Hersteller_Motu
Test
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05.09.2015

Praxis

Installation und Treiber-Latenz

Die Installation des MOTU Ultralite AVB geht einfach und unkompliziert vonstatten, da die Audio-Treiber class-compliant sind. Schön ist ebenfalls, dass MOTU für alle seine AVB-Interfaces die gleiche Konfigurations-Software „MOTU AVB Control web app“ verwendet, die außerdem Web-basiert ist. Für iOS-Geräte gibt ebenfalls eine Software, diese dient aber nur der Konfiguration über ein WLAN-Netz. Eine direkte Verbindung von iPad und Ultralite ist natürlich auch möglich. 

Da von meinem Test des 112D und 24Ao die passende Software auf meinem Mac noch installiert war, musste ich also nichts weiter machen als das Ultralite einfach nur einzustöpseln. Die Software selbst sorgt dabei übrigens nur dafür, dass die Interfaces über ihre IP im Netzwerk einfach via Dropdown-Menü gefunden werden können. Ferner klappte die Kommunikation über USB als auch über Ethernet hervorragend. Im folgenden  die Latenzwerte für den USB-Port und den AVB-Betrieb. Das Motu liefert im USB-Mode bei 48 kHz und 32 Samples gute 6,29 ms in Ableton Live, mein RME UFX schafft hier 4,31 ms. Im AVB-Mode schafft mein Mac Pro allerdings bei 32 Samples und 48 kHz 3,75 ms. Nicht schlecht!

Klang

Das MOTU Untralite AVB klingt ziemlich gut, wie ich finde. Ich würde sogar behaupten wollen, dass sich der Sound gegenüber den Vorgängern verbessert hat, obwohl mir ein direkter Vergleich fehlt. Die Preamps klingen neutral, sind aber auch frisch und knackig genug, um den Charakter unserer beiden Test-Mics ordentlich und färbungsfrei einzufangen. Auch der DI-Bass klingt schön knarzig, ohne dabei seine Seele zu verlieren. Ebenfalls schön ist die Tatsache, dass die Mic-Preamps parallel zu den Instrumenten-Eingängen genutzt werden können, ohne das man umstecken muss. Alle vier Preamps (2x Mic und 2x Instrument) können dadurch gleichzeitig genutzt werden. Das ist bei Intefaces mit Combo-Buchsen meist nicht der Fall. 

Natürlich klingen auch die Wandler selbst wirklich gut und sind fein auflösend. Im Vergleich zu meinem RME empfand ich die Höhen durchaus offener, allerdings ohne die gewisse RME-Schärfe. Die Bässe sind dafür nicht ganz so tief und stramm. Die MOTU-Wandler klingen für mich insgesamt etwas musikalischer. Aber bitte: Wir reden hier über Nuancen, welche nur im harten A/B-Vergleich auffallen.

Gute Haptik und Bedienbarkeit

Die vielen soliden Hardware-Bedienmöglichkeiten am Gerät machen die Bedienung sehr intuitiv. Im Gegensatz zu vielen anderen – vor allem günstigeren– Intefaces muss man sich also nicht umständlich durch Softknob-Menüs am Gerät hangeln, sondern hat die wichtigsten Funktionen mit einem eigenen Regler direkt am Gerät zu Hand. Und das sind für mich immer noch die Gains sowie Kopfhörer- und Monitor-Lautstärken. Selbst als RME-Nutzer muss ich das neidlos eingestehen. In diesem Preissegment findet man bei RME auch kein so großes Display vor.  

AVB-Möglichkeiten

Die Möglichkeit, weitere Interfaces via AVB zu kaskadieren, ist praktisch, dadurch ist das Mitwachsen eines Studios ein Leichtes. Seit dem neusten Firmware-Update kann das Ultralite AVB nun sogar drei Input-Streams und drei Output-Streams ausgeben, wobei jeder AVB-Stream aus acht Audiokanälen besteht. Das ist gut!

Dank USB- und AVB-Anschluss kann man auch zwei Rechner anschließen, beispielsweise den Laptop via USB und den Hauptrechner via AVB. Dadurch kann man Sounds vom Laptop verlustfrei in den Hauptrechner leiten. Nicht schlecht! Eine andere Möglichkeit wäre es, einen Mac und einen PC zusammenzuführen. Wer übrigens mehr als zwei Interfaces nutzten möchte, muss einen Switch budgetieren. 

Umfangreiche Software-Console

Die Möglichkeit, über die Software-Console das weitergehende Routing mit einer Matrix zu bestimmen, ist eine willkommene, optische Unterstützung bei der Verwaltung der vielen I/Os. Die Konfiguration ist einfach und unkompliziert, etwas Einarbeitung in das grundsätzliche Prinzip sollte man allerdings schon einplanen, vor allem wenn man die „alte“ CueMix-Console von MOTU gewohnt ist. 

Der neue, integrierte DSP-Mixer ist umfangreicher geworden und bietet mit seinen zwölf Bussen ebenfalls reichlich Routing-Möglichkeiten. Sicherlich kann man mit den vielen integrierten Effekten durchaus auch einen Mix fahren, in der Praxis dürften die meisten diese Optionen überwiegend für das Monitoring nutzten. In dem Zusammenhang durchaus erwähnenswert ist das integrierte Reverb, welches vor allem bei Gesangsaufnahmen für ein natürlicheres Gefühl sorgen sollte. Nichtsdestotrotz: Wer einen kleinen Gig im Wohnzimmer abhalten möchte, kann das durchaus tun (und über das iPad auch noch den Job des FOH-Mannes übernehmen).

Die Möglichkeit, das Interface via iPad (MOTU AVB Discovery App for iOS) und Wi-Fi zu steuern, ist vor allem während der Konfiguration von Live-Setups hilfreich und sicherlich auch bei sich selbst aufnehmenden Musikern zweckdienlich. Trotzdem ist dies für mich eher eine Spielerei, welche man auf Grund der grundsätzlichen AVB-Möglichkeiten aber dennoch einfach dankend annehmen sollte. Kaufentscheident wäre diesen Feature für mich jedoch nicht. Ebenfalls erwähnenswert ist der Umstand, dass alle AVB-Interfaces dank des Webinterfaces auf so gut wie jedem Betriebssystem konfigurierbar sind, solange sich diese im selben Netzwerk wie das Interface befinden. 

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