Gitarre
Test
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07.05.2021

Swissonic NT10A Test

Aktive Nahfeld-Monitorlaustsprecher

Nachbau oder eigenständige Abhör-Lösung?

Die Swissonic NT10A stellen sich gleich auf den ersten Blick in eine Reihe mit den Yamaha NS-10 M Studio, einem legendären Lautsprecherpaar für das Nahfeld-Monitoring, mit deren Hilfe etliche Hits abgemischt wurden. Unser Test wird zeigen, welche Gemeinsamkeiten beide Speaker-Modelle tatsächlich aufweisen und worin sie sich unterscheiden. Spannend wird in unserem Praxis-Check auch die Frage sein, ob das Swissonic-Modell ähnlich gute Dienste leisten kann wie sein Vorbild.

Wie auch immer die Nähe zum Original ausfällt, müssen die NT10A aber auch für sich genommen eine wirklich gute Performance abliefern, wenn sie am Markt bestehen wollen. Denn mittlerweile gibt es doch einige Clones der Yamaha NS-10 M Studio, sodass die Konkurrenz hart ist. Dazu zählen etwa die Avantone Pro CLA-10A, die wir für euch schon getestet haben. Dabei handelt es sich um einen NS-10 M Studio-Nachbau, der nicht nur optisch, sondern auch klanglich nah am Original sein möchte. Wir dürfen also gespannt sein, wie sich die Swissonic NT10A beweisen können…

Details

Alles dabei

Der Lieferumfang der Swissonic NT10A bringt bis auf Audiokabel alles mit, was man zum sofortigen Einsatz der Speaker benötigt. Neben den beiden Lautsprechern selbst sind zwei Kaltgerätekabel mit dabei. So lassen sich die Geräte sofort aufbauen und mit Strom versorgen. Außerdem liegen Bedienungsanleitungen in zwei Sprachen bei. Sie ermöglichen auch einen schnellen, unkomplizierten Einstieg in die Handhabung der verschiedenen Frequenzkorrekturen der NT10A. Um sowohl die Unterseiten der Lautsprechergehäuse als auch die Oberflächen, auf denen sie stehen, zu schützen, liegen im Produktkarton acht anklebbare Gummifüßchen bei. Der Lieferumfang überzeugt mich deshalb.

Material-Update

Nicht nur auf den ersten Blick gleichen die Swissonic-Lautsprecher den NS10-M Studio von Yamaha. Ihre Abmessungen sind identisch mit denen der Speaker aus den 1970ern. Und auch wenn es sich bei den Yamaha-Geräten um passive und bei den NT10A um aktive Monitore handelt, sind die Swissonics nur 200 Gramm schwerer. Also kommen sie selbst in diesem Punkt ihrem Vorbild nahe. Und auch bei den Membranen haben wir es zunächst mit einem ähnlichen Bild zu tun. In jedem der Speaker arbeitet eine weiße Membran mit weißem Kegel für die Bässe und eine schwarze Membran mit schwarzem Kegel für die Höhen. Bei den Yamaha NS-10 M Studio haben diese Membrane einen Durchmesser von 18 cm und 3,5 cm, bei den Swissonic NT10A sind die Membrane mit 17,78 cm und 3,175 cm minimal kleiner.

Wie beim Original, so ist auch hier die Membran aus Papier und deshalb auch bei den Swissonic-Speakern anfällig für Verschmutzungen. Wer je einen Kaffeefleck auf einer Tieftönermembran der NS-10 M Studio hinterlassen hat, weiß wovon ich spreche. Schlimmer aber ist, dass die Membranen schon im Auslieferungszustand nicht einwandfrei sauber sind, sondern irreversible Verschmutzungen im Material aufweisen. Die Gehäuse der beiden Lautsprecher sind nicht wie die des Vorbilds aus Spanplatte, sondern aus MDF gefertigt. Ihr äußeres Erscheinungsbild erhalten sie aber wie diese durch ein Furnier. Die äußeren Abmessungen der Speaker entsprechen mit 215 x 382 x 198 mm grob denen der Yamahas. Sie sind jedoch geringfügig tiefer. Welche der Speaker rechts oder links eingesetzt werden soll ist an jedem der Lautsprecher mit einem Hinweisaufkleber gekennzeichnet. Dieser lässt sich aber leider nicht so einfach rückstandslos entfernen. Hier sollte der Hersteller dringend nachbessern.

