Bass Hersteller_Trace_Elliot
Test
7
11.12.2017

Trace Elliot Elf Test

Miniatur-Bassverstärker

Fabelhaftes Fabelwesen!

Das Oxford Dictionary definiert das Wort "Elf" als Begriff für "eine übernatürliche Kreatur aus Volkserzählungen, üblicherweise umschrieben als kleine, zierliche, schwer erfassbare Erscheinung in menschlicher Gestalt, mit spitzen Ohren, magischen Kräften und unberechenbarem Wesen." Ziehen wir einmal die menschliche Gestalt ab und spitzen dabei vielmehr die eigenen Ohren, dann kommen wir schon dem Rest dieser Definition recht nahe, wenn wir das neuste Produkt der legendären Marke Trace Elliot in den Händen halten - oder sollte ich besser sagen: "im Handteller"? Viel größer ist der Elf nämlich nicht!

Ein 200 Watt starkes Topteil in Handgröße mit weniger als 1kg Gewicht? Das sind beileibe keine typischen Attribute, wenn man an den Namen Trace Elliot denkt. Die einst glorreiche und beliebte Kultmarke entsprang 1979 im englischen Essex und dominierte den Tieftonsektor über weite Strecken der 80er-Jahre.

Ich selbst spielte lange Zeit einen AH500X; ein monsterschweres Topteil, das in Technik und Design seinerzeit alles im Regen stehen ließ. Als einer der wahrscheinlich lautesten Amps bis zum heutigen Tage (ungeachtet der kühnen Wattangaben heutiger Hersteller) verfügte er über sämtliche Optionen wie Mono, Stereo, Bi-Amp-Modus - alles bequem über Wippschalter selektierbar. Dazu kamen Onboard-Kompressor, Effekt-Einschleifweg, 11-Band graphischer EQ, Mid-Preshape, unzerstörbares Gehäuse und sensationelle Optik mit neongrüner Beschriftung, die durch eine zuschaltbare Schwarzlichtröhre im vorderen Teil des Gehäuses imposant auf dunklen Bühnen hervorstach.

Viele weitere Produkte folgten, doch schließlich verblasste der Ruhm, die Marke wurde über Jahre hinweg immer wieder verkauft und dümpelte am Ende mehr oder weniger vor sich hin. Seit einigen Jahren befindet sich das Zuhause von Trace Elliot unter dem Dach des amerikanischen Peavey-Konzerns, und dort scheint man um Innovation bemüht. Mit Koordination und Finanzierung aus den USA, Designideen aus England und Herstellung in China hat man nun ein Produkt entworfen, das Seinesgleichen sucht!

Voller Ungläubigkeit halte ich den Winzling in der Hand - einen Elf, der zumindest schon einmal auf den ersten Blick eine magische Ausstrahlung besitzt. Die Spannung ist also hoch: Kann der Zwerg denn auch irgend etwas oder ist er einfach nur was für die Märchenkiste oder Puppenstube? Wir finden es heraus!

Details

Der Trace Elliot Elf wird in einem schicken Karton ausgeliefert, der die Dimensionen des Inhaltes deutlich übersteigt. Das ist keine Kunst, denn der Elf ist lediglich 171 x 410 x 34 mm groß und wiegt niedliche 0,73 kg (!). Dabei soll er eine Leistung von 200 Watt an 4 Ohm bzw. 130 Watt an 8 Ohm liefern.

Im Lieferumfang enthalten ist neben dem Netzkabel, einer Bedienungsanleitung und einigen Aufklebern noch ein schmuckes kleines Handtäschchen zum dezenten Transport des Miniatur-Topteils. Die mit Klettstreifen verschließbare schwarze Stofftasche trägt frontseitig eingestickt das grüne Trace-Logo und den Elf-Schriftzug. Sie bietet zusätzlich aber auch Stauraum für Kabel und Kleinkram. Tatsächlich passt das Mini-Topteil jedoch problemlos in die Fronttasche jeder x-beliebigen Gigbag.

Obwohl der Elf weniger als ein Kilogramm wiegt, wirkt er äußerst stabil und solide, wenn man ihn in die Hand nimmt. Die Farben des robusten Stahlgehäuses sind schwarz/grün, was typisch für alle Trace-Elliot-Produkte ist. Das Frontpanel ist ebenfalls grün, die Potis und die Beschriftung schwarz. Der Rest des Gehäuses ist wiederum schwarz mit grüner Aufschrift, wobei sich jedoch das Frontpanel an beiden Seiten keilförmig zu einem Dreieck geformt in die Flanken hereinstreckt.

