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Test
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23.06.2017

Sontronics Mercury Test

Großmembran-Röhrenmikrofon

Das Gegenteil eines Spionagemikrofons

Das neue Röhrenmikrofon von Sontronics hört auf den Namen „Mercury“ und hat Ausmaße, die eher an den Planeten Merkur erinnern als an ein einfaches Werkzeug. Satte 2,32 Kilogramm (ohne Spinne!) prüfen die Standfestigkeit eines jeden Mikrofonständers, mit 250 x 90 x 80 Zentimetern ist das Tube-Mike eine klare optische Ansage – und durchaus respekteinflößend. Gemessen am Äußeren ist also nicht zu erwarten, dass man es beim Mercury mit einem unscheinbaren, neutralen Schallwandler zu tun hat, sondern sich die Wuchtigkeit auch im Sound niederschlägt.

Details

Klein ist anders

Großmembran-Röhrenmikrofone bekommt man auch in kleinen Bodys unter, wie schon das Neumann UM 57 zeigte. Das Mercury bedient sich des klassischen Flaschenaufbaus und ist allein durch sein Äußeres für viele Interessenten einen zweiten Blick wert. Auf dem Zylinder prangt der Lollipop-Korb, welcher die Doppelkapsel beherbergt. Am Netzteil kann die Verschaltung von vorderem und rückseitigem Empfänger vorgenommen werden. Sontronics gewährleistet eine freie Einstellbarkeit zwischen Kugel und Acht, wodurch eine unterschiedlich breite Niere ermöglicht wird und man die Lage der Rejection Axis zwischen 90 und 180 sowie 180 und 270 Grad frei wählen kann. Schaltbar hingegen sind Pad und HPF, beides geschieht ebenfalls am Netzteil.

Datenlage

Trotz der eingesetzten ECC81-Triode liegt das Rauschen des 18 mV/Pa ausgebenden Mercury bei nur 12 dB (bewertet mit A-Kurve). Dass schon bei 125 dB(SPL) ein 1kHz-Signal mit 0,5% THD+N angereichert ist, ist für ein Röhrenmikrofon nicht ungewöhnlich. Dem Mikrofon liegt kein Pegelfrequenzgang bei, auch die sonst üblichen Kreisdiagramme fehlen. Wenn man aber bedenkt, dass es sich ganz offensichtlich beim Mercury nicht um ein allzu technisch zu betrachtendes, sondern eher „emotional“ aufgestelltes Gerät handelt, muss man auch feststellen, dass das halb so schlimm ist. Einige Hersteller machen das ähnlich, etwa Chandler, außerdem sind derartige Beigaben selten tatsächliche Messungen des spezifischen Mikrofons, sondern gemittelte und begradigte Angaben, die sowieso nur eine ungefähre Einordnung zulassen. Und schließlich hat man ja Ohren.

Alles dabei

Geliefert wird das Komplettpaket aus Mikro, Spinne, Netzteil und weiterem Beiwerk in einem ausladenden Koffer, für das Mikrofon selbst gibt es eine Holzbox zur Aufbewahrung. Und noch etwas gibt es: eine lebenslange Garantie wie bei allen Sontronics-Mikros!

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