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Test
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11.09.2013

Tonelux TX5C Test

API 500 Kompressor

Die Weiterentwicklung

Die API-Kassette TX5C von Tonelux im bonedo-Test – Bei Tonelux gibt ein Industrie-Veteran den Ton an, der bereits an anderer Stelle sehr erfolgreich war. Paul Wolff ist unter Class-A-Aficionados kein Unbekannter. Wir können es daher kaum erwarten, den TX5C-Kompressor unter die Lupe zu nehmen.

Paul Wolff erwarb den amerikanischen Class-A-Traditionshersteller API in der Mitte der 80er-Jahre. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich API längst als einer der erfolgreichsten Player am Markt etabliert und eine fast vierstellige Zahl großformatiger Konsolen hergestellt. Wolff sollte diese Geschichte um einen weiteren Meilenstein erweitern: Als Besitzer und leitender Ingenieur zeichnet er verantwortlich für einen der beliebtesten VCA-Kompresoren aller Zeiten, den 2500 Bus Compressor. Dieses Feature-Monster glänzt mit hervorragenden Eiegnschaften und wird weltweit vor allem für die Bearbeitung von Subgruppen- und Summensignalen geschätzt.

Es erscheint also wenig verwunderlich, dass Paul Wolffs neue Firma Tonelux, die er vor einigen Jahren etablierte, im Prinzip genau dort weitermacht, wo er bei API aufgehört hat. Auch Tonelux zeichnet sich durch Class-A-Transistortechnik und übertragersymmetrierte Schaltungen aus, schreibt also die Schaltungstopologien fort, die seit den späten 60er- und frühen 70er-Jahren den Sound ganzer Genres definiert haben. Seine Schaltungen bietet Tonelux heute in einer Bandbreite von Darreichungsformen an. Neben einem eigenen Modulformat und 19“-Einheiten können auch großformatige Konsolen konfiguriert werden, und es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis Wolff auch auf den Modulstandard seiner Ex-Firma einschwenken würde – am 500-Standard kommt heute einfach niemand mehr vorbei...

Details

Weiterentwicklung

Zu den Modulen, die Tonelux aktuell anbietet, zählt auch der TX5C, ein VCA-Kompressor, der einerseits seine Herkunft nicht verhehlen kann und will, der andererseits aber auch unverkennbar neue, eigenständige Wege beschreitet. An vielen Stellen wird die Verwandschaft zu APIs 2500 deutlich, aber der TX5C bietet ein paar Features, die man definitiv als Weiterentwicklung bezeichnen kann und die durchaus – auch über die Grenzen des 500-Modulstandards hinaus – Maßstäbe setzen können.

Standard-Parameter und Spezielles

Wie auch der 2500 ist der TX5C ein Kompressor, bei dem an Funktionen und Einstellmöglichkeiten nicht gespart wurde. Das bedeutet in der Konsequenz, dass die Frontplatte des Moduls randvoll mit Bedienlementen gepackt wurde, hier ließe sich schlichtweg keine weitere Funktion mehr unterbringen. Tonelux arbeitet fast durchgehend mit konzentrischen Doppelpotis, so dass trotz des Moduls mit nur nur einer Slotbreite insgesamt neun Parameter kontinuierlich mit Potis justiert werden können. Es finden sich die fünf VCA-Standardparameter Threshold, Ratio, Attack, Release sowie Make-Up Gain ebenso wie ein paar weitere Funktionen, die diese Basis-Ausstattung abrunden und verfeinern. Ein Wet/Dry-Mixer (hier mit Mittenrastung in der 50/50-Position) kann heute schon fast als Standard-Ausstattung zählen, ebenso ein Sidechain-Filter. Dieses ist aber kein gewöhnlicher Lowcut: Vielmehr hat Tonelux hier sein eigenes Tilt-Filter integriert, mit dem man den Frequenzgang des Detektorsignals um eine Mittenfrequenz „kippen“ kann – es werden also die Frequenzbereiche ober- und unterhalb der Eckfrequenz gleichzeitig um den selben Betrag angehoben bzw. abgesenkt, und das funktioniert auch in beide Richtungen. Soll heißen: Das Filter kann nicht nur verwendet werden um die Bässe aus der Kompression herauszunehmen, sondern man kann auch das Gegenteil erzielen. Es handelt sich hier also um die „Thrust“-Schaltung des 2500, nur dass man den Frequenzgang flexibel kontrollieren kann. Mit einem weiteren Poti kann definiert werden, wie stark die Pegelreduktion mehrerer TX5C-Einheiten verkoppelt werden kann. Auch dies ist eine Reminiszenz an die – zugegeben noch flexiblere – Link-Sektion des API 2500. Das letzte Poti des TX5C schließlich ermöglicht eine Funktion, die auf den 2500 nochmals einen draufsetzt und die ich in dieser Form glaube ich noch nirgendwo sonst bei einem Hardware-Kompressor gesehen habe: Der TX5C bietet nicht nur die Wahlmöglichkeit zwischen Feedback- und Feed-Forward-Kompression, sondern man kann zwischen beiden Betriebsweisen sogar stufenlos überblenden. Damit hat man hier nicht nur die Wahl zwischen A und B, sondern man kann feinfühlig justieren, ob das Gerät eher zackig (hier „90’s“ genannt) oder eher rund (laut Tonelux à la „60’s“) regeln soll.

