Software
Test
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02.03.2017

Praxis

Alles in Phase: Auto Align

Mit Auto Align hat Sound Radix bei der Firmengründung im Jahr 2010 sein Debüt gegeben. Das Plug-in wird jeweils in den ersten Insert-Slot der Spuren einer mehrfach mikrofonierten Aufnahme geladen, berechnet während eines Detect-Zeitraums die Laufzeitunterschiede zwischen den Kanälen und gleicht diese danach automatisch aus.

Folglich werden die Phasenlagen der Einzelspuren so untereinander angeglichen, dass Wellenkamm und Wellental möglichst direkt übereinander liegen, was wiederum für einen möglichst definierten und kräftigen Sound sorgt. Natürlich lässt sich das im Fall einer DI- und einer Amp-Spur bei Bass oder Gitarre auch recht problemlos von Hand erledigen – nämlich durch ein geringes Verschieben der Spur. Gerade wenn (wie beim Drum-Recording) viele beteiligte Tracks zurechtgerückt werden sollen, kann man mit Auto Align aber gewaltig Zeit sparen.

Der automatisierte Prozess birgt allerdings auch seine Fallstricke, denn er suggeriert, dass ein perfektes Eliminieren von Laufzeitunterschieden in jedem Fall „besser und richtiger“ sei als eine leichte Verschiebung. In dieser Frage scheiden sich in der Praxis die Geister, und oft spielen hier Mixing-Philosophie und das eigene Klangideal eine Rolle. Vor allem Raumkanäle können in vielen Fällen für mehr Größe oder Tiefe im Klang sorgen, wenn sie nicht perfekt auf den Signalen der Direktmikros sitzen. Wenn man dem anfänglichen Drang zum Overuse widersteht und das Plug-in gezielt einsetzt, um Probleme zu lösen, dann kann es den Workflow beim Mischen aber deutlich beschleunigen.

 

Der Drum Leveler: Ein Kompressor mit Zielerfassung

Ein gewöhnlicher Kompressor reagiert, sobald ein Schwellenwert (Threshold) überschritten wird, regelt darauf das Eingangssignal in einem gewissen Verhältnis (Ratio) zurück und verdichtet somit den Klang. Wenn es beispielsweise darum geht, die Lautstärkeunterschiede eines Snaredrum-Backbeats auszugleichen, dann kann ein klassischer Kompressor also nur die Spitzenpegel der lauteren Anschläge reduzieren, um danach das gesamte Signal wieder anzuheben.

Der Drum Leveler verhält sich dagegen wesentlich vielschichtiger! Der wichtigste Parameter des Effekts ist der Pegel-Zielwert. Alle Schläge auf einer Trommel, die innerhalb eines definierbaren Pegel- und Frequenzbereichs liegen, werden in einem gewissen Verhältnis an diesen Zielwert angeglichen und dabei nicht nur abwärts, sondern bei Bedarf auch aufwärts komprimiert bzw. expandiert. Die Schläge außerhalb des definierten Bereichs bleiben dabei unangetastet, solange sie nicht zeitgleich mit den betreffenden Schlägen gespielt wurden, können bei Bedarf aber auch abgesenkt, komplett gegatet oder sogar angehoben werden. Der letztendliche Effekt gleicht ein wenig dem manuellen Ausschneiden und Angleichen einzelner Trommelschläge, die Arbeit mit dem Plug-in ist aber natürlich wesentlich, ja wirklich wesentlich, zeitsparender!

Grundsätzlich eignet sich der Drum Leveler vor allem dazu, die Pegel der Close-Mics an einem echten Drumset auszugleichen. In dieser Situation kann er heftig zugreifen, ohne dabei deutliche Artefakte zu erzeugen und dabei die Performance von nicht ganz so einheitlich spielenden Drummern gehörig aufwerten. Auf Overheads und Raumkanälen sind vorsichtigere Eingriffe möglich, wobei dies primär davon abhängt, wie gut die einzelnen Schläge voneinander separiert sind. Insgesamt ein wirklich tolles Plug-in, das jeder gebrauchen kann, der echte Drummer aufnimmt!

