Bass Hersteller_Supra_Basses
Test
7
04.05.2018

Praxis

Der Supra Sonic ist kein super zierlicher Boutique-Fünfsaiter, sondern ein relativ mächtiger Bass, der sich durchaus robust anfühlt. Mit seinem 4,7 kg geht er sicherlich auch nicht gerade als Leichtgewicht durch, für einen ausgewachsenen Longscale-Fünfsaiter mit Soapbars und aktiver Elektronik bewegt sich der Supra allerdings gewichtsmäßig noch im grünen Bereich.

Bei etwas schwereren Bässen ist es allerdings enorm wichtig, dass die Balance stimmt - das gefühlte Gewicht kann sich durch eine perfekte Ergonomie nämlich deutlich verringern. Mit seiner relativ großen Kopfplatte, die zudem mit herkömmlichen Mechaniken und nicht mit irgendwelchen Ultra-Light-Modellen bestückt ist, besitzt der Sonic eine leichte Tendenz zur Kopflastigkeit. Wenn der Bass mit einem breiten Gurt am Körper hängt, ist davon zwar nicht mehr allzu viel zu spüren, aber ich möchte auch nicht verschweigen, dass ich in der Preisklasse des Supra Sonic schon besser ausbalancierte Boutique-Bässe in der Hand hatte.

Der Hals des Sonic lässt sich überaus komfortabel spielen - das durchaus kernige Profil in Richtung der hohen Lagen deutlich flacher, und ein hauchdünnes Satin-Finish auf dem Rücken sorgt für die sehr angenehme und natürliche Haptik. Ausschlaggebend für einen hohen Spielkomfort sind zudem die Qualität der Bundierung und das Setup des Basses, und hier kann ich Tomazs Sciazko und dem Sonic nur absolute Bestnoten geben. Die Bünde wurden perfekt abgerichtet, und der Bass wurde mit einer minimalen Halskrümmung sowie sehr niedriger Saitenlage hervorragend eingestellt ausgeliefert. Der Sonic Deluxe 5 ließ sich quasi aus dem Koffer butterweich und ohne Scheppergeräusche spielen - traumhaft, so wünscht man sich das!

Als nächstes wollen wir uns mit dem Sound des edlen, handgefertigten Fünfsaiters befassen. Wie in der Einleitung bereits erwähnt, richtet sich das Modell Sonic an Tieftöner, die eine Vorliebe für klassische Bassmodelle haben und eher auf Old-School-Sounds stehen. Tomazs Sciazko setzt deshalb beim Sonic, wie im Details-Kapitel bereits beschrieben, auf traditionelle Konstruktionsmerkmale, wie etwa einen einteiligen Ahornhals und den tausendfach bewährten angeschraubten Hals - durchaus mit dem erwünschten Erfolg, wie ihr in den folgenden Audiobeispielen hören könnt. In den ersten drei Clips habe ich den Sonic Deluxe im passiven Betrieb gespielt, der Equalizer bleibt also komplett außen vor.

Der Sonic liefert einen sehr griffigen und soliden Sound mit gutem Punch, der vor allem durch den gedeckten Höhenbereich der Seymour-Duncan-Soapbars ein dezentes Old-School-Timbre bekommt. Mit einer Tonblende könnte man den passiven Sound sicher noch mehr in Richtung Vintage trimmen. Schade, dass Tomazs Sciazko bei seinem "Old-School-Modell" darauf verzichtet hat. Die B-Saite produziert sehr ordentlich definierte Töne, einen hörbar positiven Effekt der verlängerten 34,5-Zoll-Mensur kann ich beim Sonic allerdings nicht feststellen.

Ganz klar, mit dem Halstonabnehmer die Reise deutlich in Richtung Precision Bass. Der Sonic klingt allerdings deutlich aufgeräumter und transparenter als das legendäre Bassmodell aus dem Hause Fender. Für den "Preci-on-Steroids"-Sound wäre eine Tonblende zum Absenken der Höhen ebenfalls ein großer Gewinn - Vintage-Sounds wären damit auch im passiven Betrieb möglich.

Aber auch der Bridge-Pickup-Sound des Sonic kann sich hören lassen. Mit dem hinteren Soapbar-Tonabnehmer im Solomodus zeigt sich der Supra Sonic von seiner aggressiven und bissigen Seite:

Jetzt schalten wir aber mal einen Gang hoch und aktivieren die Onboard-Elektronik namens Supratronic BP3M-R, die einen Dreiband-Equalizer zur Klangoptimierung bereitstellt. Als erstes fällt dabei auf, dass der Bass im aktiven Betrieb nicht lauter wird, so lange die Finger noch von den EQ-Reglern bleiben. Im Livebetrieb kann man also durchaus mit passiven und aktiven Sounds arbeiten, ohne dauernd den Pegel anpassen zu müssen.

Wichtiger ist aber noch, dass der Preamp den Sound bei neutralem EQ nur marginal verändert - im aktiven Betrieb bleibt lediglich eine winzige Spur von der Dynamik des passiven Sounds auf der Strecke. Das kenne ich auch von anderen High-End-Elektroniken, die Supratronic scheint daher aus sehr hochwertigen Komponenten zu bestehen. Na, dann wollen wir mal sehen, was der Equalizer so alles kann und boosten für den ersten Soundclip im aktiven Betrieb ordentlich die Bässe und die Höhen.

Keine Frage, das ist ein richtig cooler Slapsound mit heftigem Fundament und viel Biss. Kein Wunder: der Bassregler packt ja auch recht weit unten bei den Tiefbässen an, und der Höhenregler boostet eher aggressive Frequenzen im oberen Spektrum. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dem Sonic in beiden Fällen höhere Einsatzfrequenzen mindestens genauso gut stehen würden - mehr Punch und Wärme im unteren Bereich und luftigere Höhen wären hier das Resultat. Aber wie auch immer, beide Bänder arbeiten zweifellos sehr effektiv und verstärken keinerlei unangenehme Frequenzen. Der Rest ist - wie so oft - Geschmacksache!

Für den Mittenbereich stellt die Supratronic zwei Einsatzfrequenzen zur Verfügung (400 und 800 Hz). Um den Fingerstyle-Sound mit mehr Präsenz und Durchsetzungskraft im Bandmix zu versorgen, habe ich die Mitten bei 400 Hz angehoben. Ein zusätzlicher Bassboost sorgt für ein volles Fundament:

Im Pop- und Rock-Kontext macht der Supra Sonic zweifellos eine gute Figur, der edle Boutique-Bass hat aber auch leisere Töne drauf und überzeugt genauso als lyrisches Melodie-Instrument. Für den folgenden schönen Bridge-Pickup-Sound wurden sowohl die Bässe als auch die Hochmitten geboostet. Die Höhen habe ich deutlich zurückgenommen.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare