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Test
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02.06.2016

Praxis

Systemcheck und Aufbruchsstimmung

Alles angekommen, ausgepackt und einem ersten Funktions-Check unterzogen. Alles funzt, zumindest im heimischen Wohnzimmer. Der Roland BA-330 Verstärker ist nicht gerade ein Fliegengewicht, wiegt genauso viel wie der AER. Da hab ich gepennt. Dann eben doch Muttis Plastik-Klapp-Sackkarre. Da passt er gerade so drauf. Bombenfest dank Gummiseilen, die auch gleich Spendenaufruf, Programmzettel und Kompressor mit festhalten. Einen Satz Standard-Energizer im Baumarkt organisiert und rein in die Kiste, zwei Satz Eneloop XX als Backup. Ein erster Soundcheck offenbart fette Bässe, und ordentlich Lautstärke. Naja, im Wohnzimmer…

Die Gitarre kommt im Mini-Gigbag und erweist sich als richtig hochwertig! Denkt man von den Fotos gar nicht. Alles sauber verarbeitet, ordentliche Saiten ab Werk, sogar ein Sechskant für den Halsstab ist dabei. Lediglich das Stimmen ist etwas hakelig. Mein Stimmgerät passt zwar trotz fehlender Kopfplatte dran, aber die Saiten werden ja Korpus-seitig gestimmt, legen also deutlich mehr Weg über die Stegeinlage zurück. Und da hupfen sie leider, vor allem die grobe, tiefe E.

Das Headset-Mikrofon von Shure hat ein ziemlich kurzes Kabel und hat nix von der optischen Zurückhaltung eines echten „Countrymans“. :) War aber zu erwarten.

Ab in die Stadt!

Den Part mit der Parkhaus-Suche erspare ich Euch, ich gebe lediglich den Hinweis, dass es eine ZENTRALE Website mit allen aktuellen Parkhausbelegungen Nürnbergs gibt. Und zwar unter… Tiefbaumamt-Nuernberg.de. Da sollte man als erstes suchen… Schnell ist ein Spiel-Platz gefunden, den ein leicht frustrierter Cajon-Mundharmonika-Dobro-Spieler gerade räumt. Aufgebaut! Dank unglaublich weitsichtiger Vorverkabelung alles kein Problem und in Minuten geschehen. Die Band gegenüber hat sich bereit erklärt, sich mit mir abzuwechseln. Durchschnaufen, und Check-One-Two.

Bleachrrrpftschrägl – Soundsorgen

Ok, was im trauten Heim noch funktioniert hat, geht Open Air wohl voll nach hinten los: Das klingt, als würde der Roland BA kurz vor dem Zusammenbruch stehen und seine 8 AA vorne raus in die mitleidig lächelnde Zuhörerschaft kübeln. Die leicht hektische Fehlersuche beginnt und hält den Rest des Abends an. Hier die Erkenntnis-Liste der ersten Nacht:  

  • Der Amp an sich hat sehr viele Höhenreserven, aber nix davon im Bass. Er versucht trotzdem, untenrum richtig zu knallen, was aber zumindest im Bardentreffen-Kontext nach hinten losgeht: Das Signal geht bei jedem Attack jämmerlich in die Knie.
  • Die Traveler-Gitarre ist Pickup-seitig ebenfalls bemüht, mangelndes Korpusvolumen mit massig Tiefbass zu kompensieren. Ergebnis: Hilfloses, erbärmliches Pumpen.

Wohlgemerkt, wir reden hier von Open Air: Publikum im 4-5 Meter Umkreis, drum herum nur Lärm: Kanal und Master Vollanschlag! In kleineren Räumen reicht der BA durchaus für Beschwerden zart besaiteter Kunden und kann mit voluminösem Sound punkten. In meiner Situation und so eingestellt aber leider nicht. Zwischen-Lösung: Bass raus (!!!), Höhen raus. Den Tiefbass hört hier ohnehin niemand, und das Signal leidet darunter deutlich. 

Die Stimme wiederum zerrt und das trotz Kompressor! Häh? Der TC hat eine Status-LED, die beim korrekten Einstellen des Arbeitspegels hilft. Stellt man aber alles richtig ein, kommt aus dem XLR-Ausgang viel zu viel raus, alles zerrt. Also Pegel am TC auf fast nix runterdrehen, dann funktioniert der Kompressor aber nicht richtig. Zum Heulen. Die Leute sind trotzdem begeistert, die eine oder andere CD geht weg, und das Kleingeld sammelt sich im Gigbag. Auch Equipment-seitig gibt es Positives zu vermelden:

  • Die Akkus für den TC Kompressor halten.
  • Das Mikro von Shure erweist sich als erstaunlich Feedback-resistent, bleibt trotz bequem-lockeren Sitzes da, wo ich es haben will – und lässt sich während der Performance mit zwei Fingern EINER Hand in jede erdenklich Position verbiegen. Check.

Klanglich kann ich hier jetzt auch nicht meckern, Hi-End hat niemand erwartet, denk ich, und wäre über den Batterieamp eh nicht hörbar. Ich kling nach mir, keine Beschwerden über pappigen oder zu bassigen Sound.  

Die Batterie-Status-Anzeige des BA zuckt nach 2 Stunden netto nicht mal. Alles voll voll. Liebe Rolands: warum? Ich hätte lieber mehr Performance und dafür den Akku mal getauscht. Tausche ebenfalls gerne 2x15 Watt, 10 Stunden lang, gegen 2x75 Watt, 2 Stunden lang. Der Tag wird zur Nacht, es kommen immer mehr Leute und Musiker, und ich bekomme erste Kommentare, ich wäre zu leise (Was mir sonst sicher nicht passiert). Hinweis: die Band gegenüber hat einen Bollerwagen dabei, mit ordentlich Autobatterien und 500W Car-Hifi-Endstufe. Seufz. Ab nach Hause, duschen, schlafen, Kind ist bei der Oma.

The Day After – Equipment Reloaded

Die Fehlersuche geht im heimischen Studio weiter: Ah, die Gitarre stand auf Output für Kopfhörer (Danke für den unpräzisen Einbau des Schalters), das klingt richtig eingestellt schon deutlich weniger aggro, und der Amp pumpt nicht so stark. Der TC schießt tatsächlich fast Line-Pegel raus, also nehmen wir ein XLR auf Mono-Klinke Patch-Kabel und verwenden den Line in. Endlich weiß ich, wofür ich das aufgehoben habe! Boah, kommt da Pegel! Zerrt immer noch leicht. Ok, der Master ist auch voll offen.

Meine Frau bekniet mich, mir jetzt endlich den AER irgendwo auszuleihen. Ok Schatz, haste Recht. Beim einzigen ansässigen Dealer leider gerade der letzte verkauft. Fürs Bardentreffen. Auch noch an eine mir bekannte Band. Danke Marcus.  

Alternativ gäbe es da einen Samson Expedition Speaker, Watt lassen sich nicht eruieren, mit eingebautem Akku und 2-Band EQ. Also baue ich mir mein Set so aus: BA-330, so laut aufdrehen, bis es komisch klingt, und die Samson oben drauf, via Line Out verbunden, selbstverständlich auch fast voll offen. Die zweite Runde kann kommen!

Mit Freund Justus in die Innenstadt, Gott sei dank haben meine Eltern einen Parkplatz in der Innenstadt, die Parkhäuser sind nämlich dicht. Die Altstadt ist randvoll mit Menschen und Musikern, das wird schwierig. Wann haben die denn aufgebaut? Um 11.00? Und wie war das mit dem Platzwechsel alle 1,5 Stunden??? Nach 1 km Zickzack durch die Fußgängerzone entscheidet sich der Nürnberger Himmel zur spontanen Inkontinenz. Sturmböen und Platzregen fegen Bands und potentielles Publikum hinweg.

Wir stülpen hektisch einen der mitgebrachten Müllsäcke über den Trolley und lauschen der jungen Dame, die es auf den Punkt bringt (während vor uns eine Propangas-Flasche durch die Stadt geweht wird!): Walking on Sunshine...    

Wir finden Zuflucht in einer kuscheligen Mini-Einkaufspassage und bauen schon mal auf, um uns nach dem Unwetter auf die Leute zu stürzen. Außerdem mache ich einen ersten Soundcheck. Justus hört von der anderen Seite der Straße zu und findet den Sound ziemlich super (30 m weit weg). Merke: ein Eingang, eine Unterführung – alles was Schall reflektiert, hilft deutlich. Der Samson fungiert als fetter Mittenstrahl. Passt gut ins Konzept. Aber ein echter Belastungstest steht noch aus.  

Publikum ist nämlich keines da, nur die, die ebenfalls hier Schutz suchen. Die sind aber ganz angetan von meiner Spontanperformance. Kleingeld klingelt. Ich bekomme Komplimente für meine tolle Stimme. Die Stimme klingt wirklich nicht schlecht, das Mikro taugt offensichtlich.

Mir fällt auf, dass die Traveler-Gitarre meiner Spieltechnik gelegentlich im Wege steht: Normale Akustiks klemme ich mit dem Schlagarm fest, und Hammer Ons und Slides klappen tadellos. Ohne Korpus schiebe ich nur die Gitarre hin und her und greife wie ein Anfänger voll daneben – da muss ich mich noch drauf einstellen. Verstimmungen treten gitarrenseitig trotz heftiger Klimawechsel keine auf. Super, vor allem für eine Reisegitarre. Sobald ich reinhaue, geht der BA nach wie vor in die Knie, wenn ich mich spieltechnisch und stimmlich zurückhalte (was mir bekanntlich echt schwerfällt), geht es eigentlich ganz gut.