Das Company-Logo befindet sich auf der Oberseite des Gehäuses. Aber auch auf den Flanken prangt der Markenname, jedoch nur halbiert zu dem Wort "Trace". Dadurch, dass die Flanken leicht keilförmig ausgebuchtet sind, hat man das Logo zweimal an jeder Seite eingestanzt (regulär und direkt darunter auf dem Kopf stehend). Daneben befinden sich federartige Lüftungsschlitze. Weitere lochgestanzte Lüftungsöffnungen finden wir auf der Oberseite.

Die Frontblende ist so einfach gestaltet, wie es möglich ist. Klinken-Eingangsbuchse, gefolgt vom Gain-Regler, Dreiband-EQ (Bass, Mid, Treble) und (Master)-Volume. Bemerkenswert ist die Eingangs-Impedanz, die mit über 10 MOhm angegeben wird, was vor allem für Kontrabassisten interessant sein dürfte, die mit Piezo-Tonabnehmern arbeiten. Abgerundet wird die Front mit einer 6,3mm Klinken-Kopfhörerbuchse.

Um still mit Kopfhörer zu üben, kann der Elf auch ohne Box betrieben werden. Ganz lautlos bleibt es dennoch nicht, denn der Winzling wird von einem permanent laufenden Lüfter gekühlt. Auch wenn der Lüfter nicht besonders auffällig wirkt, so ist er bei Stille dennoch deutlich hörbar.

Rechts zwischen Treble und Volume positioniert befindet sich eine grüne Betriebs-LED. Links, zwischen Gain und Bass liegt eine weitere LED, die den Eingangspegel anzeigt. Wobei hier eine Besonderheit vorliegt, denn der Gain-Regler steuert eine sehr flexible Eingangsstufe, welche im Verlauf ihres Regelweges ihr Verhalten ändert. Je nach Ausgangspegel des angeschlossenen Basses verändert sich dieser Regelweg zwar ein wenig, aber grob kann man sagen, dass im ersten Drittel des Reglerweges ein unkomprimierter Sound generiert wird.

Im zweiten Drittel des Regelweges beginnt die grüne LED orange aufzublinken und der Sound wird merklich komprimiert. Laut Trace Elliot soll hierfür ein Multiband-Kompressor verantwortlich sein. Im letzten Drittel, wenn die LED bei ankommenden Signal rot zu blinken beginnt, setzt kontinuierlich Verzerrung ein.

Auf der Rückseite befindet sich die Anschlussbuchse für das Netzkabel, der Netz-Wippschalter, Klinkenbuchse zum Anschluss von Box/Speaker (für eine Speakon-Buchse wäre definitiv nicht ausreichend Platz vorhanden!) und ein XLR-DI-Ausgang mit versenktem Groundlift-Schalter, der mit einer Kugelschreiberspitze betätigt werden kann. Der DI-Ausgang ist ausschließlich "post-EQ", greift das Signal also hinter der Eingangsstufe und Klangregelung ab - allerdings noch vor dem Master-Volumen.

Noch etwas vergessen? Ach ja: Für einen sicheren Stand auf der Box sorgen vier runde, fest verschraubte Gummifüße.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

Markbass Little Marcus 500 Test

Ein Jahr lang hat die Szene gespannt den Atem angehalten - nun trägt die Zusammenarbeit zwischen Markbass und Marcus Miller erste Früchte. Der Little Marcus 500 ist das erste Markbass/Miller-Produkt, welches wir auf den Prüfstand heben.

Aguilar AG700 Test

Mit dem AG700-Topteil kommt wieder frischer Wind in Aguilars AG-Serie: Der Amp soll den klaren Sound und die dynamische Bandbreite der legendären AG500-Modelle liefern.

Quilter Bass Block 800 / Bassliner 2x10W Test

Seit seinem Rückzug aus der QSC-Chefetage besinnt sich Pat Quilter wieder auf Gitarren- und Bass-Amps. Wir haben für euch das Topteil Quilter Bass Block 800 mit der Bassliner 2x10W-Box getestet.

Marleaux Tonwerk Test

Als Gerald Marleaux ankündigte, einen eigenen Outboard-Basspreamp herauszubringen, horchte die Szene auf! Wir haben den Vorverstärker aus dem Harz getestet.

Darkglass Electronics Microtubes 500 Test

Nach dem Erfolg des 900 Watt starken Topteils Microtubes 900 legen Darkglass aus Finnland ein "nur" 500 Watt starkes Modell mit kleineren Gehäusemaßen nach: den Microtubes 500!

User Kommentare