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Test
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16.06.2017

Yohng 4Front R-Piano Test

Freeware E-Piano-Plugin

Back to the 70s

Das 4Front R-Piano reproduziert den Sound eines alten Fender Rhodes E-Pianos und legt dabei zwar Wert auf Ähnlichkeit, nicht aber auf Perfektion. Immerhin kann es so auch noch gleich mit Wurlitzer-Sounds und interessanten Effektklängen aufwarten.

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Details + Praxis

Allgemeines

Der Entwickler des 4Front R-Piano, George Yohng, hat sich mit dem ersten Freeware-Klon des Ultramaximizers in der Szene einen Namen gemacht. Er hat aber auch ein paar interessante kostenlose Piano-Plug-ins im Programm, so auch dieses 70er-Jahre E-Piano.

Das 4Front R-Piano ist für Windows und Mac OSX zum Download erhältlich und läuft auch auf aktuellen 64-Bit-Systemen. Sein Fenster ist recht klein und leider auch nicht Retina-fähig. Auf „nomalen“-hochauflösenden Bildschirmen kann man gerade so noch alles erkennen. Das Plugin ist ansonsten übersichtlich aufgebaut und einfach zu bedienen. Die Hälfte der Anzeige nehmen die Regler und Kurvendarstellungen für Dynamikumfang und Verzerrung ein. 

 

Einfache Bedienung

Der Verzerrer ist keine „Metal-Distortion“, sondern passt sehr gut zu den E-Piano-Sounds. Bei Vollanschlag werden die Bassfrequenzen unter 100 Hz hörbar abgesenkt, wodurch auch dann noch drahtige Basslines spielbar sind.

 

Während der Attack nicht regelbar ist – ein Piano-Hammer fällt eben nicht weich oder gar langsam –, gibt es für Decay und Release zwei eigene Regler mit Werten von 10 Millisekunden bis 20 Sekunden. Das macht schon mal was her. Es folgt ein Hi-Cut-Filter mit regelbarem Q-Faktor.

Amb und Size sind für den Raumanteil zuständig, vor allem wird es aber lauter. Der Size-Regler ist mit Vorsicht zu genießen: Wenn man ihn bewegt, kommt es schon mal zu deutlich hörbaren Knacksern. Eine Anleitung, die diese Funktion erklärt, wäre schön gewesen. 

Die Klangerzeugung basiert laut Hersteller nicht komplett auf Samples, wodurch es 127 stufenlose Layer und keine hörbaren Sample-Sprünge gibt. Übrigens sind alle Parameter des Plug-ins auch über MIDI-Controller steuerbar – ein Pluspunkt, denn das lädt doch zu schönen Klangexperimenten geradezu ein!

Standards mit Gesamtlautstärke und Funktionen zum Laden, Speichern und Löschen von Sounds runden die Funktionspalette des Plug-ins ab. Fehlt etwas? Vielleicht ein Tremolo, wie es auch im Fender Rhodes Mark I zu finden ist. Stattdessen gibt es aber einen Hall. Zeit, das 4Front R-Piano auf Herz und Nieren zu prüfen – auf zum Praxisteil des Tests. 

Reverb – die (fast) geheime Zutat

Fast schon ein bisschen versteckt liegt am unteren Rand das Ausklappmenü für den Hall. Die Länge der Hallfahne ist regelbar von 300 ms bis 10 Sekunden. Damit lässt sich alles vom kleinen Raum bis zur großen Kathedrale abdecken. Dazu gibt es einen Damping-Regler, der bestimmt, wie schnell die hohen Reflexionen verschwinden, sowie einen Dry/Wet-Regler. Mein Eindruck: Das ist insgesamt ein eher rudimentärer Hall, der natürlich nicht mit einem meiner Hallgeräte aus dem Studio mithalten kann. Aber er reicht aus, um den Sound durchaus im Mix anzudicken, und vom Klang passt er sehr gut in die frühen 70er-Jahre.

Sound: Von Fender bis Wurly

Ein Wort: vielseitig! Schon die mitgelieferten Factory-Sounds zeigen, was mit diesem kostenlosen Plug-in alles möglich ist. Von klassischen Rhodes- über mächtige Bass-Sounds bis zu drahtigen Wurlitzer-ähnlichen Klängen liefert das 4Front R-Piano starke Sounds. Der Grundklang des R-Piano geht ganz klar in Richtung Fender Rhodes Mark I aus den frühen 70ern. Er ist also eher noch etwas drahtiger und härter als der deutlich glockigere Sound des Mark II. Egal ob schmachtende Ballade oder drahtiger Pop/Funk/Soul-Song, hier gibt’s das passende E-Piano – und selbst ein Pizzicato-Sound wird schon mitgeliefert. 

Alleine das Experimentieren mit Decay und Release lohnt sich schon. So bin ich schnell vom E-Piano zu Harfen-ähnlichen Klängen gekommen, sobald ich dann auch noch den Filter zugedreht habe. Da es nicht viele Regler gibt, erklärt sich das Plugin auch von selbst. Daumen hoch!

Fazit

Schön, dass der Entwickler Yohng gar nicht erst den Anspruch auf absolute Authentizität erhebt. So kann ich mir die sowieso nie funktionierenden Vergleiche zwischen Hard- und Software direkt sparen. Das 4Front R-Piano ist überraschend vielseitig im Sound, spricht sehr gut an und setzt sich auch im Mix sehr gut durch. Das Gebotene muss sich jedenfalls nicht hinter vielen kostenpflichtigen Plug-ins verstecken. Zum perfekten Sound fehlt mir noch ein Tremolo, aber das kann man ja auch dahinterschalten. Insgesamt also ein gelungenes Plug-in, das sehr vielseitig einsetzbar ist und für eine Freeware absolut überzeugt.

  • Pro
  • vielseitiger und durchsetzungsfähiger Sound
  • gute Ansprache
  • ressourcenschonend
  • Contra
  • knacksender Size-Regler
  • Features
  • E-Piano-Plug-in für Windows und Mac OSX
  • regelbarer Dynamikumfang
  • integrierter Verzerrer und Hi-Cut-Filter
  • Reverb
  • Parameter über MIDI-Controller steuerbar
  • Speichermöglichkeit für Presets
  • Preis
  • kostenlos

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