Test
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06.02.2019

Ufip Est.1931 Cymbals Test

Becken Serie

Rotocasting Show

Als Tester und Freund besonderer Sounds freut man sich immer, wenn mal was anderes auf das Beckenstativ kommt als die Instrumente der bekannten Marken. Was natürlich nicht bedeutet, dass die Produkte von Meinl, Paiste, Sabian und Zildjian nicht gut sind. Allerdings vergisst man angesichts deren Marktpräsenz manchmal, dass es noch einen weiteren europäischen Traditionsproduzenten der klingenden Bronzescheiben gibt. Unione Fabbricanti Italiani Piatti Musicali e Tam Tams heißt der, kurz Ufip. Seit mehr als 80 Jahren werden in der Toskana Becken hergestellt, und um das herauszustellen, hat man sich bei der Namensfindung der Flaggschiff-Serie schlicht für die Bezeichnung Est.1931 entschieden. Est. ist die Abkürzung für das englische Wort „established“ und kann mit „gegründet” übersetzt werden. Damit ist es natürlich nicht getan, denn Tradition spielt zwar eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung anspruchsvoller Trommler, der Klang steht allerdings an erster Stelle. 

Und der wird bei Ufip spätestens seit den Siebzigerjahren durch ein spezielles Gussverfahren beeinflusst, welches die Marke von allen Konkurrenten abhebt. Gemeint ist das sogenannte Rotocasting, eine Methode zur Herstellung der Rohlinge. Dabei wird die flüssige Legierung nicht zu Bronzetellern geformt, die anschließend ausgewalzt werden, sondern mittig in eine sich schnell drehende Zentrifuge gegossen. Diese Art der Herstellung soll nicht nur für eine makellose Mikrostruktur der Bronze sorgen, sondern auch besonders gut klingen. Die anschließende Kombination mit verschiedenen Hämmerungen und Oberflächenbehandlungen führt – so Ufip – zu warmen, kontrollierbaren Sounds, welche sich im weiten Feld von Jazz, Funk, HipHop und auch elektronischen Kontexten einsetzen lassen. Ob die Teile so gut klingen wie versprochen, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details

Die Ufip Est.1931 Becken werden zum Rand hin dünner 

Unsere Testbecken kommen direkt aus der Toskana. Ufip hat uns für diesen Test einen Großteil der aktuell erhältlichen Est.1931 Modelle geschickt. Dazu gehören zwei Rides in 20 und 22 Zoll, ein Sizzle Ride der Größe 21 Zoll, ein 16er, 18er und 20er Crash, sowie eine 14er und 15er Hi-Hat. Zum kompletten Satz fehlen nur ein 17er und ein 19er Crash in der Testrunde. In Anbetracht der enthaltenen Menge an B20-Bronze fällt der Lieferkarton angenehm leicht aus, was darauf hindeutet, dass die Est.1931 Serie im unteren Gewichtssegment angesiedelt ist.  

Kommen wir zunächst zu den Gemeinsamkeiten aller Modelle. Ein Kernmerkmal von Ufip Becken besteht im Umstand, dass sie zum Rand hin dünner werden. Der Grund dafür ist das spezielle, eingangs erwähnte Gussverfahren. Hierbei werden schnell rotierende Formen mit flüssiger Bronze befüllt. Die entstehenden Fliehkräfte sorgen dafür, dass sich die Bronze gleichmäßig in der Form verteilt. Sowohl die Kuppe als auch die graduell zum Rand hin abnehmende Stärke der Becken wird durch diese Art der Produktion bereits beim Gießprozess festgelegt. Je nach Serie werden dann die weiteren Schritte wie das Hämmern und Abdrehen vorgenommen. Im Falle der „1931er“ offenbart schon die optische Begutachtung, dass hier eine Menge gemacht wurde. Sämtliche Becken besitzen relativ kleine Kuppen, was einen verminderten Obertonanteil verspricht. Grundsätzlich ziert alle Becken eine Mischung aus vielen kleinen und mittelgroßen, konzentrisch um die Kuppe herum angeordneten Hammerschlägen sowie wenigen sehr großen, tiefen „Kratern“. Speziell die großen Einschläge rücken die Est.1931 optisch an die bekannteren Marken heran, hier fallen mir sofort Zildjians Special Dry Modelle, Sabians HHXtremes und einige Meinl Byzance Typen ein. Die erste Begutachtung der Testexemplare fällt absolut positiv aus, denn alle Instrumente wirken sehr sorgfältig konzipiert und verarbeitet. Sehr schön: In allen Kuppen werden die Gewichte der Becken per Hand vermerkt. In den folgenden Absätzen geht es um die konzeptionellen Unterschiede zwischen den einzelnen Beckentypen. 

