Hersteller_Lauten_Audio
Test
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07.06.2017

Praxis

Schmeichelnder Klang für Vocals

Mein Test des Lauten Audio LA-320 begann mit einer kleinen Überraschung. In dem vom Hersteller herausgegebenen Diagramm zum Frequenzgang wird das Mikrofon als ein recht natürlicher und vermeintlich zurückhaltender Vertreter seiner Zunft präsentiert. Die dort angegebene leichte Absenkung im Präsenzbereich und die verhältnismäßig sanfte Betonung von Bässen und Höhen wirkt in Zeiten von gehypten günstigen Mikrofonen erfreulich entspannt. Der Moment der angesprochenen Überraschung war der, in dem ich die ersten Aufnahmen hörte. Vor allem in den hohen Mitten und Höhen trägt das LA-320 weit dicker auf (und klingt also heller), als es die grafische Darstellung vermuten lässt. Nach Anfrage beim Hersteller stellte sich heraus, dass das verwendete Diagramm nur für die Kapsel des Mikrofons gilt.

Handelt es sich hier also doch nur um ein weiteres günstiges Mikro aus Fernost, das die Mitbewerber aus der unteren Preiskategorie durch noch mehr Bling-Bling in den Höhen ausstechen will? Diesen Fall muss man meiner Meinung nach differenziert betrachten. In Verbindung mit Vocals zeigt das LA-320 zwar durchaus einen leichten Hang zum exzentrischen Frequenzgang, es bleibt dabei aber noch halbwegs zivilisiert und kann sich mit einem wirklich schmeichelhaften Charakter ein ganzes Stück weit von der Masse absetzen. Solange man sich diesseits von kräftigen oder gar schrillen Rock-Vocals bewegt, wird das Mikro mit vielen Stimmen gut funktionieren.

Verglichen mit dem FET-basierten kleinen Bruder namens LA-220 bewegt sich das LA-320 ein Stück näher am landläufigen Ideal eines Gesangsmikrofons. Obwohl beide Modelle die gleiche Kapsel verwenden, wirken die Unterschiede im Klang wie aus zwei verschiedenen Dimensionen – und paradoxerweise wird wegen der gleichen Kapsel beim LA-220 auch der exakt gleiche Frequenzgang angegeben wie beim LA-320. Dies ist ein weiterer sehr eindrucksvoller Hinweis darauf, dass die technischen Daten eines Mikrofons oft nur einen geringen Praxisbezug haben. Zur Abgrenzung nach oben zeigt die Aufnahme über das Audio Technica AT4060a, wie ein wirklich herausragendes (und weit teureres) Röhrenmikrofon klingen kann.

Das Highpass-Filter des LA-320 ist trotz seiner vergleichsweise hohen Grenzfrequenz von 120 Hz zumindest für weibliche Vocals absolut verwendbar und befreit die Aufnahme effektiv von unerwünschten Anteilen im Tiefbass. Für das Lowpass-Filter kann ich mir im Kontext von Gesangsaufnahmen dagegen nur schwerlich Situationen vorstellen, in denen es den Klang tatsächlich aufwerten würde.

Kräftiger Tiefbass und leichte Tendenz zur Schärfe

Bei Instrumentalaufnahmen kann die Verwendung des Lowpass-Filters in manchen Fällen Sinn machen – so zum Beispiel wenn das LA-320 als Raummikrofon bei einer Schlagzeugaufnahme eingesetzt wird und die absoluten Höhen der Becken anderen Mikrofonen überlassen werden sollen. Bei den Testaufnahmen, für die ich das Mikrofon beim Spielen über meiner Schulter positionierte, änderte die Absenkung der Höhen allerdings nichts daran, dass der Präsenzbereich einen zwar noch verkraftbaren aber eben doch vorhandenen Hang zur Schärfe zeigt. Vor allem bei Drummern, die laute Becken spielen, ist beim LA-320 Vorsicht geboten, aber das gilt bekanntlich für viele Mikrofone.

Bei der Schlagzeugaufnahme zeigt das LA-320 weiterhin einen recht dick abgebildeten Bassbereich, und mit einem so kräftigen klanglichen Fundament könnte das Mikrofon eine gute Figur vor einer Bassdrum oder eventuell auch vor einem Bass-Verstärker oder gar einem Kontrabass machen. Mit dem Nahbesprechungseffekt kann man jedenfalls gut arbeiten. Im folgenden Video gibt es die Drum-Aufnahmen im Loop und in direkter Gegenüberstellung.

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