Box spürt man jede einzeln ausprobierte Speaker-Positionen noch Tage später in den Knochen.

Wie war noch mal das Thema? “Sizze Matters”. Genau! Soviel Gewicht ist natürlich gut, denn in Verbindung mit den „IsoPods“ (Gummifuß-Konstruktion an der Unterseite als entkoppelter und sicherer Stand) sorgt dies für hohe Auflagekraft und vermindert Resonanzen, auch auf weniger optimalen Untergründen. Der IsoPod ist generell eine clevere Angelegenheit: Nicht nur dass der Speaker vom Untergrund entkoppelt wird, er lässt sich mit ihm sogar im Neigungswinkel und in der Position variieren. Dem 10“-Bass kommt ein derartiger Masserückhalt natürlich auch zu Gute. In Verbindung mit dem Originalzubehör K&M/ Genelec Stativ (8260-415B) erhält man so ein richtiges Bollwerk von Standlautsprecher.

Runde Gehäusekanten zur Resonanzvermeidung und konischer Bassreflexkanal für strömungsfreie Bassarbeit.
Runde Gehäusekanten zur Resonanzvermeidung und konischer Bassreflexkanal für strömungsfreie Bassarbeit.

Am eigenwilligen Design, scheiden sich bekanntlich die Geister. Minimum Diffraction Enclosure oder kurz MDE nennt es der Finne, und will damit einerseits Gehäuseresonanzen im Inneren durch nicht-parallele Wände minimieren und andererseits Schallbeugung an harten Kanten verhinderen. Letzteres äußert sich in einer besseren Ortung, allerdings ist der Einfluss auf hohe Frequenzen bei einer derart großen Ausführung vernachlässigbar. Man kann hier zweifelsohne von “Design zu Gunsten der Familienzugehörigkeit “sprechen. Sei´s drum, mir gefällt´s!

Anschlussseitig zeigt sich die 8260 sehr umfangreich bestückt. Neben der Stromaufnahme (330 Watt) finden sich hier auch die symmetrisch ausgelegten XLR-Anschlüsse für ANALOG-IN, AES/EBU-IN (32 kHz – 192 kHz) und der AES/EBU-PASS-THRU sowie eine Art “Steck-Lüsterklemme” von Phoenix Contact zum Anschluss der Fernbedienung (On/Off).

Ein schöner Rücken, kann auch entzücken...
Ein schöner Rücken, kann auch entzücken…

Zwei Netzwerkbuchsen dienen der Speaker-Steuerung über die GLM-Software und sind in Ring-Topologie ausgeführt. Den Abschluss dieses Netzwerkes bildet idealerweise das optional erhältliche GLM Network Interface. Preis hierfür: ca. 500 weitere Euro. Dafür bekommt man aber auch Netzwerk- und Audiointerface, Messmikro und Zugang zur Kalibrierungssoftware AutoCal. Doch dazu später mehr.

Abgerundet wird unser Überblick bei den DIP-Schaltern, die zur Steuerung und herkömmlichen Anpassung der Speaker an den Raum dienen. Das kennt man schon von den analogen Modellen: “Bass Roll Off” und “Bass Tilt” mit jeweils -2dB, -4dB und -6dB und das Desktop Control Filter (-4dB bei 160 Hz), welches Überbetonungen im Bassbereich, bedingt durch suboptimale Aufstellung auf Tisch oder Meterbridge, kompensiert. Das “Treble Tilt” verfügt als einziges Filter neben -2dB und -4dB auch über eine +2dB Boost-Schaltung.

Wenn mal gar nichts geht, der Speaker geht! Mittels Default-Setting kann man auch ohne PC arbeiten.
Wenn mal gar nichts geht, der Speaker geht! Mittels Default-Setting kann man auch ohne PC arbeiten.

Eigentlich überflüssig zu sagen, dennoch soll es nicht unerwähnt bleiben: Wie jeder Monitor aus dem Hause Genelec verfügt auch die 8260 über umfangreiche thermische und mechanische Schutzschaltungen, um den Speaker wirkungsvoll vor Beschädigungen zu schützen.

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