Hersteller_EBS
Test
7
28.01.2015

Praxis

Beim EBS Valvedrive DI-Pedal muss man sich noch einmal vergegenwärtigen, dass es sich um mehr handelt, als um ein reines Verzerrerpedal. Letztere gibt es ja reichlich auf dem Markt - auch zu weitaus günstigeren Preisen. Wer allerdings auf der Suche nach einem hochwertigen Preamp ist, mit dem man bei Bedarf die Mauern von Jericho einreißen kann, der könnte hier durchaus fündig werden!

Nach einer kurzen Vorglühzeit, die man einer Röhre immer zugestehen sollte, legen wir los. Und bemerken gleich: Sowohl am DI- als auch am Klinkenausgang kann man Umschaltgeräusche vernehmen. Sowohl der Wechsel zwischen Bypass- und Effektsignal über den Klinkenausgang, als auch der Wechsel zwischen Effektsignal und Stummschaltung auf dem DI-Ausgang erfolgen leider nicht komplett geräuschlos. Für meinen Geschmack liegt das Schaltgeräusch beim DI-Ausgang zwa noch im Toleranzbereich, aber bei hoher Abhörlautstärke im Studio könnte man sich vom Tontechniker durchaus einen kritischen Blick einhandeln.

Doch kommen wir zum Sound: Alles, was ich aus dem EBS Valvedrive DI-Pedal zu hören bekomme, klingt absolut hochwertig! Stelle ich einmal für einen Moment die Funktion als Bass-Preamp in den Vordergrund, so wird jeder, der auf vollen, warmen und authentischen Röhrensound steht, schier begeistert sein. Doch beginnen wir die Reise dezent mit der Klangregelung in einen annähernd linearen Bereich. Wirklich linear ist der Sound dann allerdings nicht, denn er ist bereits deutlich vom Preamp gefärbt. Schon hier hört man einen deutlichen Unterschied zwischen den Schaltungen "modern" und "vintage". Bei gleicher, noch sehr dezent eingestellter Gainstufe, kann man im "vintage"-Modus bereits eine deutliche Verzerrung wahrnehmen.

Sobald der Gainbereich höher ausgesteuert wird, kommt natürlich auch mehr Verzerrung ins Spiel. Dabei wirkt der Overdrive vom Charakter eher, wie man dies von Vollröhrenverstärkern her kennt - nicht jedoch wie die Verzerrungen, die entsprechende Effektgeräte produzieren.

Das ganze Spiel kann man natürlich bis zum Extrem ausweiten. Dann sind auch sehr opulente Sounds möglich. Mir gefällt hierbei, dass das Signal "mächtig" klingt, aber nicht "matschig" wird. Im "vintage"-Mode fallen Tiefbässe weg, das Signal wirkt dadurch mittiger und schmaler, jedoch nicht minder reizvoll.

Natürlich begünstigt der Vintage-Charakter vorrangig bluesige Klangfarben. Speziell in Verbindung mit einem Plektrum kommt das eher entschärfende Verhalten des Valvedrive in den Höhen positiv zur Geltung:

Wird ein eher sauberer Sound verwendet, dann eignet das EBS-Pedal sich vor allem hervorragend, um passive Bässe mit dem räumlichen Volumen eines Amp/Boxen-Signals abzubilden. Hier ist dies sehr schön anhand eines Reggae-Grooves mit einem passiven Precision Bass zu hören:

Zugegeben: Freunde des kristallklaren Slapsounds werden beim Valvedrive weniger fündig. Diejenigen, die jedoch auf die schmutzige Variante des Slapsounds stehen, werden mit Freude feststellen, dass auch diese Stilistik bedient werden kann. Es sind dann allerdings eher die klanglichen Attribute eines John Entwistle - weniger die eines Mark King!

Selbst wenn es in extreme Sounds geht, wird der Klang nicht unkontrollierbar oder nervig-sägend, wie dies häufig der Fall ist, wenn man Overdrive-Pedale an ihre Grenze fährt. Das folgende Beispiel zeigt noch einmal deutlich den Unterschied zwischen der "modern"- und der "vintage"-Schaltung. Während die moderne Variante das durchaus reizvolle Saitengeräusch des harten Plektrumanschlags featured, bleibt es bei der "vintage"-Variante eher bei einem Black Sabbath-typischen Soundcharakter.

Und noch ein Beispiel, diesmal mit weniger Gain:

Zu guter Letzt noch zwei Beispiele, die den Unterschied zwischen "modern" und "vintage" sehr deutlich werden lassen. Letztlich haben wir hier zwei wirklich tolle Soundcharaktere, die exakt das verkörpern, was man mit ihren Bezeichnungen assoziiert. Es sind zwei in der Praxis sehr gut verwendbare Grundsounds, die sich mittels der Klangregelung und unterschiedlicher Gain-Einstellungen stark variieren lassen.

Im Grunde sollte man im Vorfeld entscheiden, ob man das Valvedrive DI-Pedal als reines Effektgerät einsetzen möchte, oder ob man es zu einem generellen Bestandteil seines Sounds machen möchte. In beiden Fällen empfinde ich das Gerät als großen Gewinn!

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