Negative Ratios

Die Vielseitigkeit des TX5C erschöpft sich aber nicht mit diesen spezielleren Funktionen. Auch die Standardparameter offenbaren das eine oder andere Feature, das über einen stromlinienförmigen Alltags-VCA hinausgeht. Mittels eines X5-Multiplikatorschalters kann der Attackparameter sehr weit gefasst werden, ohne dass der gesamte Parameterweg auf eine Potidrehung verteilt werden muss. Mit Werten von 30 Mikro- bis 150 Millisekunden geht beides: Transienten in 1176-Manier fast gänzlich plätten, oder diese aber in all ihrer Knalligkeit herausstellen. Auch die Releasephase bietet mit 100 ms bis 3 s eine große Bandbreite. Der Ratio-Parameter bietet einen Standardbereich von 1,5:1 bis ∞:1, darüberhinaus aber das sogenannte Overcompression-Feature, hinter dem sich sogenannte „negative Ratio-Werte“ verbergen, wie sie beispielsweise auch der Elysia Xpressor 500 bietet. Hier wird der Ausgangssignal leiser, wenn der Eingang lauter wird, im Prinzip lässt sich die Dynamik des Augangsmaterials invertieren. In Verbindung mit längeren Attackwerten kann man diese Funktion also gewissermaßen als Expander für schlappe Transienten nutzen, erst Recht, wenn man das Signal des TX5C mit dem Wet/Dry-Mixer dem Direktsignal beimischt.

Wenig Platz für das Metering

Aufgrund der üppigen Parametrisierung fiel der verfügbare Platz für optische Kontrollinstrumente eher knapp aus: Eine LED-Kette mit lediglich sechs Segmenten zeigt die Pegelreduktion an, eine weitere LED leuchtet auf, sobald das Eingangssignal die Ansprechschwelle des Kompressors überschreitet. Auch dieses Feature, klein aber fein, kennen wir vom 2500: Es hilft ungemein, um zu definieren, welche Transienten die Kompression triggern sollen. Das Modul verfügt über einen schaltbaren Bypass und außerdem über einen Schalter, mit dem die Link-Funktion aktiviert werden kann. Zu diesem Zweck müssen zwei TX5C mittels der frontseitigen „Tiny Telephone“-Buchsen verbunden werden. Über eine weitere TT-Buchse kann ein externes Sidechain-Signal eingespeist werden. Diese TT-Lösung ist genial, denn es handelt sich hier erstens um ein Standardformat (zumindest in vielen professionellen Studios) und außerdem um eine sehr platzsparende, aber qualitativ hochwertige Lösung.

Hinter der Frontplatte

Die Fertigung des TX5C genügt allerhöchsten Ansprüchen. Als halboffenes Modul konzipiert, sollte für ausreichend Ventilation gesorgt sein. Der Funktionsumfang wurde mit einem Class-A-Signalweg mit diskreten OpAmps realisiert. Zwei Stück des proprietären Typs TX240 arbeiten im Regelelement, aus Platzgründen mit SMD-Bauteilen konstruiert. Ein weiterer, komplett vergossener TX260 sitzt in der Ausgangsstufe, wobei vermutet werden darf, dass hier konventionelle „Through the hole“-Bauteile die Hauptrolle spielen. Und schließlich darf in diesem Kontext auch ein recht massiver Ausgangsübertrager nicht fehlen.

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