Kleine Kuppen und breite Abdrehmuster bei den Ride-Becken

An wen sich eine Beckenserie richtet, lässt sich immer noch gut am Gewicht der Rides ablesen. 1820 Gramm sind es beim 20er, 2394 beim 22er, und das Sizzle Ride in 21 Zoll bringt 2070 Gramm auf die Waage. Damit liegen sie im dünnen beziehungsweise leichten Bereich, denn schließlich liegt die Materialstärke der Kuppe deutlich über jener des Randes. Als Adressat dürften hier sicherlich nicht die Fans des klaren, schneidenden Pings gelten, sondern eher Anhänger der weicheren, rauchigeren Ridebecken-Fraktion. Dafür sprechen auch die kleinen Kuppen einheitlicher Größe sowie die Art der Oberflächenbehandlung. Die Oberseiten ziert ein breites Abdrehmuster, welches auch die Kuppen nicht ausspart. Als Besonderheit fallen die großen Zwischenräume ins Auge, die zwar keinen dunklen, roh belassenen Eindruck machen, sich jedoch matt von den abgedrehten Furchen absetzen. Sehr intensiv wirkt die Hämmerung, welche teilweise mit hydraulisch gestützten Hämmern, teilweise mit Muskelkraft gesetzt wird. Die tiefen Einschläge geben den Becken einen leicht welligen, aber sehr edlen Look. Deutlich anders präsentieren sich die Unterseiten der Rides. Das liegt daran, dass sie mit sehr feinen Messern komplett abgedreht sind. Sie erinnern mich damit stark an mein Zildjian Bounce Ride, welches ebenfalls über die Kombination aus feinem und sehr weitem Abdrehmuster verfügt. Mit sechs, aus Aluminium gefertigten, Nieten gibt sich das 21er als Sizzle Ride zu erkennen. Drei der Nieten sind zusätzlich mit einer Unterlegscheibe versehen.  

Bei den Crashes sind die Kuppen auf Hochglanz poliert

Auf den ersten Blick scheinen die Crashes identisch konstruiert zu sein wie die Rides. Die Details zeigen aber, dass man die Instrumente gemäß ihres Einsatzbereiches fein-getunt hat. Da wären zunächst die nochmals reduzierten Gewichte von 852 Gramm beim 16er, 1182 Gramm beim 18er sowie 1580 Gramm beim 20er. In Verbindung mit der Anatomie der Becken wirken die Crashes an den Rändern schon deutlich scharfkantiger als die Rides. Ihr Profil ist stärker gebogen und verleiht ihnen die sogenannte „Umbrella“-(Regenschirm) Form. Hinzu kommen die auf Hochglanz polierten Kuppen, welche den Becken zusätzliche Brillanz und ein etwas offeneres Obertonspektrum bescheren sollen. Das 20er besitzt dieselbe Kuppenform und -größe wie die Ride-Modelle, die 16er und 18er teilen sich eine nochmals verkleinerte Kuppenform.  

Bei den Hi-Hats wird auf das Abdrehen der Oberseiten verzichtet

Bis auf einen Unterschied entsprechen die beiden Becken der Hi-Hats weitgehend den Crashes. Auch sie besitzen die Mischung aus verschiedenen Hämmerungen sowie die glänzenden Kuppen. Zudem fällt bei den Hats die starke Profilwölbung noch stärker ins Auge. Der deutlichste Unterschied zu den anderen Est.1931 Modellen besteht jedoch darin, dass die Ufip Entwickler auf das Abdrehen der Oberseiten bei den Top-Becken verzichtet haben. Dadurch tritt die leicht rohe Oberfläche stärker hervor, auch sind winzige Löcher erkennbar, ein Merkmal, das alle Ufip-Becken aufweisen und welches auf das Rotocasting-Verfahren zurück zu führen ist. Weiterhin besitzen die Hi-Hat Tops einen etwa fünf Millimeter breiten, abgedrehten Randbereich, wie man ihn beispielsweise von einigen Bosphorus Modellen her kennt. Wer andere Ufip Hi-Hats kennt, weiß, dass sie oft im schwereren Segment angesiedelt sind. Für die Testbecken gilt das nicht, 906 und 1046 Gramm bei der 14er sind schon ziemlich leicht, 966 und 1136 Gramm bei der 15er liegen proportional noch einmal darunter. 

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