Als der Regen nachlässt, suchen wir die Nähe zum Restpublikum, was nahezu aussichtslos ist. Alle verbliebenen Musiker haben sich in Schichten die restlichen regengeschützten Spielorte aufgeteilt und die Zuhörer… haben es eilig, wegzukommen. Der letzte gute Platz wird von einem Chapman-Stick-Spieler besetzt. Mann, ist der laut. Der gute Mann spielt über einen: AER Alpha ??? ohne Strom? mit Autobatterie? Ich bin leicht ratlos und bekomme langsam AER-Phobie, gibt’s denn keinen Platz für mich und meinen BA? Der wird auch langsam feucht. Na gut, dann eben nicht. Auto holen, Amp abtrocknen. Tag ausklingen lassen, Morgen ist ja auch noch einer!

Thunder Rising: Aller guten Dinge sind Drei!  

So, jetzt aber richtig: Die Wetter-App kündigt Niederschläge an, 60% Gewitterwahrscheinlichkeit. Ich werde aber nicht weichen! Regenklamotten mit, und die gesamte Anlage fertig vorverkabelt und von oben und unten wasserdicht eingetütet. Mit strategisch platzierten und per Gaffa verschließbaren Löchern zur Bedienung des Ganzen. HA!!  

Außerdem bleibt die Traveler-Gitarre heute daheim, die gehört nicht mir und sollte nicht dieser widerlichen Witterung ausgesetzt werden. Stattdessen tut es diesmal besagte Johnson Trailblazer. So werde ich dem Wetter trotzen und die Leute, die clever genug sind, Schirme mitzubringen, mit dem Besten aus Rock und Pop verwöhnen – während sich die Konkurrenz bibbernd unter Vordächer drängt. Und diesmal fahren wir früher los. Und finden sogar einen richtig guten Platz in der Innenstadt. Und… die Sonne scheint. Noch. Wartet es nur ab!

Ich wechsle mich jetzt mit einer Band ab, die eine LD-Systems-Anlage mit 1200W mit sich führt. Tsss - Betrug! Aufsicht! Polizei! Mein Equipment klingt jetzt schon viel besser, rigoros die Bässe am BA gekillt und die Samson gibt nicht nach, da fängt eher die Membran das Flattern an. Wenn ich mich zurückhalte, zerrt auch nix, es fehlt etwas die Fülle, aber ich werde erhört. So geht es drei 1-Stunden-Sets dahin, ganz ohne weitere Ausfallerscheinungen. Etwas nervig ist lediglich das taktlose Flattern meiner Mülltüten-Versiegelung, die ich nicht entfernen will. Muss ich erwähnen, dass es bis in den Abend eitel Sonnenschein hatte? Kein Tropfen! (Aber wehe, du machst das Tütenteil weg, dann geht’s mit Sicherheit los.)

So, Schluss, ab nach Hause. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich irgendwas falsch gemacht habe. Das kann doch nicht alles sein, was man aus diesem Setup rausholen kann.    

Setup Revisited

Am nächsten Tag also nochmal ran: Aha, der BA ist schaltbar, hat zwar einen XLR UND einen Klinke-Eingang, ABER hat einen Schalter für die Empfindlichkeit BEIDER Eingänge. Ich hab also den Klinke-Eingang, aber trotzdem den Mic-Preamp verwendet. Au Mann, sonst liest Du doch auch jedes Handbuch zweimal! Also Test mit Schalter andersrum! Jetzt zerrt nichts mehr. Toll. Aber der verfügbare Pegel ist jetzt deutlich zu wenig. Ergo: der TC liefert ein Signal, das zu viel für den Mic-Preamp, aber zu wenig für den Line-Eingang ist. Groooooooßartig. Da wäre ein 15/20dB Pad hilfreich, dann wäre alles gut. Mir fällt ein, dass ich seit geraumer Zeit einen PAD-Stecker von Shure besitze! Also hätte ich mir ein Wochenende Gezerre ersparen können!  

In Sachen Bass-Gepumpe habe ich mal im Web zu Batterien nachgeforscht: Ich habe ja ganz normale AA Alkaline-Batterien eingebaut. Kann es sein, dass solche Batterien einfach nicht ein der Lage sind, den BA mit Saft zu versorgen? Alkalines können nur einen bestimmten Strom auf einmal freisetzen, NiHM-Akkus sind da deutlich spendabler, ergo: hochstromfest. Meine Eneloops sollen angeblich 4A Strom  abgeben können: 8x 1,2V x 4A = 38,4 Watt!! Gut, dann wären sie rechnerisch ich einer halben Stunde platt, aber das ist mehr Saft, als der BA mit seinen 2x15 Watt verarbeiten kann. Eneloops rein und los. Ja, leider nein. nix war’s mit Leistungssprung. Schluss, aus, wieder alles verpacken und 

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