Hersteller_Mackie
Test
2
18.08.2014

Praxis

Auf dem Transportkarton prangt stolz der Hinweis „Built like a tank“. Dem möchte hier ich nicht widersprechen. Das Stahlgehäuse des kleinen Gesellen dürfte nicht nur dem Homestudio-Alltag, sondern auch so mancher Belastung im Live-Geschäft trotzen. Auch der satt aufgetragene Lack sollte etlichen Live-Strapazen standhalten. Der Aufbau der Kanäle ist logisch und bildet – wie üblich – weitgehend dessen Signalfluss ab. Die Farbgebung der Potis sowie ausreichend kontrastreiche Linienführungen und Hinterlegungen (Aux-Regler) sorgen dafür, dass der Anwender auf Anhieb einen guten Überblick erhält.  

Schlichte Formgebung trifft bei dem Mackie-Kleinmixer auf solide Verarbeitung. Das Mini-Mischpult macht deutlich, dass „klein“ keineswegs „billig“ bedeuten muss. Ich behaupte, dass sich in dieser Preisklasse schwerlich ein ähnlich massiv gebautes Gerät finden lässt. Hier ruckelt und wackelt nichts, so dass einem Dauereinsatz gelassen entgegen gesehen werden kann. Die Haptik der leicht gummierten Poti-Kappen ist praxisorientiert und die Regelwege leichtläufig, wodurch sich im Test auch allerfeinste Pegelunterschiede umsetzen ließen. Was mich ein wenig erfreut hat, ist die Einrastfunktion des „Phones“-Potis in der Mittelstellung, da sie das Einhalten derselben Abhörlautstärke doch ganz schön vereinfachen kann.

Usability

Die kompakte Größe des 802 VLZ4 ist auch auf die Verlagerung des Netzteils zurückzuführen. Wäre dieses im Chassis untergebracht, wäre zweifellos ein weitaus größeres Mixergehäuse erforderlich. Die Betriebsspannung schafft also ein externes Netzteil, das mittels eines dreipoligen Steckers angebunden wird, der mit seiner Rückhaltelasche auch über eine Zugentlastung verfügt, so dass dem versehentlichen Ziehen des Steckers vorgebeugt werden kann. Stromaufnahme und Netzschalter befinden sich Mackie-typisch auf der Rückseite des Mixschers.

Die Verkabelung sollte bei einem Kleinmixer in der Regel kein größeres Problem darstellen. Das gilt auch für unser Mackie 802 VLZ4, denn es verfügt über keine Anbindung an andere Devices in Form von USB-, Bluetooth- oder sonstigen Schnittstellen. Stattdessen ist das Ankabeln aufgrund ausführlicher Kennzeichnung ruckzuck erledigt und das Einpegeln erweist sich dank gütiger Vorverstärkung und komfortabler PFL-Funktion als kinderleicht. Aux-Weg, Tape-Anbindung und Line-Signale können mühelos eingebunden werden. Hierfür muss beim 802 VLZ4 nicht erst ein Tontechnikstudium absolviert werden. Und auch das Erstellen von Sub-Mixen für den alternativen Ausgang geht gut von der Hand. Wenngleich dieses Feature wohl erst bei den nächstgrößeren Mischpultmodellen dieser Serie interessant werden dürfte, die ein paar Kanäle mehr bieten. Ein Highlight ist in meinen Augen zweifellos die „Control Room Source“-Sektion. Sie bietet etliche Möglichkeiten, um die Quellsignale zu kombinieren und zum Monitorausgang zu schicken oder per Kopfhörer abzuhören.  

Sound

Hinsichtlich des Sounds zeigt sich das Mackie 802 VLZ4 relativ neutral und zudem recht druckvoll. Den Preamps kann auch die Mackie-typische „Wärme“ in den unteren Mitten nicht abgesprochen werden. Die Vorverstärker klingen transparent, aber auch nicht grenzenlos offen, was für diese Preisklasse auch nicht erwartet werden kann. Für nach oben offenes High End muss auch heute noch deutlich mehr hingeblättert werden. Das Low-Cut-Filter arbeitet äußerst unauffällig, aber dennoch wirksam. Die Filtersektion packt nicht vordergründig und plakativ zu, sondern wandelt eher auf weichen Pfaden, was in der EQ-Praxis zu durchweg „musikalischen“ Ergebnissen führt. Einzig das Höhenband will mich nicht wirklich überzeugen, denn mir persönlich ist die Eckfrequenz des Höhenfilters ein wenig zu hoch angesetzt. Hier wäre für meinen Geschmack der Einsatz bei etwa 10 kHz wünschenswert. So aber können einige Signale nicht ausreichend aufgefrischt werden. Das wird etwa in unseren Audiobeispielen deutlich („E-Gitarre mit Low Cut und maximale Höhen“). Im Bereich der Mitten lässt sich die Präsenz der Signale dagegen wunderbar regeln. Die gewählte Center-Frequenz von 2500 Hz ist für das Glockenfilter optimal gewählt. Eine interessante Alternative ist die Kombination von aktiviertem Low-Cut-Filter und Anhebung des Low-EQs. Auf diese Weise lassen sich Tiefbassanteile von Signalen „musikalisch“ absenken, ohne dass sie an Fülle verlieren. In den Audiobeispielen ist dies bei der Datei „E-Gitarre mit Low Cut und maximale Bässe“ zu hören.  

Klanglich gibt es bei dem kleinen Kameraden in meinen Augen kaum etwas auszusetzen. Für wenig Geld wird hier eine gute Klangqualität geboten. Das wird auch beim Test der Mikrofon-Preamps deutlich. Im Zusammenspiel mit einem dynamischen Mikrofon (hier Shure SM58) zeigt sich, wie kraftvoll das Signal verstärkt wird. Der Klang wirkt „satt“ und „rund“, wenngleich das Low-Cut-Filter dem Nahbesprechungseffekt des Mikrofons überraschend wenig entgegensetzen kann. Dasselbe gilt beim Einsatz eines Kondensatormikrofons (im Test ein Brauner Phantom C), das sehr sauber verstärkt, aber in den tiefen Frequenzen kaum gebändigt wird. Hier bietet es sich gegebenenfalls an, die Bassanteile zusätzlich im unteren Frequenzband abzusenken. Dagegen lassen sich sowohl im Betrieb mit Instrumenten als auch mit Mikrofonen zu keiner Zeit störende Rauschanteile ausmachen. Um diese zu hörbar zu machen, muss der „Gain“-Regler erst extrem aufgerissen werden. Pegelt man ausreichend laute Signalquellen mithilfe der PFL-Funktion adäquat ein, ist Rauschen beim Mackie 802 VLZ4 deshalb kein Thema.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare