Hersteller_Grace_Design
Test
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29.01.2013

Praxis

Mit diesen Eigenschaften gibt sich der Grace-Preamp so straightforward wie nur eben möglich. Hier gibt es – anders als beispielsweise bei den Chandler-Preamps – keine großen Soundwelten, in die man abtauchen kann und die es erst einmal auszumessen gilt, vielmehr bietet der M501 einen Grundsound. Aber dieser hat es in sich. Doch bevor wir uns genauer damit befassen noch einmal ein paar Worte zum Workflow.

Nicht Michael Graces erster Preamp

Es zeigt sich an vielen Ecken und Enden, dass dies eben nicht der erste Preamp ist, den Michael Grace in seinem Leben konstruiert hat. Zum einen kann man dies an buchstäblich oberflächlichen Kriterien wie den haptischen Qualitäten der Hardware erkennen: Man fasst den m501 ganz einfach gerne an, und das Teil meldet einem das gute Gefühl zurück, in langlebige Qualität investiert zu haben. Dies zeigt sich aber auch bei einer Reihe Details, die wirklich praktisch sind, und die eben auch belegen, wie gründlich hier bei der Entwicklung nachgedacht wurde. So geht die Phantom-Power-LED nicht einfach aus, wenn man die Versorgungsspannung mit dem entsprechenden Schalter abschaltelt, sondern sie erlischt langsam und zeigt dabei an, wie sich die 48 Volt langsam abbauen. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass man das Kabel am Mikro erst dann zieht, wenn wirklich keine Phantomspeisung mehr anliegt – das hilft, etwaige Beschädigungen zu vermeiden. Es sind einfach diese smarten, unaufgeregten Detail-Lösungen, die aus einem guten Stück Equipment ein hervorragendes machen können.

Gnadenlos akkurat

Klanglich bringt der Grace ein kleines Kunststück fertig. Viele Preamps, die auf „Schnelligkeit“, Sauberkeit und Klarheit hin optmiert wurden, neigen nämlich zu einer gewissen Härte, die in den meisten Situationen unangenehm und unangebracht ist. Der m501 hingegen schafft es, auch allerfeinste Details in einer dreidimensional wirkenden Qualität am Wandler abzuliefern, und das eben ohne eine harte oder gar harsche Tendenz. Man glaubt, der Preamp macht sich selbst unsichtbar, so deutlich wird der Charakter des Vokalisten und auch des Mikrofones herausgestellt. Das Signal wirkt dabei unglaublich plastisch und direkt, bleibt dabei aber sehr glaubwürdig und natürlich. Und trotzdem, bei all dieser Exaktheit, bleibt das Signal jedoch in den meisten Fällen fein und seidig. Zumindest, solange diese Härten nicht bereits im Ausgangsmaterial vorhanden sind, denn der m501 ist auf gar keinen Fall ein Schönfärber: Hier wird jede Nuance – und sei sie auch noch so hässlich – mit unaufgeregter Akkuratesse weitergereicht. Dies ist vergleichbar mit einer sehr guten Gitarre: Je besser das Instrument, desto deutlicher stellt es auch die spielerischen Schwächen des Gitarristen heraus. Oder, im besseren, umgekehrten Falle, erlaubt es eine sehr variantenreiche, feine und subtile Ansprache, die nur eben beherrscht sein will.

Dies zeigt auch unser Klangbeispiel: Während das Neumann KM 184 am Grace-Preamp beinahe schon übertrieben sachlich und nüchtern klingt, entfaltet eine Aufnahme mit einem alten Neumann CMV563 ihren ganz eigenen Charme. Der „Larger-than-life“-Charakter der M7-Kapsel und der feine, tiefmittige Schmelz der EC92-Triode können sich hier in aller Feinheit entfalten. An anderen Preamps klingt dieses Mikrofon manchmal etwas dumpf, aber am Grace kann es sich in all seiner klassisch-jazzigen Schönheit entfalten.

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