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Test
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08.11.2017

Roland D-05 Linear Synthesizer Test

Synthesizer im Boutique Format

Die Rückkehr der 1980er Jahre

Minimalismus ist das neue Sexy. Mit Spannung erwartet reiht sich nun der Roland D-05 als weiterer Kandidat in die Boutique-Serie ein. Diese Emulation des 1987 erschienenen Roland D50 basiert auf Rolands neuester Digital Circuit Behavior-Technologie, die die alten Schaltkreise authentisch simulieren soll. Ob das wirklich so gut funktioniert, erfahrt ihr hier!

In den 1980er Jahren wagten die Hersteller den Sprung weg von den schweren analogen Synthesizern, hin zu leichten digitalen Alternativen. Den Anfang machte Yamaha im Jahr 1983 mit dem DX7. Roland zog 1987 mit dem D-50 nach. Korg brachte mit dem M1 ein Jahr später sogar die erste digitale Music Workstation auf den Markt. Während der DX7 komplett auf FM-Synthese beruhte und der M1 als reiner Sample-Player fungierte, verfolgte Roland einen anderen Weg, der beide Welten verschmelzen ließ. So nutzte der D-50 die sogenannte LA-Synthese, bei welcher kurze Samples für die Attackphase der Sounds benutzt wurden und die Ausklingphase synthetisch generiert wurde. Auch waren der D-50 zusammen mit dem M1 die ersten Synthesizer, die über eine integrierte Effektperipherie verfügten, was es nun möglich machte, den Sound ohne zusätzliches, externes Effektequipment zu formen. Doch nun zurück in die Gegenwart.

Details

 

Gehäuse und Oberfläche

Packt man den kleinen D-05 aus, so ist man überrascht, wie winzig die Boutique-Serie daher kommt. Das Gehäuse besteht aus einer metallenen Front sowie einem Korpus aus Plastik. Die Verarbeitung wirkt trotz der 900 g Gesamtgewicht hochwertig. Zum Lieferumfang gehören eine kurz gehaltene Anleitung sowie vier Batterien. Ein USB-Kabel (siehe unten) ist leider nicht im Lieferumfang enthalten. Das Frontpanel wirkt aufgeräumt. So befinden sich links die von anderen Boutique-Instrumenten bereits bekannten "Ribbons" für Pitch und Modulation. Daneben befindet sich der D-50 typische Joystick, der ebenfalls als Modulationsquelle dient.

Ein kleines Display und ein paar Knöpfe komplettieren die Front. Die Abstände der Taster sind gut gewählt, dürften aber auch nicht enger positioniert sein. Sowohl die Beschriftungen als auch die Anordnung der Taster (abgesehen vom Abstand natürlich) gleichen dabei dem originären Vorbild D-50. Wer sich also auf dem D-50 auskennt, wird mit dem D-05 sehr schnell warm werden. Auf der Rückseite befindet sich neben dem Power-Schiebeschalter ein Micro-USB-Port. Dieser dient erstens zur Stromversorgung und zweitens der Übertragung von Audio und MIDI an den Computer. Sehr löblich!

Dem Formfaktor geschuldet, sind die Anschlüsse für Kopfhörer, Main Out und Mix-In beim D-05 in Form von Stereo-Miniklinkenbuchsen gestaltet. Das Signal, welches am Mix-In angelegt ist, wird am Main Out und gleichzeitig auf den Kopfhörer wieder ausgegeben. 

Mit einem kleinen Regler auf der Rückseite kann man auch die Gesamtlautstärke des Ausgangs einstellen. Wenn es um MIDI geht, setzt Roland, hier anders als z. B. die Reface-Serie von Yamaha, auf die großen Standardbuchsen, sodass keine Adapter nötig sind. Auf der Unterseite des D-05 Gehäuses befinden sich abschließend noch das Batteriefach sowie ein kleiner Lautsprecher. Natürlich ist auch der D-05 kompatibel mit der optionalen Tastatur K-25m.

 

Roland D-05, die wichtigsten Ansichten - Fotostrecke. (Fotos: Bonedo)

Bedienung

Möchte man nur durch die Presets steppen, so findet man links unten die Patch-Banks. In jeder Bank befinden sich acht Sounds, die sich über die jeweilige Patch-Nummern Taste aufrufen lassen. Insgesamt verfügt der D-05 über sechs Bankgruppen, in der je acht Bänke mit je acht Patches zu finden sind. Summa summarum ergibt das 384 Werk-Presets. Darüber hinaus lassen sich Usersounds in weiteren acht Bank-Gruppen mit insgesamt 512 User-Presets speichern.

Etwas umständlich ist der Zugriff auf diese Gruppen gelöst. Hierzu muss die Taste „Preset/User“ gedrückt werden. Hier habe ich allerdings erwartet, dass man durch Eingeben einer Ziffer über das Zahlenfeld auf die entsprechende Bankgruppe wechseln kann. Dies funktioniert jedoch nicht. Stattdessen muss man mit dem sehr filigran agierenden Joystick versuchen, die gewünschte Bankgruppe auszuwählen, was nicht immer sofort gelingt.

Möchte man Sounds editieren, wird es knifflig. Das geschrumpfte 2 x 16 Zeichen große LC-Display ist zwar schön anzusehen und für die optische Nachbildung eines D-50 sicherlich wichtig, stellt aber sehr wenig an Informationen dar. Der D-50 hingegen ließ sich im Vergleich einigermaßen komfortabel bedienen, verfügte er doch über ein deutlich breiteres Display sowie weitere Taster, die den Sofortzugriff auf bestimmte, für die Editierung wichtige, Menüpunkte ermöglichten. Hinzu kommt, dass die Struktur eines Patches über mehrere Ebenen aufgebaut ist und man dadurch durch viele Menüs navigieren muss. Ein Patch besteht dabei aus zwei Tones: Aus dem Lower und dem Upper Tone. Jeder Tone besteht wiederum aus zwei Partials. Ein Partial kann dann entweder eine PCM-Wellenform oder ein synthetischer Sound sein.

Die Verbindung mit dem Computer gestaltet sich sehr komfortabel. So erkennt der Rechner den D-05 nach Installation der entsprechenden Treibersoftware sofort als Interface und der D-05 überträgt Audio und MIDI zum Rechner. Ein Schmankerl ist, dass er über diese Schnittstelle nicht nur MIDI, sondern auch Audio empfängt und das direkt an seinen Miniklinkenausgang weiterleitet. 

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