Zwilling oder nicht?

Während die Furniere der Yamaha-Lautsprecher frontseitig vom Hersteller- und Modell-Hinweis geziert werden, sind die Vorderseiten der Swissonic-Speaker frei von jedwedem Schriftzug oder Logo. Ansonsten sieht alles aus wie beim Vorbild. Nicht nur, dass die Farben der Membrane gleich sind, nein, auch die beiden charakteristischen schwarz verklebten Enden der Spulenenden, die sich im unteren Zentrum der Bass-Membrane befinden, wurden bei den Swissonic nachgebildet. Noch dazu sind die metallenen Aufhängungen der Membrane optisch gleich gestaltet und werden ebenfalls von schwarzen Inbus-Schrauben gehalten. Während die Verklebung der aus Papier gefertigten Bass-Membranen bei den Originalen mäßig deutlich sichtbar ist, ist dieser Übergang hier markant.

Einen offensichtlichen Unterschied gibt es dann doch auf der Frontseite der Speaker. Die Swissonic-Lautsprecher werden mit je einem Schutzgrill ausgeliefert, der auf die Vorderseite der Geräte gesteckt wird. Aus diesem Grund finden sich in den vier Ecken der Front entsprechende Vertiefungen. Schaut man sich die Historie der NS-10M Studio an, dann gab es Schutzgitter nur für die erste, hochkant zu positionierende Reihe der NS-10 M-Speaker. Für die NS-10 M Studio gab es diese Möglichkeit indes nicht.

Die Technik macht den Unterschied

Besonders deutlich werden die Unterschiede von NT10A und NS-10 M Studio, wenn es um die technischen Besonderheiten geht. Da es sich bei ersteren um passive Lautsprecher handelt, warten sie nicht mit den Regelungsmöglichkeiten auf, die die aktiven NT10A bieten. Denn für die Anpassung der Speaker an den Raum haben Swissonic beiden Boxen eine unabhängige manuelle Frequenzkorrektur spendiert. So sind per Schalter auf der Rückseite regelbare Bass- und Höhenanpassungen möglich. Jenseits der linearen Stellung sorgen sie für eine Absenkung/Anhebung von je 2 dB. Außerdem ist eine stufenlos per Poti regelbare Mittenanpassung mit an Bord, die stolze 21 dB umfasst und von -15 bis +6 dB reicht. Ein per Schalter aktivierbares LowCut-Filter mit drei Positionen kann die untere Grenzfrequenz der Lautsprecher wahlweise bei 56 Hz, 80 Hz oder 100 Hz festlegen. Das wird Nutzer von Subwoofern freuen. Stromsparern wird dagegen nicht entgehen, dass die NT10A ganz zeitgemäß mit einer Standby-Funktion ausgestattet sind. Andres als die Konkurrenz von Avantone haben die NT10ßA leider kein Ground-Lift-Feature zur Vermeidung von Brummschleifen. Auf eingebaute Sicherungen muss der Anwender hier ebenfalls verzichten.

Während der Frequenzbereich der NS-10M Studio von 60 Hz bis 20 kHz reicht, liefern die NT10A laut Hersteller um 10 Hz tiefere Bassanteile. Anders sieht es bei der Abstimmung der beiden Speaker aus. Ihre Crossover-Frequenz liegt wie die der Vorbilder bei 2 kHz. Komplett eigenständig ist dagegen das 2-Wege System mit zwei Class D-Verstärkern, die eine Leistung von 80 W RMS liefern. Davon entfallen 50 W auf die Bässe und 30 W auf die Höhen. Keine Angabe macht der Hersteller zum maximalen Schalldruck seiner Speaker. Die NS10-M Studio können jedenfalls einen Grenzschalldruckpegel von 90 dB SPL erzeugen.

Statt der Drehklemm-Vorrichtungen zur Befestigung von Lautsprecherkabeln bei den ursprünglich als HiFi-Boxen konzipierten NS-10 M (Studio) sind die NT10A übrigens ganz zeitgemäß mit symmetrischen XLR- und Klinkenbuchsen ausgestattet. Außerdem können Audiosignale per unsymmetrischer Cinch-Verbindung eingespeist werden.

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