Hersteller_Sennheiser
Test
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10.12.2014

Praxis

Das Sennheiser MK 8 teste ich natürlich zunächst in Nierencharakteristik. Es kommt mir im Vergleich zum MK 4 ein weites Stück neutraler vor, weniger präsent und reibend. Für einen Allrounder wie das MK 8 ist das natürlich eine gute Idee, wenngleich natürlich auch mit umschaltbaren Großmembranern dieser Preisklasse primär Gesang aufgezeichnet werden wird. Dennoch scheint das MK 8 deutlich weniger „mix ready“ zu sein, was nicht negativ zu verstehen ist: Ein preiswertes Nieren-Kondensatormikrofon wird von einer anderen Klientel erworben als das vielseitige, aber immerhin knapp doppelt so teure MK 8.

Das Umschalten des Polar Patterns sorgt bisweilen für ordentliche Knackser im Signalweg, allerdings ist diese Änderung ein Vorgang, bei dem man nicht zu faul sein sollte, den Mute-Button zu verwenden – außer man kennt sein Mikrofon und weiß, wie es reagiert. Es ist interessant, dass das MK 8 auch bei Kugel- und Achtercharakteristik seine Ausgewogenheit nicht aufgibt. Anders als man es aufgrund der grafischen Frequenzgänge glaubt voraussagen zu können, ändert sich der Klangcharakter des Großmembranmikros nur unwesentlich. Dies ist einerseits praktisch, da die Einstellung der Richtwirkung in erster Linie genau das zur Folge hat, bei manchen anderen Mikrofonen ist es aber durchaus eine Soundentscheidung, welches Polar Pattern man denn nun wählt. Sieht man das MK 8 aber als Arbeitspferd für alle denkbaren Situationen und nicht als Charaktertier, dann muss man Sennheiser bescheinigen, genau das Richtige getan zu haben. Interessant in diesem Zusammenhang ist aber, dass Sennheiser das Mikrofon explizit als Gesangsmikrofon tituliert. Angenehm für die Arbeit mit Vocals wie Instrumenten ist, dass die Richtwirkung recht frequenzkonstant ist. 

Die Höhenwiedergabe verabschiedet sich zwar großmembrantypisch recht früh, die leichte Überhöhung vor dem Einsetzen des Roll-Offs kompensiert aber einiges und lässt das MK 8 offen genug klingen. Die Mitten sind nie indifferent oder phasig-löchrig, das gilt für die Hauptaufsprechrichtungen sämtlicher Richtcharakteristika. Im Bass bleibt das Sennheiser bis weit hinunter schnell und konturiert genug – das gelingt nicht allen Großmembran-Kondensatormikrofonen dieser Preisklasse.

Zieht man weitere Mikrofone zum Vergleich hinzu, werden die genannten Zusammenhänge sehr deutlich. Das Equitek E 200 beispielsweise ist bekannt dafür, ein prägnant mittiges Signal abzuliefern, welches sich zudem mit dem gewählten Polar Pattern stark verändert, das Mojave MA-201FET färbt etwas weiter oben, jedoch nur ausgesprochen leicht, verleiht durch seinen Übertrager dem Signal eine oft gewünschte sanfte Körnigkeit und erzeugt damit Griffigkeit. 

Anders als die beiden Vergleichsmikros, vor allem als das Equitek, ist das Sennheiser MK 8 entspannter, wenn es um die Wiedergabe von scharfen Konsonanten geht. Wirklich sehr gut ist die geringe Empfindlichkeit gegenüber Schallübertragungen durch das Gehäuse und, dass das Kondensatormikrofon sehr gutmütig mit Popplauten umgeht. Dazu passt die unauffällige Arbeit des Pads. Bezüglich der Dynamik sollte man sich sicher sein, dass das Signal nicht in den Grenzbereich gelangt und von besagter Vordämpfung früh Gebrauch machen, denn das MK wird bei Überschreiten des Maximalschalldrucks ziemlich ungemütlich. Auf ein sanftes Eintreten von Verdichtung und Verzerrung kann man nicht bauen, stattdessen gibt es unschönes Gekratze – allerdings erst bei wirklich sehr, sehr hohen Pegeln! Bedenkt man, dass das Mikrofon ein absolut geringes Eigengeräusch liefert, kann man dafür aber durchaus die Bestnote vergeben.

Das sanftere der beiden Filter invertiert recht passend den Grad des Nahbesprechungseffekts, über den die beiden Schnelleempfänger des MK 8 natürlich verfügen, somit lässt sich eine nahe Besprechung bewerkstelligen, ohne dass das Signal in Bass ertrinkt. Das steilflankige hingegen dient eher der Unterbindung tieffrequenter Störanteile, von denen allerdings aufgrund der gelungenen internen Kapsellagerung zumindest durch Körperschallübertragungen mit keiner allzu großen Problematik zu rechnen ist. Auch das 18dB/oct-Filter geht behutsam genug mit dem Passband um, so dass man es ohne schlechtes Gewissen immer dann schon schalten kann, wenn deutlich unterhalb von 100 Hz nicht mit relevanten Signalanteilen zu rechnen ist. 

Es bleibt noch zu sagen, dass das Mikro, wie von Sennheiser gewohnt, ein Vorzeigestück deutscher Ingenieurs- und Handwerkskunst ist. “Made In Germany” zeigt sich eben in Forschung und Entwicklung und hochwertigem Ausgangsmaterial, welches präzise verarbeitet wurde. Lob verdient übrigens auch das schlüssige und leicht verständliche Manual.

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