Test
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21.07.2021

the box pro Achat 115 MA MKII Test

Aktiver Multifunktionslautsprecher

Schwergewicht mit Titelambitionen

Mit der „the box pro Achat“-Serie hat das Musikhaus Thomann eine reichhaltige Boxenserie am Markt etabliert, die in den letzten Jahren mit gutem Sound, umfangreicher Ausstattung und einem besonders lukrativen Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Anwendern zu punkten wusste. Machbar wurde dieser Erfolg durch die Kombination einer Fernost-Fertigung und einer Entwicklung in Deutschland. Obwohl die Serie sich seit ihrer Markteinführung immer noch gut verkauft, ist es nun an der Zeit, frischen Wind in das Portfolio zu blasen. Den Anfang für eine Generalüberholung machen die aktiven Multifunktionstopteile the box pro Achat 110, 122 und 115 MA MKII. 

Für diesen Test steht mir das Flagschiffmodell 115 MA MKII zur Verfügung. Die knapp 39 kg schwere Box ist ein massives Stück Hardware, das von einem neu entwickelten Aktivmodul mit Powertwist-Netzversorgung und 1.400 Watt Peak befeuert wird. Geht die Gleichung „große Box = großer Sound“ auf?

Details

Die Lieferkartons sind mit einem Transportschutz aus großzügigem Schaumstoff versehen, während der Multifunktionslautsprecher dank einer Plastiktüte sicher vor Feuchtigkeit geschützt ist. Ein Silikat-Päckchen im Karton absorbiert anfallende Feuchtigkeit auf dem Transportweg. Der Lieferumfang ist übersichtlich: Box, Bedienungsanleitung und ein Netzkabel mit einem Schukostecker am einen und einer Neutrik-PowerCon-Armatur am anderen Ende. Das ist ein Unterschied zum Vorgängermodell, das mit einem Kaltgerätekabel versorgt wird. Sehr schön, somit fährt die MKII-Version dank PowerCon- bzw. Powertwist-Netzversorgung den ersten Pluspunkt ein. Schauen wir uns die Box genauer an.

the box pro Achat 115 MA MKII

Die the box pro Achat 115 MA MKII ist beileibe kein Spielzeug. Die schiere Größe des Kartons zeigt, dass es sich hier um eine Box aus der Schwergewichts-Liga handelt. Die Achat 115 MA MKII ist deutlich größer und somit auch schwerer als ihre kleine 10-Zoll- und 12-Zoll-Schwestern. Das stattliche Gewicht von 38,7 Kilogramm dürfte manche Audio-Einzelkämpfer mitunter überfordern. Zumindest dann, wenn es darum geht die Box auf eine Distanzstange oder ein Boxenstative zu heben. Der Autor würde persönlich von einem Einsatz auf einer Distanzstange abraten. Die punktuelle Last auf den Hochständerflansch ist dabei nicht zu unterschätzen.

Auch in puncto Lautsprecherstativ sollte man vorzugsweise schwere, massive Stative heranziehen. Das Gewicht lässt sich nicht nur auf das großvolumige Holzgehäuse zurückführen. Vielmehr haben auch die verbauten Treiber ihren Anteil an dem beeindruckenden Gesamtgewicht.

Stichwort Gehäuse: Dieses ist in weiten Teilen identisch mit der Vorgängerversion. Bei the box pro Achat 115 MA MKII kommt ebenfalls Multiplex-Holz mit schwarzem Strukturlack zum Einsatz. Das Gehäuse selbst ist multifunktional ausgelegt und verfügt wie beim Vorgänger über eine Monitorschräge. Das sieht gut aus und ist zweckmäßig.

Die eingelassenen Aeroquip-Flugschienen auf der Oberseite, neben weiteren Montagepunkten und einer massiven Anschlagöse auf der Rückseite, bekräftigen diesen Eindruck. Somit empfiehlt sich die Box auch für einen sicheren und komfortablen Flugbetrieb oder eine Festinstallation.

