Gitarre
Test
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12.04.2019

Wampler Pantheon Test

Overdrive-Pedal für E-Gitarre

Bluesbreaker reloaded

Mit dem Wampler Pantheon Overdrive packt der Pedalhersteller aus Martinsville im amerikanischen Bundesstaat Indianapolis die Wurzeln des Rock'n Roll an und widmet sich einem Pedaltypus, mit dem Marshall den Sound seines ersten Ampmodells aus den 60ern, dem Bluesbreaker, einfangen wollte. Dieser Sound ist besonders gut auf der ersten "John Mayall and the Bluesbreakers"-Platte mit Eric Clapton zu hören und definiert auch den Sound früherer AC/DC-Aufnahmen.

Dieser Amp, der prinzipiell eine Weiterentwicklung des 58er Fender Bassmans war, erfreute sich stets großer Beliebtheit in Blueser-Kreisen und unterschied sich auch deutlich vom Plexi-Modell. Weil er etwas "schmatzender" und weniger aggressiv daherkam, baute Marshall in den 90er Jahren kurzerhand das Bluesbreaker-Pedal, das auch einige Nachahmer nach sich zog, wie z.B. das JHS Morning Glory oder das legendäre King of Tone von Analog Man.

Wamplers Interpretation des Klassikers liegt mir als Testgerät vor und es gilt zu ergründen, ob das Pedal dem Namen des griechischen Göttertempels gerecht wird und in den Zerrolymp aufsteigen darf.

Details

Gehäuse/Optik

Das Pantheon kommt in einem schlanken, dunkelblau lackierten Metallgehäuse mit den Maßen 64 x 114 x 38 mm. Der Blauton wirkt sehr attraktiv, verziert durch die dezent-graue Grafik einer griechischen Gottheit. In der vorderen Pedalhälfte sind zweireihig alle fünf weißen Kunststoffpotis anzutreffen, die dank ihrer schwarzen Positionsmarker gut ablesbar sind. Zwischen den beiden Potis der unteren Reihe befinden sich zwei kleine Dreiweg-Kippschalter, auf die weiter unten noch näher eingegangen wird.

Der Fußschalter wartet an üblicher Stelle, der, wie übrigens alle Bedienelemente, sehr hochwertig und robust wirkt. Seine Arbeitsweise präsentiert sich sehr weich und das Einrasten beim Aktivieren des Pedals ist kaum hör- oder spürbar. Links neben dem Schalter befindet sich eine LED, die durch ein orangefarbenes Leuchten den aktiven Betrieb des Pantheon anzeigt.

Die Anschlüsse versammeln sich alle stirnseitig: links der Input, rechts der Output und dazwischen der Anschluss für das optional erhältliche Netzteil. Die Spannung kann zwischen 9V und 18V betragen, wobei der Stromverbrauch 17,3 mA bei 9V und 18,8 mA im 18V-Bereich beträgt und damit, wie für Verzerrer üblich, sehr ressourcenschonend ausfällt. Alternativ kann der Wampler auch mit einer 9V-Blockbatterie betrieben werden, die sich nach dem Entfernen der Bodenplatte durch die vier Kreuzschrauben im Pedalinneren einfinden muss.

Zum Lieferumfang gehören neben dem Pedal ein graues Dustbag, zwei Wampler-Sticker und vier anklebbare Gummifüße, die Rutsch- und Kratzschutz für Pedal und Boden garantieren.

Bedienung

Potimäßig fällt das Pantheon deutlich üppiger aus als das britische Vorbild, das bei Marshall gerade einmal drei Regler für Gain, Tone und Volume aufwies. Generell überrascht bei der Konzeption, dass wir es hier nicht nur mit einem reinen Pedal-Klon zu tun haben, sondern dass Chefentwickler Brian Wampler viele eigene Ideen in die Interpretation des Pedalklassikers hat einfließen lassen.

Für das EQing stehen mit Bass, Treble und Presence drei Regler bereit. Der Bassknopf wurde mit einem aktiven Baxandall-Schaltkreis versehen, dem Vater des Kuhschwanzfilters, der sowohl boosten als auch cutten kann, die 12-Uhr-Stellung markiert die neutrale Position. Treble und Presence bearbeiten unterschiedliche Höhenfrequenzen, wobei Presence höher angesiedelt ist und das Top End verarztet.

Volume und Gain bearbeiten die Lautstärke und den Zerrgrad des Pedals.

Sicherlich die bedeutendste Neuerung gegenüber dem Bluesbreaker sind die beiden Kippschalter. Der Gain-Level-Switch lässt zwischen drei verschiedenen Grundzerrstärken wählen, wobei das untere Setting den niedrigsten, die Mittelstellung den höchsten und die obere Stellung einen mittleren Wert erzeugt.

Der Overdrive-Voice-Schalter hingegen wählt die Clipping-Stufen an. Hard Clipping, Soft Clipping oder eine Mischung aus beidem stehen dem User zur Verfügung. Die untere Position liefert hier einen transparenten, offenen Sound, wohingegen das oberste Setting am komprimiertesten klingt.

Wie für ein Boutique-Pedal dieser Qualität üblich, kommt der Pantheon mit True Bypass.

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