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Test
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20.07.2012

XLN Audio ADPak Indie und MIDIPak Indie Rock Test

Software-Erweiterung

Excellen(t) Audio

Die Schlagzeug-Emulation gehört zu den Klassikern im Musikproduktionsgeschäft. Angefangen bei ersten analog-elektronischen Rekonstruktionsversuchen und Drum-Pads, über Hardware-Sampler mit Kilobyte-kleinen Speicherplätzen, hin zu den modernen Computer-basierten und teilweise Gigabyte-schweren Multi-Sample-Boliden; die Hintergründe und ästhetischen Ansprüche sind vielfältig, sich gegen die Aufnahme eines echten Schlagzeugs zu entscheiden.  

Am Ende läuft es aber immer auf die beiden Ur-Probleme hinaus: Eine gute und „echte“ Aufnahme ist aufwendig und damit relativ teuer, da viele gute Mikros, sehr gute Wandler, aber vor allem ein gut klingender Raum inklusive Drum-Set benötigt wird. Und am Ende steht und fällt der vollzogene Aufwand gänzlich mit dem Talent des Drummers bzw. Editors.

Die Vorteile der Sample-Büchsen liegen im Reziproken also klar auf der Hand: Unkompliziert und im Verhältnis ein Schnäppchen! Dementsprechend groß ist logischerweise der Markt auf dem authentischen PlugIn Produkten feil geboten werden. 

Neben den Native Instruments Klassikern und Allround-Waffen Battery und Kontakt, welcher mit zahlreichen Erweiterungen mittlerweile auch in der Realismus-Abteilung sehr mächtig geworden ist, sind hier vor allem auch die Gigabyte-Brocken Toontrack und BFD zu nennen. Und da wir zu den Guten gehören, haben wir die selbstverständlich auch schon alle für euch getestet. Ihr findet die entsprechenden Links im Text, als auch auf unserer bonedo.de Seite, unter dem Text, in "Verwandte Artikel".

XLN Audio, der Hersteller unseres heutigen Testkandidaten, verfolgt mit seinen Addictive Drums aber ein etwas anderes Konzept. Insgesamt werden hier viel weniger Samples benutzt und es findet eine Reduktion auf die wichtigsten und dabei unterschiedlich-klingenden Drum-Sets statt. Hinter dem Link findet ihr den entsprechenden Test des Hauptprogramms!

Das umfangreiche, interne und ausgebuffte Processing von AD, wie es in Vorproduktions- und Songwriter-Kreisen gern genannt wird, ermöglicht es einem aber dennoch, die mitgelieferten Klänge nach eigenem Gusto hin zur Extreme zu verbiegen. Dennoch kann sich auch dieser Nischen-Anbieter nicht dem großen Strom entziehen, und präsentiert mit den Addictive Drums „abhängigen“ ADPaks Genre-typischen Sample-Nachschub und mit den MIDIPaks entsprechende Grooves für die eingebaute Library in Form fertiger MIDI-Beats. 

XLN Audio wäre aber nicht XLN Audio, wenn sie das Ganze nicht dennoch mit ihrem avantgardistischen Minimalismus verfolgen würden. Statt uns User mit Material zuzusch...ütten, konzentriert man sich hier deshalb teilweise lieber auf auch nur ein (1) neues Kit, was dem besonderen Verwendungszweck nach aber entsprechend aufwendig aufgenommen wurde. 

Stück für Stück werden wir uns in weiteren Tests allen ADPak Erweiterungen nähern. Freut euch also auf: Indie, Retro, Metal, Funk, Reel Machines, Jazz Brushes und Jazz Sticks. Unser Klischee des Tages heißt aber erst mal „INDIE“ und, der Zufall will es, passend dazu gibt es auch ein optionales MIDIPak namens „Indie Rock“. Na dann, schauen wir uns unsere ersten Beiden doch mal genauer an!

DETAILS

Grundsätzliches zu Addictive Drums:
Hinter dem Namen Addictive Drums verbirgt sich ein VST, AU und RTAS PlugIn, was den Klang eines Schlagzeugs nachbildet. Man bindet es als ein Software-Instrument in der DAW der Wahl ein und editiert anschließend die Klangerzeugung über ein so genanntes Graphical User Interface (GUI). Gesteuert wird es dabei von gewöhnlichen MIDI Notenbefehlen bzw. Automationen. Selbstverständlich gibt es auch eine Menge Presets, welche unterschiedlichste Klanggestaltungen bieten. 