 

Nicht nur für Beach Boys: Der Surfer EQ

Auch der Surfer EQ hat eine automatische Zielerfassung, wobei sich diese natürlich nicht auf die Dynamik, sondern auf das Frequenzspektrum bezieht. Der plakativ betitelte Surf-Modus lässt sich separat für jedes der insgesamt sieben Bänder aktivieren und sorgt dafür, dass Tonhöhe und Obertonstruktur eines eingehenden Signals analysiert werden. Über den Frequency-Regler wählt man in diesem Modus keine feste Frequenz, sondern den Grundton oder einen der zugehörigen Partialtöne des anliegenden Signals. Wenn sich die Tonhöhe ändert, dann folgt der EQ dieser Veränderung – ähnlich wie ein Surfer, der auf dem Kamm einer Welle reitet. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um monophones (also einstimmiges) Material handelt.

Es geht aber noch weiter! Alle Bänder des EQs lassen sich wie ein frequenzspezifisches Gate nutzen und sind in diesem Modus nur aktiv, wenn ein angegebener Schwellenwert entweder über- oder unterschritten wird. Außerdem bietet das mittlere Band mit dem Harmonic-Mode die Möglichkeit, einem Signal ein künstlich erzeugtes Obertonspektrum aufzudrücken. Das lädt zum Experimentieren ein!

Wie man sieht, ist der Surfer EQ durchaus mehr als ein pragmatischer Problemlöser, der beispielsweise einen zu dünn klingenden Bass mit dem nötigen Fundament untermauern kann. Auch beim Sound-Design wird das kreativ gestaltete Tool interessante Ergebnisse liefern können. Und nicht zu vergessen: Natürlich arbeitet der Schallwellen-Surfer auch als „normaler“ und verhältnismäßig sauberer Equalizer. Einziger Kritikpunkt bei einer Standard-Anwendung wäre, dass die Flankensteilheit nicht vollständig frei angepasst werden kann.

Der Exot unter den Exoten: Pi

Bei dem kurzen Namen Pi handelt es sich um die Abkürzung für „Phase Interactions“. Das Plug-in sitzt laut Handbuch im Idealfall im letzten Insert-Slot und Post-Fader-Position auf allen Einzelspuren eines Mixes und versucht ähnlich wie Auto Align die Phasenlage der Tracks so aufeinander abzustimmen, dass ein möglichst perfektes Mischverhalten mit möglichst geringen Auslöschungen erreicht wird. Der wesentliche Unterschied zu Auto Align ist allerdings, dass die betreffenden Spuren rein gar nichts miteinander zu tun haben müssen! Zudem läuft die Optimierung nicht auf Basis von Laufzeitunterschieden, sondern von Phasenrotation. Und ja! Das klingt wirklich alles sehr theoretisch und sogar ein wenig nach Tontechniker-Esoterik.

Man muss dem Plug-in zugestehen, dass es etwas tut, das durchaus einen positiven, manchmal sogar sehr positiven Effekt haben kann. Allerdings ist dem nicht immer so. Ob man Pi nun beim Mischen verwenden will oder nicht, sollte wohl keine grundsätzliche Entscheidung sein. Meine persönliche Einschätzung dazu gibt es im Video.

Ein wesentlicher Kontrapunkt an Pi ist, dass die Einrichtung (zumindest in Cubase Pro 9) recht aufwendig ist. Die Zugehörigkeit einer Instanz des Plug-ins zu einer Gruppe gehört leider nicht zu den Parametern, die sich über Gruppenbearbeitung in der DAW anpassen lassen. Das bedeutet mehrere Klicks für jede beteiligte Spur. In umfangreichen Produktionen (für die das Plug-in offensichtlich gedacht ist) kann das durchaus ein Weilchen dauern.

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