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Test
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26.05.2014

Toontrack EZdrummer 2 Test

Virtuelles Drum-Studio

Der David unter den Goliaths

Der EZdrummer ist einer der meistverkauften Sample-Player für akustische Drums und gleichzeitig wohl das Produkt, mit dem die schwedische Software-Schmiede Toontrack am schnellsten und häufigsten in Verbindung gebracht wird. Vor allem die  Kombination aus großem Klang, kleinem Preis und einer intuitiven Bedienphilosophie, die sich auf das Wesentliche konzentriert, macht den „einfachen Trommler“ für viele Anwender attraktiv.

Die erste Version des EZdrummer begann bereits 2006 damit, die Drumsticks zu schwingen, und hat damit bereits ein paar Jährchen auf dem virtuellen Schlagzeuger-Buckel. In einer Zeit, in der speicherverschlingende Sample-Giganten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Trophäe der realistischsten Drumsounds boten, übernahm das Leichtgewicht die Rolle des Davids unter den Goliaths und präsentierte sich als eine auf optimalen Workflow zugeschnittene Alternative. Die Strategie funktionierte glücklicherweise auch ohne das Schleudern von Steinen, und auch dank der bisher 20 erhältlichen Library-Erweiterungen konnte der EZdrummer seine Aktualität bis heute wahren. Welche Verbesserungen die zweite große Version birgt, werden wir in einem gewohnt ausführlichen bonedo-Test klären!

Details

Umfang und Installation

Der EZdrummer 2 ist als 3 GB großer Download von der Hersteller-Website oder als Boxed-Version erhältlich, wobei die Pappschachtel vom Händler keinen Datenträger, sondern ausschließlich einen Lizenzcode beinhaltet, der wiederum zum Download der Installationsdateien berechtigt. Die Software läuft als VST-, AU-, RTAS- oder AAX-Plug-In unter allen gängigen Host-Anwendungen wie Cubase, Logic, Live oder Pro Tools oder auch in einem DAW-unabhängigen Standalone-Modus. Jeweilige Versionen für 32 Bit oder 64 Bit Systeme sind natürlich ebenso vorhanden wie vergünstigte Upgrade-Möglichkeiten von EZdrummer 1 oder EZdrummer Lite.

Sobald der durchaus flüssig laufende Download und die Installation abgeschlossen sind, muss die Software online zur Verwendung autorisiert werden, was bei einer bestehenden Internet-Verbindung direkt über die Bedienoberfläche machbar ist. Wer von seinem Musik-Rechner aus keinen Internetzugriff hat oder haben will, kann das ebenfalls verhältnismäßig unkomplizierte Offline-Verfahren nutzen und ein kleines Autorisierungs-File über einen anderen Rechner herunterladen. Wie bei allen Toontrack-Produkten ist eine Aktivierung immer auf zwei Computern gleichzeitig möglich, und eine parallele Nutzung wie zum Beispiel auf Studio-Rechner und Laptop ist kein Problem.  

Einfaches noch einfacher – Das Konzept hinter dem EZdrummer 2

Bevor sich der Praxis-Teil des Tests ausgiebig mit den Funktionen im Einzelnen beschäftigt, werfen wir vorab einem kurzen Blick auf das grundlegende Konzept und die Philosophie hinter der Software. Der EZdrummer (sprich: „Easy Drummer“) hat sich schon immer darauf konzentriert, seine Anwender in möglichst kurzer Zeit ohne viel Drehen und Schrauben zu einem möglichst guten Ergebnis zu führen und dabei die Ablenkungen vom kreativen Prozess des Songwritings und Arrangierens möglichst gering zu halten. Dies gilt auch für Version 2, und entgegen den vielen Beispielen, in denen eine Software durch ein Update komplexer und damit oft auch komplizierter wird, hat Toontrack sich vorgenommen, das Einfache in diesem Fall noch einfacher zu machen.

Wenn der EZdrummer so einfach und reduziert ist, wo liegen dann die Abstriche gegenüber dem weit umfangreicheren Superior Drummer 2, der ebenfalls von Toontrack angeboten wird? Ein Kernpunkt dabei ist vor allem, dass unser Testkandidat mit einer wesentlich schlankeren Library ausgestattet ist und folglich einen geringeren klanglichen Detailgrad bietet. Dies betrifft einerseits die Anzahl der Samples pro Instrument (Velocity-Layer und Round-Robin-Samples), die vor allem bei komplexen Drum-Arrangements für ein mehr oder weniger lebendiges Klangbild sorgen kann, und andererseits die Anzahl der getrennt regelbaren Kanäle.

Während der Superior Drummer 2 ein ganzes Sammelsurium an Raum- und Effekt-Kanälen bietet, über die der Klang hochgradig flexibel gestaltet werden kann, beschränkt sich der EZdrummer 2 in dieser Hinsicht auf die Overheads, einen Stereo- und einen Mono-Raum. Zum direkten Vergleich gibt es im Player einen kurzen Drum-Track zu hören, der jeweils über die Core-Library der kleinen und großen Ausbaustufe abgespielt wurde. Wie man hört, reicht der Detailgrad des EZdrummer 2 durchaus für mehr als einfaches Bumm-Tschack aus. Selbst die Wirbel auf der Snaredrum werden,  gemessen am Datenvolumen der Library, überraschend natürlich wiedergegeben. Vor allem bemerkt man hier auch, dass bei unserem Testkandidaten reger Gebrauch von Klang-Politur gemacht wurde, wobei selbst die Core-Library des Superior Drummer 2 nicht unbedingt als betont roh oder hochgradig natürlich bezeichnet werden kann.

Der zweite große Bereich, in dem sich unser Testkandidat stark vereinfacht präsentiert, ist die Flexibilität des internen Mixers. In der Superior-Variante stehen dem Anwender alle Wege offen, die einzelnen Kanäle mit der eingebundenen Effekt-Suite auch in den Feinheiten zu bearbeiten. Eine der großen Neuerungen, die der EZdrummer 2 im Vergleich zum Vorgänger präsentiert, ist eine nun ebenfalls integrierte Effekt-Suite. Die Zugriffsmöglichkeiten wurden aber in der Anzahl der Parameter und damit auch in der gestalterischen Freiheit stark reduziert, um einen möglichst flüssigen Arbeitsablauf zu ermöglichen. Unter dem Strich widmet sich der EZdrummer also vor allem der Aufgabe, die breite Auswahl an enthaltenen Grooves oder selbst eingespielte bzw. programmierte Performances abzuspielen, und das Erstellen kompletter Tracks wird in Version zwei tatsächlich um ein erhebliches Maß einfacher. In diesem Bereich ist unser Testkandidat seinem großen Bruder sogar um einiges voraus!

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