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Test
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24.09.2018

Wave Alchemy Evolution Test

Drum-Library für Kontakt

Survival of the fittest

Die britische Soundschmiede Wave Alchemy hat schon einiges an Erfahrung vorzuweisen, wenn es um die Herstellung hochwertiger Sample-Packs und virtueller Instrumente geht, denn ihre Produktliste ist lang. Auf eben dieser Liste finden sich auch einige Drum-Libraries. Während man sich bei der Benennung für diese Libraries größtenteils auf offensichtliche Namen wie Complete Drums, Drum Machine Collection oder einfach Drum Tools verlassen hat, schlagen die Briten in letzter Zeit wesentlich selbstbewusstere Töne an.

Revolution hieß ihr letztes Werk in diesem Bereich. Und jetzt setzen die englischen Alchimisten noch mal einen drauf und veröffentlichen Evolution, „a rendering Drum Engine for the modern producer“. Die alles entscheidende Frage wird also sein, ob eben diese Drum-Engine ihrem großen Namen tatsächlich gerecht werden kann, oder ob man sich im Hause Wave Alchemy etwas zu viel vorgenommen hat. Im folgenden Test gehen wir dieser Frage detailliert nach.

Details

Allgemeines

Evolution ist eine Sample-basierte Drum-Maschine im Kontakt-Format, die sich aber nicht als Sample-Library sondern eher als Instrument versteht. Deshalb werden auch keine analogen Geräte nachgeahmt. Eigens erstellte akustische, analoge und digitale Sounds laden zum Erstellen individueller Beats ein. 

Nach dem Kauf auf der Herstellerwebseite muss die Library nur noch über Native Access registriert werden und kann dann sowohl in der Vollversion von Kontakt als auch im FREE Kontakt Player benutzt werden. Evolution ist zudem NKS-kompatibel und enthält über 28000 Samples und mehr als 400 Presets aus allen möglichen Genres. Man erhält vier Instrumente: die cleane Version, einfach Evolution genannt und zusätzlich Tape 1,Tape 2 und Tape 3. Diese drei Versionen wurden durch eine analoge Bandmaschine veredelt und enthalten zunehmend mehr Saturation.

GUI

Die Oberfläche der Drum-Engine ist in drei Haupteile unterteilt. In der Kopfzeile befindet sich der Bereich der Soundauswahl. In der rechten Hälfte sind die 28.000 Samples in zehn verschiedene Instrumenten- und deren Untergruppen unterteilt. So geht die Suche nach passenden Sounds sehr schnell vonstatten. In der linken Hälfte werden nicht nur die Samples über die blauen Pfeile oder ein Menu ausgewählt, das durch einen Klick auf den Dateinamen erscheint, sondern auch die Wellenform der Audiodateien angezeigt. Jeder Sound besteht aus drei Komponenten, Drum, Transient und Layer, später kann man diese über das X-Y-Pad stufenlos miteinander mischen. 

Hat man eine Sequenz programmiert, lassen sich auch danach noch alle verwendeten Samples austauschen. So kann man jederzeit die Drum-Sounds leicht auf die anderen Elemente der Produktion anpassen. Passt der später hinzugefügte Bass-Sound also zum Beispiel nicht zur Kick, lässt sich diese somit schnell austauschen und dabei immer im Kontext des gesamten Beats hören. Über das Würfel-Symbol kann man die Sounds auch zufällig aussuchen lassen. Beim Halten der STRG-Taste werden alle drei Engines gleichzeitig mit neuen Sounds bestückt. 

In der Fußzeile finden wir einen vereinfachten Step-Sequencer in der Form einer klassischen Drum-Computer-Sektion mit ihren 32 Slots. Diese stehen für die rhythmischen Einheiten eines 4/4-Taktes, der in Zweiunddreißigstelnoten unterteilt wurde. Sounds lassen sich so für jedes der zwölf Instrumente extra wie bei einem Drum-Computer kinderleicht und sehr schnell programmieren bzw. auf einer bestimmten Zählzeit aktivieren. Darunter befindet sich ein Display, das verschiedene zusätzliche Parameter anzeigen kann und über die Knöpfe darunter angesteuert wird. Über Rate, Length, Swing und Accent kann man den programmierten Groove schnell beeinflussen, ohne dabei in den Sequenzer-Modus zu wechseln. Der jeweilige Wert erscheint direkt unter dem zugehörigen Button der 32 Rhythmus-Slots. Die Pattern-Funktion links erlaubt es, verschiedene Versionen eines Beats abzuspeichern und mit einem Mausklick auszuwählen, was besonders für den Live-Einsatz sehr sinnvoll ist.