Hinter dem vollflächigem Lautsprechergitter werkelt ein 15-Zoll-Ferrit-Treiber mit 3-Zoll-Schwingspule. Das Highlight ist allerdings der massive 1,4-Zoll-Hochtöner, der auf ein großes GFK-Horn mit einer Abstrahl-Charakteristik von 60 x 60 Grand arbeitet. Dazu später mehr. Angetrieben wird das Ganze von einem neu gestalteten Aktivmodul, das wir uns als nächstes ansehen.

Aktivmodul

Egal welche Version der Achat MKII wir nutzen, alle Boxen dieser Serie verwenden ein identisch aufgebautes Aktivmodul. Der einzige Unterschied: Die kleine 110 MA MKII wird mit deutlich weniger Endstufenleistung befeuert als die größeren Modell 112 und 115 MA MKII. Während für die 12- und 15-Zoll-Boxen eine Leistung von 350 Watt RMS zur Verfügung steht, stellt das Aktivmodul der Achat 110 MA MKII nur 140 Watt RMS Leistung bereit. Optik und die Ausstattung der Ampmodule sind ansonsten identisch.

Im Grunde hat man sich an die Tatsache gewöhnt, dass in der Preisklasse unter 500 Euro für die Stromversorgung in der Regel Kaltgerätekabel zum Einsatz kommen. Das war auch bei den Vorgängermodellen der Fall. Die MKII-Version setzt allerdings auf Powertwist-Anschlüsse, und konsequenterweise stellt das Ampmodul sogar noch einen Powertwist-Ausgang bereit, um die Netzversorgung für mehrere Boxen bequem durchschleifen zu können.

Kurz zum Begriff „Powertwist“. Diese Armaturen sind im Grunde identisch mit dem bekannten PowerCon-Standard aus dem Hause Neutrik, nur mit dem Unterschied, dass die Powertwist-Armaturen nicht von Neutrik gefertigt werden und daher einen anderen (Marken-)Namen tragen. In der Praxis macht das keinen Unterschied, was man auch daran erkennen kann, dass das beiliegende Netzkabel mit einem originalen Neutrik-PowerCon-Stecker versehen ist, der kompatibel mit den Powertwist-Armaturen ist.

Also, ich notiere: ein Powertwist-Eingang, ein Powertwist-Ausgang und ein dedizierter Netzschalter. Sehr schön! Und zudem deutlich betriebssicherer und komfortabler als eine Kaltgerätebuchse.

Die weiteren Bedienelemente sind ausschließlich analoger Natur und somit ein erfrischender Gegentrend zum derzeit herrschenden Zeitgeist anderer Aktivboxen. Bei den Achat MA MKII benötigt man keine App und keine Bluetooth-Verbindung. Man verkabelt sein Eingangssignal und dreht auf! Dank der zwei separaten Eingänge im Combobuchsen-Format lassen sich gleich zwei Eingangssignale anschließen. Jeder Eingang verfügt über ein Mic/Line-Umschaltung und ein Volume/Gain-Poti. Somit lassen sich bei Bedarf auch mal schnell zwei Mikrofone direkt anschließen.

Der Mix der beiden Eingänge lässt sich mit Hilfe einer XLR-Mix-Out-Buchse abgreifen und an weitere Boxen durchreichen. Ein Master-Volume-Poti gibt es nicht, dafür eine Zweiband-Klangregelung (Bass & Treble) mit +/- 15 dB pro Band. Über einen kleinen Schalter lassen sich zusätzlich drei Voicings (EQ-Presets) abrufen, was den Boxen zusätzliche Flexibilität verleiht. Zur Auswahl stehen „Bass Boost“, „Flat“ und „120 Hz HPF“. Letztere Einstellung bietet sich an, falls die Achat-Boxen als Topteile in Kombination mit einem oder mehreren Subwoofern zum Einsatz kommen. Zusätzliche Power- und Signal/Peak-LEDs zeigen den Betriebszustand der Boxen an.

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