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Test
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18.01.2013

Chandler Ltd. Little Devil Compressor Test

API 500 Modul Kompressor

Kein Colt für alle Fälle

Zu Chandlers Little-Devil-Trio gehört natürlich auch ein Kompressor im API-500-Kassettenformat. Und was soll man sagen: Dieses Teil ist schlicht „anders“ – aber trotzdem saugut! Wie auch bei den beiden anderen kleinen Teufelchen hat sich Chandler-Mastermind Wade Goeke beim Design des Little Devil Comps an einer Reihe von Vorbildern orientiert.

In diesem Falle handelt es sich dabei um den hauseigenen LTD-2, also einen Clone des ehrwürdigen Neve 2254 sowie um die Neve-Boliden 2264 und die jüngere Stereo-Version 33609. Auch der Germanium Compressor aus Goekes Feder darf als Pate für den Little Devil zur Verfügung stehen. Mit Ausnahme des Germanium Comps handelt es sich bei all diesen Geräten um Kompressoren, deren Regelelement aus einem Dioden-Netzwerk besteht: Ein Schaltungstrick, der vor allem in England und in den 60er-Jahren Anwendung fand – mit den genannten Neve-Geräten sowie den TG-Limitern der EMI als prominentesten Beispielen.

Details

Beim Design dieses Kompressors hat sich Wade Goeke in besonderem Maße auf sein Gehör verlassen, was die Auswahl und Abstimmung der Funktionen und Parameter betrifft. Das bedeutet, dass beispielsweise die Ratio-Settings und Zeitkonstanten nicht in absoluten Werten angegeben werden können, weil sie schlicht nicht exakt ermittelt worden sind – eine sehr musikalische Herangehensweise, und mit genau diesem intuitiven Spieltrieb sollte man sich dem Modul auch bei der Anwendung nähern. Ein paar Funktionen sind ziemlich ungewöhnlich, und hier sollte man versuchen, einfach über den Klang und das Gehör heranzugehen und all das, was man mal über Standard-Kompressoren gelernt hat, für einen kurzen Zeitpunkt zu vergessen.

Weiches Compression Knee oder Germanium-Mode

Herzstück des Devil Comps sind zwei Dioden-Netzwerke im Regelelement. Wahlweise kann man mit Zener- oder mit Germaniumdioden arbeiten, beide Systeme wurden grundverscheiden abgestimmt – und übrigens auch ganz anders als beim EMI TG Zener Limiter von Chandler, der sehr anders reagiert als das Zener-Setting des Teufelchens. Hier wurde es nämlich so hingetunt, dass es mit einem extrem weichen Knie arbeitet – so weich, dass die gesamte Übertragungsfunktion des Kompressors praktisch ein einziges Knie ist, vergleichbar mit dem Soft-Setting des Vertigo Sound VSC-2. Demgegenüber geht das Germanium-Setting erheblich brutaler zu Werke. Mit diesen beiden Optionen vereint der Devil Comp also schon mal zwei ganz unterschiedliche Charaktere in einem 500-Gehäuse.

Verschiedene Bedienelemente dienen der Beeinflussung der Gain-Struktur: Das Input-Poti justiert den Eingangspegel, es ist aber eher ein Attenuator, die Neutral- beziehungsweise Ausgangsstellung der Bearbeitung sollte im oberen Bereich des Regelwegs liegen. Dazu verfügt das Modul über ein Output-Poti, mit dem man den Pegel wieder aufholen kann.

Unübliche Bedienstruktur

Interessant ist, dass das Attack-Poti gleichzeitig den Threshold einstellt. Dies ist einer der sehr ungewöhnlichen Punkte beim Devil Comp und eine Eigenschaft, der man sich am besten eben intuitiv nähert, da diese Kombination auf dem Papier erst einmal seltsam klingt, in der Praxis aber im Rahmen des Gesamtkonzepts durchaus sinnvoll ist. Die Kompressionsrate kann in drei Stufen von soft bis krass geschaltet werden, die Release-Zeit ist ebenfalls dreistufig. Daneben verfügt der Little Devil Compressor noch über ein Wet/Dry-Poti für Parallelkompression sowie einen Sidechain-Hochpass, der bei 30, 60, 90, 150 sowie 300 Hz greifen kann. Ebenso wie beim EQ kann auch der Kompressor mit einem Hardwire-Bypass komplett aus dem Signalweg genommen werden. Prominentestes Bauteil auf der Frontplatte ist wohl das schön vintage-gelblich hintergrundbeleuchtete VU-Meter im von anderen Chandler-Geräten bereits bekannten Art-Déco-Look

Unter der Haube kommt auch der Little Devil Comp mit den gleichen Features daher, die von den anderen Modulen dieser Serie bekannt sind. Die Kassette wurde durchweg mit hochwertigen Teilen aufgebaut. Die Übertrager stammen von Carnhill und (vermutlich) Altran, der Drehschalter des Sidechain-Filter wurde von ELMA geliefert, und das gesamte Modul wurde in traditioneller, diskreter Class-A-Technik mit herkömmlichen „Through-the-hole“-Bauteilen konstruiert. Insgesamt geht es beim Kompressor im Gehäuse ein kleines Bisschen „luftiger“ zu, der Schaltungsaufwand ist ein gutes Stück geringer – deswegen wohl auch der im Vergleich zum EQ etwas günstigere Preis. Gespart wurde allerdings nirgends: Der gesamte Hardware-Aufbau ist ebenso robust wie bei den anderen Little-Devil-Modulen. Das ist allererste Sahne.

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