Die beiden Bereiche der Soundauswahl und des Drum-Computer-Grids bleiben zu jeder Zeit in der GUI sichtbar. Der dritte und größte Teil der GUI befindet sich in der Mitte und zeigt verschiedene Funktionen der Drum-Engine an. Je nachdem, was in der linken oberen Ecke der Library gewählt wurde, kommt das X-Y-Pad, der Mixer oder der Sequenzer zum Vorschein.

X-Y-Pad

Wie bereits erwähnt ermöglicht dieser Teil des Interfaces eine stufenlose Mischung der drei Soundkomponenten Drum, Transient und Layer, und zwar für jeden der zwölf Sounds extra. 

Flankiert wird das Pad von acht Makro-Controllern. Diesen können Parameter aus den Bereichen Volume, Pitch, Filter, EQ, Compressor und Shaper zugewiesen werden. Außerdem lässt sich über die drei kleinen Regler direkt über den Makros die Intensität jedes Parameters in unterschiedlichem Maß auf die drei Sound-Komponenten Drum, Transient und Layer übertragen, ähnlich wie bei einem Send-Effekt. Ganz unten befinden sich noch kleinere Regler für Volume, Pan, und zwei Effekt-Sends. Auch diese Werte sind wiederum für jeden Sound extra einstellbar.

Mixer

Der Mixer bietet nicht viel Neues, warum auch. Für jeden der zwölf Kanäle gibt es einen Laustärke-, Pan- und zwei Send-Effekt-Regler sowie einen Solo- und Mute-Knopf. Lediglich das Fehlen eines Lautstärkereglers, wie man ihn von anderen Plug-ins her kennt, ist ungewohnt, wirkt aber auch sehr modern. Diesbezügliche Einstellungen werden stattdessen über Klicken und Ziehen der LED-Anzeige vorgenommen, in die der Regler implementiert wurde.

Über dem Mixer befindet sich die üppig ausgestatte Effekt-Sektion. Alle verfügbaren Parameter sind in vier Bereiche unterteilt, Voice, EFX, Master und Send. Voice werden vom Hersteller die gesampelten Audiodateien genannt. Hier können also neben einem Filter auch die Hüllkurve und die Tonhöhe betreffende Veränderungen vorgenommen werden. EFX und MST bilden die eigentliche Effekt-Sektion. Sie beinhalten beide grundsätzlich die gleichen Effekte, nämlich einen EQ, einen Kompressor und einen Shaper-Effekt. Letzerer kombiniert Verzerrung mit Transient-Shaping und Filterfunktionen. Für Veränderung einzelner Sounds wählt man EFX, für globale Effekte MST. SND gibt Kontrolle über die Send-Effekte, die über den Mixer und die X-Y-Pad-Sektion angesteuert werden können. Es stehen jeweils zwei verschiedene Delays und Reverbs sowie 19 Impulse-Responses zur Verfügung.

Sequencer

Zu guter Letzt gibt es noch einen großen Step-Sequencer, zum Plug-in passend bietet auch dieser wieder sehr viele Möglichkeiten. Hier werden nun alle zwölf Sounds eines Kits gleichzeitig dargestellt. Auf der Y-Achse sehen wir die 12 Drum-Sounds, auf der X-Achse dann die Verteilung im Sequenzer-Raster. Über das X unter dem Soundnamen lässt sich die Programmierung jedes Sounds schnell auslöschen. Das kleine Würfel-Symbol daneben erzeugt dagegen eine zufällige Verteilung im Raster. Über das Plus-Symbol lässt sich die Zoom-Funktion öffnen, eine Velocity-Ansicht, über die sich die einzelnen Werte ganz exakt eintragen lassen. Außerdem stehen noch einmal für jeden Kanal ein Mute- und ein Solo-Button zur Verfügung. In der normalen Rasteransicht lässt sich ein Step direkt mit der Maus einzeichnen, genau wie seine Velocity. So kann man ungeheuer schnell einen lebendigen Groove programmieren. 

Ebenfalls erwähnenswert ist der Global FX Sequencer, er ist über den rechten der beiden roten runden Knöpfe zu aktivieren, am oberen Ende der Y-Achse. So erscheinen für den ausgewählten Sound die Pitch-, Volume-, Send- und alle acht Makro-Parameter. Man kann dort eingezeichnete Veränderungen somit auf bestimmte Steps reduzieren ohne sie auf einen kompletten Kanal anzuwenden. Die Lebendigkeit eines Grooves lässt sich somit enorm steigern und man muss dafür die Sequenzer-Ansicht gar nicht erst verlassen, das spart Zeit. Die beiden Schieberegler Accent und Slop humanisieren die Akzente und das Timing des Grooves, sodass ein menschlicheres Gefühl entsteht.

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