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Test
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07.03.2014

Einrichten und Anlegen der In-Ear Systeme

Parallelbetrieb von drei In-Ear Strecken: Das System Mei 1000 G2 kam bei der Produktion zwei Mal zum Einsatz (Hanna + Catharina), das Einsteigersystem Mei 100 G2 ein Mal (Buket). Wir hatten also 3 unabhängige Strecken. Wem von uns welches System zugeordnet wurde, geschah per Zufallsverteilung durch Soundmann Sandro. Anfangs standen alle drei Sender auf der Nebenbühne vorne rechts in der Ecke und sendeten durch eine dünne Holzwand (waren also nicht „auf Sicht“ positioniert).

So ganz ohne Funktionstest bin ich natürlich nicht in die erste Aufführung gegangen: Ich brachte die drei LD Systems In-Ears schon morgens früh ins St.Pauli Theater, so dass unser Soundmann Sandro Grizzo sie in Ruhe vor dem Soundcheck einrichten konnte: Er hat geprüft, ob die Sende-Frequenzen frei sind, die Sender positioniert und die Übertragung durchgecheckt, damit alles auch reibungslos funktioniert: 3 Gesangsstrecken und 3 In-Ear Monitoringstrecken galt es aufeinander abzustimmen und an den Start zu bringen. 

Als wir nachmittags ins Theater kamen, bekamen wir von der sehr netten Kostümfrau des Hauses noch drei selbst genähte „Beltpack“-Gurte aus breitem Gummiband mit Knopflöchern samt zwei kleinen Taschen für In-Ear Empfänger und Headset-Sender. „Wir“ meint meine beiden Mitsängerinnen Buket Koçatas, Hanna Jäger und mich. Wir haben den Gurt angelegt. Ich weiter vorne auf der Hüfte, Hanna und Buket mehr auf dem Rücken. Sender und Empfänger so hineingesteckt, dass die Antennen voneinander wegzeigen und die Kabel unter dem Kostüm, über den Rücken nach oben zum Kopf geführt. Headsetbügel angezogen, In Ear Kopfhörer darüber in die Ohren gesteckt und den Empfänger am Gurt angeschaltet. 

Bühnensituation
Die Bühne des St.Pauli Theaters ist etwa 6 Meter breit und 9 Meter tief. Meine vierköpfige Band mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und Tasten saß mit auf der Bühne und nutzte klassisches Bodenmonitoring mit eigenen Wedges, die von uns Sängerinnen abgewandt waren. Für unsere empfindlichen Kondensatormikrophon-Headsets wären Bodenmonitore extrem problematisch geworden. Allerdings gab es noch vier Monitore in der Luft in einer Höhe von etwa 2,50 Metern: zwei vorne an den Bühnenportalen und zwei in der Mitte an den Seitengassen. Uber die konnten wir uns zusätzlich hören – nicht sehr direkt und auch nicht sehr laut, aber als Zusatz zum In-Ear absolut ausreichend.


Soundcheck
Die Sender von Buket und mir liefen tadellos, aber bei Hannas Übertragung gab es schon nach ein paar Minuten Soundcheck alle fünf Sekunden einen Aussetzer, der auch nach Wahl eines anderen Frequenzbandes nicht verschwand. Wir haben hin und her probiert, nichts half! Die Lösung war letztendlich, den Sender möglichst nahe an sie heran und auf Sicht zu stellen: Er wurde in der ersten Loge, die direkt an die Bühnenkante anschließt und die für das Publikum gesperrt war, gestellt. Danach ist das Problem nicht mehr aufgetreten. Weil mein identischer Mei 1000 Sender aber durch alle Shows störungsfrei funktioniert hat, vermuten wir, dass dieses spezielle Gerät eventuell einen technischen Defekt hatte.


Bedienung
Die Bedienung der In-Ears am Körper war einfach: Der Anschalter des Empfängers ist gleichzeitig der Lautstärkeregler. Ausgangspunkt für unsere Kopfhörerlautstärke war die halbe mögliche Leistung (also Reglereinstellung auf „12 Uhr“), was völlig ausgereicht hat. Der Sound unserer Stimmen kam sofort klar, direkt und deutlich rüber. Genau so, wie ich es mir gewünscht hatte. Am Kopfhörersound selbst haben wir nichts mehr nachgeregelt, und das Verhältnis zwischen Band und Gesang  wurde vom Pult aus individuell auf unsere Bedürfnisse angeglichen. Der Soundcheck ging relativ schnell über die Bühne.


Live
Bei der Generalprobe und auch während unserer fünf Shows gab es keine Probleme mit den In-Ears: Wir wurden immer routinierter im Umgang, konnten uns gut hören und hatten richtig Spaß damit. Selbst wildere Szenen mit viel Bewegung haben sie gut überstanden. Meine Sorge, dass die Antenne unter dem Kostüm abknickt und nicht funktioniert, hat sich als unbegründet erwiesen. 

Kopfhörer und Tragekomfort

Ein Problem für SängerInnen könnte der Tragekomfort der Kopfhörer sein: Während des Gesangs bewegen sich nämlich die Kiefermuskeln immens und verändern so ständig den Raum im Ohr. Probiert es mal aus, indem ihr Eure Finger in die Ohren steckt und den Mund bewegt. Dadurch fielen uns beim Singen öfter einer der beiden Kopfhörer-Nupsies aus dem Ohr. Und zwar nicht aufgrund irgendwelcher wilden Bewegungen wie Kopfschütteln, sondern einfach durch das Singen an sich. Ein Lösungsansatz können angepasste Hörer sein, dazu gleich mehr. Instrumentalisten würden dieses Problem natürlich eher nicht haben. Wir haben dann ausprobiert, die Kopfhörer von oben hinter dem Ohr lang zu führen, was die Situation aber nicht verbessert hat. Deswegen haben wir die Kopfhörer gerade getragen, wie beim Musikhören. Die verschiedenen Größen der mitgelieferten Gummiaufsätze brachten individuell einen etwas besseren Sitz. Außerdem half es die Kabel auf dem Rücken mit durchsichtigem Klebeband (aus der Apotheke) festzukleben. Durch das Verrutschen der Kopfhörer verändert sich natürlich auch die Soundqualität: Wenn der Kopfhörer nicht richtig sitzt wird der Klang „mumpfiger“: es fehlen Höhen und Bässe. Ihr müsst ausprobieren, wie sehr Euch das stört. Ich finde es nicht so schlimm, öfter mal den Sitz am Ohr zu korrigieren. Und ein zusätzlicher kleiner Bodenmonitor hilft, sich grundsätzlich gutes Hören zu sichern.

Upgrade-Möglichkeit: Angepasste Kopfhörer
Bei sogenannten angepassten Kopfhörern wird ein Abguss vom Ohr gemacht, und der Kopfhörer in den Abguss eingesetzt. Damit solltet Ihr dann keine Probleme mehr mit Herausfallen und zeitweisen Soundverlusten beim Singen haben. Allerdings sind diese Spezialkopfhörer zum einen ziemlich teuer – und dichten zum anderen das Ohr total nach außen ab. Ihr hört dann zwar phantastisch und mit vollem Sound, seid aber vom Publikum abgeschnitten. Für viele Sänger und Sängerinnen ist eine Lösung dann nur auf einer Seite In-Ear zu tragen. Hanna ging diesen Weg auch mit den nichtangepassten Kopfhörern, um sich bei unserer Aufführung wohl zu fühlen. Das ist ganz wichtig: Nur wenn Ihr Euch wohl fühlt, könnt Ihr optimal performen. 

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