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Test
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12.11.2013

SSL G Comp Bus Compressor Test

API-500-Kompressor

No Frills

Der Solid State Logic G Comp Bus Compressor für das API-500-Rackformat is tbei uns im Review: Die Ära nach 1975 hat kaum legendäre Kompressoren hervorgebracht. Aus diesem „Mittelmaßmeer“ ragt der SSL-Buskompressor weit heraus, handelt es sich hier doch um einen wahren Mythos.

Dynamics in jedem Kanalzug waren ein Feature, das vor Beginn der 80er-Jahre nur einigen Mischpult-Exoten wie den EMI-TG-Desks vorbehalten war. Die Konsolen der G-Serie von SSL haben (Rock-)Musikgeschichte geschrieben und mit ihrem punchy Sound den Klang einer ganzen Dekade entscheidend mitgeprägt – nicht zuletzt wegen der Kompressoren. Aber nicht nur mitten im Signalweg waren die Dynamics bei SSL ein entscheidendes Feature, sondern auch ganz hinten: Die G-Konsolen verfügten über einen Buskompressor, dem sagenhafte Eigenschaften angedichtet werden. „Sounds like a record“ sagt man dem SSL-Buscomp nach – auf gut deutsch: „Schick deinen Mix durch diesen Kompressor, und die Produktion klingt nach fertiger Veröffentlichung...“.

Bis heute ist der Bus Comp fester Bestandteil einer jeden SSL-Konsole. Und auch im hauseigenen Modulstandard ist der G Comp schon länger verfügbar. Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, das Modul auch für den ungleich weiter verbreiteten Standard von API anzubieten.

Details

Blueprint eines VCA-Kompressors

Der G Comp kann gewissermaßen als Synonym für einen VCA-Kompressor gelten. Es handelt sich um ein ungemein stromlinienförmiges Straighforward-Design, das alle Kernparameter eines VCA-Comps bietet, bei dem man aber auf alle neudeutsch „bells and whistles“ genannten Extras verzichten muss, die auch noch Teil eines solchen Konzeptes sein könnten. Mit einem klassischen Parametersatz mit fünf Bedienelementen ausgestattet, bietet der G Comp die Standards, die einen VCA-Comp definieren: Threshold (-20 dB bis +20 dB), Gain Make-Up (-5 bis +20 dB), Attack (0,1, 0,3, 1, 3, 10, 30 ms), Release (0,1, 0,2, 0,4, 0,8, 1,6 s sowie Auto) und Ratio (1,5:1, 2:1, 3:1, 4:1, 5:1 und 10:1). Damit handelt es sich hier um die Grundparameter, die viele andere Kompressordesigns mitbeeinflusst haben. Insbesondere die Zeitkonstanten sind sehr praxisnah gewählte Parameter, die ein großes Spektrum abdecken, und die sich quer über diverse Hersteller als Quasi-Standard etabliert haben. So bietet beispielsweise der API 2500, ein anderer legendärer VCA-Comp, exakt dieselben Attackwerte. Das macht auch Sinn, denn von fiesem Drumroom-Squeeze über Snare-Transientenshaping bis hin zu punchy Bassdrum-Impulsen auf der Summe sind dies genau die Werte, die man bei einem Buskompressor benötigt.

Dazu verfügt der G Comp noch über einen Bypass-Schalter und ein einziges VU-Meter im bewährten Sifam-Look mit dem hellen Rahmen, dunklen Hintergrund und der angestrahlten Nadel – gewissermaßen ein „Negativ“ des sonst üblichen VU-Meter-Designs.Das Meter zeigt ausschließlich die Pegelreduktion an.

SSL-Kompressor in Reinform

Weitere Bedienelemente sucht man am G Comp ebenfalls vergebens. Damit ist das Gerät ein echter Stereokompressor, der, wie der Urei 1178 oder der schon erwähnte API 2500, keinen unabhängigen Dual-Mono-Betrieb erlaubt. Den Begriff „Bus Compressor“ in seinem Namen trägt das Teil also völlig zu Recht. Damit bleibt der G Comp auch seinem historischen Vorbild treu, kommt ohne funktionale Ergänzungen aus, die bei aktuellen Kompressordesigns praktisch quer durch den Garten als gesetzt gelten dürfen. Einen Sidechain-Lowcut gibt es hier folglich ebensowenig wie ein Wet/Dry-Mixpoti.

SMD-Bauteile

Unter der Haube des G Comps regiert SSLs bewährte „Superanalogue“-Technik in SMD-Bauweise. Der SSL-Comp arbeitet auf Basis von THAT-VCA-ICs des Typs 2181, welche in eine übertragerlos symmetrierte Analogschaltung eingebunden sind. Die Straightforward-Ausstattung an Bedienelementen findet also ihre Enstprechung in einer absolut schnörkellosen Umsetzung der Schaltkreise.

Interessant und etwas ungewöhnlich ist die Art und Weise, wie die VCAs ver- beziehungsweise beschaltet werden. Es handelt sich beim G Comp zwar um einen Kompressor mit Peak Detection, aber nicht, wie man annehmen sollte, um ein Feed-Forward-Design. Vielmehr ist der G Comp ein Feedback-Kompressor, bei dem das Detektorsignal am Ausgang eines „Hilfs-VCAs“ abgegriffen wird, welchem der eigentliche, signalverarbeitende VCA „folgt“. Das Knee des Kompressors startet eher weich und wird mit höheren Ratios zunehmend härter – ein nicht untypisches Verhalten für ein Feedback-Design.

Im 500er-Standard geringerer Funktionsumfang als als X-Rack

Die Qualität der Hardware des G Comps markiert soliden Industriestandard. Das Modul sieht mit seinem geradlinigen Layout wirklich toll aus, und es macht einen stabilen und recht wertigen Eindruck. Mehr sollte man an dieser Stelle nicht verlangen, zumal auch die technische Umsetzung des Moduls makellos ist – hier zeigt sich SSLs jahrzehntelange Erfahrung in der Konzeption und Fertigung von Audio-Tools. Nicht unerwähnt blieben darf jedoch, dass das in etwa gleich teure G-Comp-Modul für SSLs eigenen X-Rack-Standard erheblich mehr Funktionen hat. So bietet es nicht nur einen schaltbaren Eingang für ein externes Sidechain-Signal (was um so wertvoller ist, da der Comp eben nicht über ein internes Filter verfügt), sondern auch die Total-Recall-Fähigkeit über den hauseigenen X-Rack-Frame.

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