Hersteller_Superlux
Test
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18.03.2013

Praxis

Na, wer hat alles eine Katastrophe erwartet und die Lachmuskeln schon mal ordentlich vorglühen lassen? Pustekuchen: Wirklich unterstes Kanonenrohr ist das nicht! Die Akustikgitarre in unserem Vergleichssetup war weit davon entfernt, übertrieben fehlerhaft oder sogar kaputt zu klingen. Ich will aber jetzt nicht in ausufernder Euphorie das goldglitzernde Antlitz des HI-10 weiter polieren, denn natürlich gibt es auffällige negative Aspekte. Wie eigentlich alle preiswerten Kleinmembraner ist auch das Superlux nicht superluxuriös. So sind etwa die Höhen recht matschig und breit, müsste man sie mit einem Material assoziieren, würden viele zielsicher Plastik nennen. Das klingt vielleicht fies, relativiert sich aber möglicherweise beim Blick auf den Preis und auf Mitbewerber, die teilweise das Fünffache kosten.

Will man nicht unbedingt feingeistige, zerbrechliche Soloinstrumente aufzeichnen, sondern weiß das immer etwas zu dicht klingende Klangbild gezielt einzusetzen, ist eigentlich alles in Ordnung. Man darf zudem nicht vergessen, dass dieses Kondensatormikrofon vom Hersteller explizit als Schallwandler zur Aufnahme der Hi-Hat beworben wird. Zwar können Hi-Hats enorm unterschiedlich klingen, doch tut den meisten Instrumenten der kleine Sizzle-Boost im Mix ganz gut – solange es dort keine Komplikationen mit den schneidenden Konsonanten der Stimme und der Snare gibt. Aber dies in den Griff zu bekommen, ist ja schließlich Aufgabe des Engineers, nicht des Mikros. Dieses hat vor allem bei Schlaginstrumenten wie den Hi-Hat-Becken dafür zu sorgen, dass auch die höchsten Pegel verzerrungsarm übertragen werden. Das schafft das Superlux HI-10 auch; allerdings nicht, Transienten ohne nennenswerte Kompression durchzuwinken. Das Ergebnis ist immer eine gewisse Kompaktheit, die luftige Sounds verhindert. Und dass preiswerte Mikros rauschen müssen wie die Niagarafälle, das war einmal. Noch vor fünfzehn Jahren musste man Mikrofone gringen Preises eher danach auswählen als nach klanglichen Aspekten. Trotz der ordentlichen Pegelfestigkeit macht das kleine Mikrofönchen dies ganz gut. Legt man es darauf an und nähert sich einer lauten Siqnalquelle so sehr, dass das Mikrofon starke Harmonische generiert, bekommt man es sowieso mit dem Nahbesprechungseffekt zu tun. Bei Akustikgitarre, Hi-Hat und dergleichen will man das aber meist nicht.

Bis auf das etwas unterrepräsentierte Air-Band wirkt das Superlux eigentlich recht komplett, wenn auch hier und da kleinere Löcher festgestellt werden können. Und wirklich phasig ist die Audioausgabe auch nicht. Als Pärchen verwendet, sorgen die Mikrofone für eine durchaus brauchbare Ortbarkeit, Unterschiede im Frequenzgang der beiden kann man erst ab den Hochmitten feststellen – wenn man ganz genau hinhört und andere Faktoren ausschließt. Im Betrieb ist eine weitere Eigenschaft von klarem Vorteil, auch wenn dem vielleicht zunächst nicht viel Bedeutung zugestanden wird: Die geringe Baugröße ermöglicht mono und stereo eine unkomplizierte Aufstellung und Ausrichtung.

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