Hersteller_Shure Mikrofon
Test
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27.01.2012

Praxis

Die richtige Montage beachten!

Es haben schon SM7 Schäden davongetragen, weil versucht wurde, sie mit dem XLR-Anschluss auf das Mikrofonstativ zu schrauben. Das mögen die drei Pins der Buchse natürlich nicht sonderlich und verbiegen sich gen Buchsenwand. Also Vorsicht! Hat man diese erst Hürde gemeistert und auch die ungewohnte Ausrichtung vorgenommen, kann der Spaß beginnen.

Der Frequenzgang ist geradezu maßgeschneidert für Stimmen

Es fällt sofort auf, dass das Shure groß und weich klingt. Stimmen werden nicht mit deutlichen, harten Ecken und Kanten versehen, hier liegt der wesentliche Unterschied zu 57 und 58. Auch im Höhenbereich erstaunt die für Tauchspulenmikrofone ungewöhnliche Ausgeglichenheit, der die verhaltenen Harmonischen eines Preamps gut zu Gesicht stehen. Ich fühle mich beim SM7 immer an eine andere Form der dynamischen Mikros erinnert: Bändchen! Leicht bedämpfte, aber dennoch schnelle und minimal verbreiterte Höhen – genau das will man häufig von seinem Gesangssignal. Und siehe da: Viele Studioproduktionen, die milliardenfach gehört wurden, nutzten das SM7 an einem hochwertigen Pre, so beispielsweise Bruce Springsteen und Michael Jackson. In den USA ist das schwarze Mikrofon mindestens so bekannt wie hierzulande das Electro-Voice RE20, doch in Deutschland hat der Schallwandler einen schweren Stand. Warum das so ist, ist ein Rätsel, doch es kann nur an der Kommunikation liegen, nicht am Mikrofon. Zurück zum Gesang: Das SM7B weist einen Frequenzgang auf, der geradezu maßgeschneidert für Stimmen ist, eine angenehme Dichte aufweist, Frequenzbeulen dort, wo man sie in den meisten Fällen sowieso mit dem EQ schaffen würde – irre. Sicherlich kann es im Direktvergleich mit Großmembran-Kondensern bezüglich Höhendarstellung und Auflösung nicht mithalten, doch muss es das? Beurteilt man Mikrofone für ihre Eignung in einer Aufnahme, ist es oft sinnvoll, das Umfeld zu schaffen, also im Kontext eines Playbacks zu hören. Ein wenig Hörgewohnheit ermöglicht es jedoch auch, ihn sich “dazuzudenken”.

Weich und rund klingender Sound

Die leichte Sanftmütigkeit des Mikrofons kann für Einsätze an Lautsprechermembranen genau perfekt sein – wenn eine gewisse Bauchigkeit gewünscht ist. Sägende Distortionklampfen wird man damit zu sehr verweichlichen und daher auf ein anderes Mikrofon zurückgreifen wollen. Meine Traumkombination wäre sicher eine cleane, halbakustische Jazzgitarre an einem “runden” Amp.

Auch an Trommeln effektiv einsetzbar

Der wohlwollende Klang macht sich auch an Trommeln jeglicher Art sehr gut, wie die Audiobeispiele eindrucksvoll belegen. Auch hier “entsteht” Volumen gleichsam, besonders fällt das an Bassdrum und Toms auf. Dass in den Tiefmitten die Übertragung etwas schwächer ist, hilft dabei, die Kesselresonanzen weniger aufdringlich sein zu lassen. Auch der Birkenbassdrum im Audiobeispiel wird das “Holz” deutlich genommen. Der Attack ist nicht aggressiv, wird aber auch nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen. Möchte man den Klang etwas härter und präsenter bekommen, hilft der rückseitig einstellbare Boost. Es ist zwar deutlich, dass er für eine bestimmte Signalquelle geplant wurde, doch passt er gut zu vielen Instrumenten und stellt eine willkommene Variation dar.

Robustheit und Nebengräuschunempfindlichkeit sind seine Stärken

Was für alle dynamischen Mikrofone gilt, gilt natürlich auch für das 7er: Es ist äußerst robust. Die Halterung darf auch mal ruppig behandelt werden, Schlagzeugstocktreffer werden das Kapselgitter kaum über den Jordan schicken und auch nach einem Sturz vom Mikroständer wird es sehr wahrscheinlich nicht den Dienst quittieren. Brummen, magnetische Einstreuungen und Vibrationen bringen das Mikrofon kaum aus der Ruhe, auch die Poppanfälligkeit ist recht gering (vor allem dank des auswechselbaren Nahbesprechungs-Poppschutzes).  

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