Hersteller_Warm_Audio
Test
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17.01.2017

Praxis

Gut gebaut

Bei recht preiswert wirkenden Gerätschaften wird zunächst die „Built Quality“ besonders kritisch beäugt, klar. Beim Warm Audio WA87 kann ich jedoch nicht motzen: Zwar finden sich feinere Oberflächenbehandlungen auf dem Markt, genauso präzisere Metallverarbeitung und vieles mehr, doch insgesamt passt alles. Das gilt genauso für die verwendeten Bauteile (unter anderem vom Unnaer Traditionsunternehmen WIMA) und ihre Verdrahtung.  

Zu original ist doch albern!

Das Mikrofon ist nicht so original wie möglich – und will es auch nicht sein. Alleine die Verwendung eines amerikanischen Übertragers und japanischen Membranmaterials zeigt, dass man keinen 1:1-Klon herstellen will, sondern ein preisbewusstes Mikrofon, welches sich in deutlicher Nähe zum Neumann-Vorbild befindet. Das passt auch in das Konzept von Warm, denn sonst hätten sie den WA-2A beispielsweise in 3 HE gebaut statt in 2 HE. Ab manchen Punkten wird Originaltreue ja vielleicht auch etwas albern.  

CineMag wohl eine gute Wahl

Nun gut – und der Sound? Das ist sicherlich wichtiger, als dass das WA87 sich von weitem mit dem Original verwechseln ließe. Um meine im Detailbereich selbst geschürte Befürchtung zu widerlegen: Nein, das Mikrofon rauscht nicht überirdisch, es ist alles wie es sein soll. Bei hohen Pegeln hat man nicht sehr viel Spielraum von leichten, angenehmen Sättigungseffekten bis zu unschönen Verzerrungen, aber dafür gibt es ja ein Pad. Als Outer-Bassdrum-Mikrofon kann das WA87 also durchaus eingesetzt werden, ohne schon im WA87 für Probleme zu sorgen – in den meisten Fällen zumindest. Auch die Feindynamik und das Auflösungsvermögen sind nicht zu beanstanden. Dass der CineMag eine gute Wahl war, wird deutlich, wenn man sich bei genauem Hören an der sehr feinen Struktur des Signals ergötzt, denn ohne sie wäre das mit dem 87 aufgenommene Material farbloser und weniger griffig. Im Vergleich zum Peluso P87 findet die im zugehörigen Testbericht angesprochene Entschärfung nicht statt. Das Peluso ist insgesamt etwas runder, das Warm etwas eckiger. Ich finde das in einer spontanen ersten Reaktion durchaus „besser“, allerdings bedeutet das, dass man mit dem Warm Audio bei der Aufnahme von Vocals etwas mehr Vorsicht walten lassen sollte. Deutsche, spitze Aussprache kann etwas zu bissig werden, somit ist das WA87 für manche Stimmen weniger geeignet als für andere. Weniger aggressive Konsonanten wie die meiner Sprechstimme (aber auch des Sängers Chul-Min) wirken beim WA aber gut. Mehr noch: Das Warm WA87 ist ein grandioses Sprechermikrofon, wie das Audiobeispiel (absolut unbearbeitet) zeigt! Und auch Instrumente können von seiner Durchsetzungsfähigkeit profitieren.

Unterschiede der Patterns in den Hochmitten

Bei der Arbeit mit Stimmen zeigt sich, dass der Nahbesprechungseffekt in allen Patterns nicht besonders stark ausgeprägt ist, was die Handhabung einfach macht. Und falls es doch zu bassig wird, macht das Filter keine Probleme durch Ripple. Etwas weniger klanggestaltenden Spielraum als nach erster Durchsicht des Papierwerks gedacht liefert die Umschaltung der Charakteristika. Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall: Im Gegenzug lässt sich in komplexeren Setups, also am Schlagzeug, Live-Einspielungen oder im Orchester die Ausblendung von störenden Schallquellen besser regeln. Der wesentliche Unterschied beim Verändern des Patterns liegt im Bereich der Hochmitten/Präsenzen. Wie so oft bei Großmembran-Kondensern: Die Niere klingt hier ausgewogener. In den Hochmitten geht es insgesamt auch etwas wilder zu, als die geglätteten Diagramme glaubhaft machen wollen. Bei allen drei Richtcharakteristiken zeigt sich eine ordentliche Konstanz, das gilt auch bei aktivem Zustand der rückseitigen Membran.  

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