Da bereits von Haus aus auch viele, grundlegende MIDI-Beats mit an Board sind, reicht es für Vorproduktionszwecke oftmals aus, nur den richtigen Groove mit Variationen heraus zu suchen, um ihn dann per "Drag and Drop" in das entsprechende Arrangement zu ziehen. Das ist in etwa so einfach wie zwei LEGO-Steine zusammenzustecken.  

Wer dennoch an den Beats feilen möchte, der kann dies natürlich auch gern tun. Im Editor der DAW lassen sich die einzelnen MIDI Noten der mitgelieferten Beats ja, wie gewohnt, unkompliziert bearbeiten oder auch kopieren. Start/Stopp Synchronisation zum Host und Anpassung an das Songtempo gehören auch zur Selbstverständlichkeit des integrierten MIDI Beat Browsers. Addictive Drums ist allerdings ein geschlossenes System, eigene Sounds lassen sich demzufolge nicht importieren. Nur dank der sehr pragmatischen, eingebauten und umfangreichen Audioeffekte ist hier ein eigenes Klangwirken möglich. 

Und um uns aus diesem Dilemma zu befreien, gibt es die ADPaks und MIDIPaks. Beides Erweiterungen, die ohne vorhandene Addictive Drums Installation, allerdings nicht lauffähig sind. 

ADPak Indie und MIDIPak Indie Rock
Der Genre-Begriff „Indie“ ist zunächst einmal ein wenig schwammig. Abgeleitet vom Englischen Wort „Independent“ war damit ursprünglich die wirtschaftliche Unabhängigkeit kleiner Plattenlabels von den Majors gemeint.

Klanglich steht „Indie“ heutzutage in der Regel für einen individuellen bis progressiven Musikansatz, für einen Gegenentwurf zu Mainstream-Produktionen. Die Indie-Welt steht grundsätzlich mehr auf Sounds, die mit dem Charme und der Energie klanglicher Unsauberkeiten arbeitet, mit hörbarer Sättigung, mit färbender Kompression und mit überwiegend warmen oder auch ausgefallenen Klangcharakteristiken. 

Es muss für den Indie-Sound zwar nicht zwangsläufig Retro- oder Analog-Equipment zum Einsatz kommen, Bandmaschinen und Analoges Outboard werden hierfür aber immer wieder gern genommen. Womit wir beim Testkandidaten angelangt wären. 

Das Addictive Drums Erweiterungspaket „ADPak Indie“ beinhaltet Klänge eines aufwendig-gesampleten Custom-Schlagzeugsets, welches mit erlesenen Vintage-Mikrofonen, einer Studer A80 Bandmaschine und einer Neve 8048 Konsole im Göteborger „Svenska Grammofon Studio“ aufgenommen wurden. 

Mit dem ADPak Indie erhält man dann so komplexe und aufwendig gescriptete Multi-Samples des folgenden Kits, die natürlich auch unterschiedliche Spieltechniken beinhalten. 

  • Kick: Ice Custom Shop 26 X 14”
  • Snare: Premier Keith Moon Signature 14 X 5,5”
  • Rack Toms: Ice Custom Shop 13 X 10” Hi, 13 X 10” Lo
  • Floor Toms: Ice Custom Shop 16 X 16” & 18 X 16”
  • Cymbals: Paiste 2002 & Signature
  • Hi-Hat: Zildjian K 15”

Auf der XLN Website kann man sich auch noch eine kostenlose alternative Bassdrum herunterladen: Eine 22 x 16“ Ludwig Vistalite, gespielt mit einem Kunstoffklöppel. Sie klingt wuchtiger, bassiger als die Kick des Ice Custom Shop Kits. 

Eine genretypische Besonderheit des Indie ADPaks ist der Schellenkranz, im „Xtra“ Feld findet man hier ein Exemplar von „Rhythm Tech“. Gesampelt wurden beide Schüttelrichtungen sowie ein Stick-Schlag auf den Schellenkranz.

Flankiert wird unsere Untersuchung des ADPaks von einem sogenannten MIDIPak, das weitere MIDI-Beats der Stilistik „Indie Rock“ bereithält und online für zusätzliche 19,- Euro erworben werden kann. Es enthält insgesamt 150 MIDI Files: 20 verschiedene, live eingespielte Beats mit Variationen und Fills sowie zehn Songs, die in die üblichen Teile Intro, Strophe, Refrain usw. unterteilt sind.

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