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Test
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24.08.2012

Best Service Studiobox Mark 2 Test

Sample-Library

Grundlagengetöse

Gemeinhin lassen sich Sound-Libraries, wie es einige von Best Service gibt, in zwei Kategorien einteilen. Auf der einen Seite stehen die Klangerzeuger und Sounds zur Musikproduktion im engeren Sinne und für den Live-Einsatz, auf der anderen Seite Klänge und Geräusche für die (Nach-)Vertonung von Audio-, Film- und Videoclips oder auch Spielen - also Mensch und Tier, Hintergründe, Wind- und Wettergeräusche, Umgebungen, Fahrzeuge und Maschinen aller Art sowie Special-FX und Atmosphären.

Durch die voranschreitende Miniaturisierung des Equipments, die Digitalisierung der Medien und den damit einhergehenden Vertriebsmöglichkeiten hält das, was einst nur großen Produktionshäusern und Rundfunkanstalten vorbehalten war, heutzutage in mehr oder minder aufwändigen Kollektionen auch ins Studio weniger betuchter Profis und semiprofessioneller Anwender Einzug. Und das ist gut so, denn gerade bei kleineren Werbeclips oder Jingles stünde das individuelle Einfangen von Geräuschen oder das Schrauben an eigenen Sound-Kreationen oft nicht im Verhältnis zu dem, was unterm Strich für den Produzenten übrig bleibt. Sample-Pools schaffen hier Abhilfe und dienen als Grundlage für das eigene Klangarchiv. Teilweise laufen sie in eigenen Player-Engines, die darüber hinaus Modifikationen der geladenen Sounds zulassen. Beispiele hierfür sind Native Instruments Kore- und Kontakt, Überschall Elastik oder Best Service Engine. Die Beschaffung des benötigten Audiomaterials ist heutzutage einfacher denn je. So lassen sich einzelne Dateien oder kleinere Libraries bequem und bedarfsgerecht über das Web laden. Allerdings ist für den semiprofessionellen bis professionellen Einsatz ein gut ausgestattetes Standard-Arsenal unabdingbar.

Best Service Studiobox Mark2 ist so eine Allround-Bibliothek. Für 399 Euro (UVP) bekommt der Käufer über 8000 Wave-Dateien auf vier DVDs verteilt, die den Themengebieten Nature, Human, Technical sowie Cinema/Game zugeordnet sind. Das lässt aufmerken, denn der Einzelpreis eines Samples liegt bei schlappen vier Cent und wie sonst - hat man nicht gefällige Freunde vor Ort - sollte man für so wenig Kohle an authentische Dschungelsounds oder Atmosphären eines Tokioter Cafés kommen, ohne den Preis für selbsttätiges Field-Recording in die Höhe zu treiben. Aber Spaß beiseite: Mit dieser Sammlung spart man sich nicht nur die Flugreise, sondern auch über zweihundert Euro gegenüber dem Einzelkauf der Silberlinge. Obendrein legt der Hersteller die komplette Sound-Effects-Collection „FX PAC“ (249 Euro EP) als Bonus drauf, welche die Produkte Psy-Fx, X-FX, AD-FX und Action-Cutz umfasst. Klingt doch gut, wenn es denn tatsächlich gut klingt…?

DETAILS

Wo andere Programme auf eine Installer-DVD, eine eigene Sound-Verwaltung oder eine Player-Umgebung setzen, zeigt sich das Klangarchiv von Best-Service zunächst einmal ziemlich zurückhaltend, denn es gilt, die einzelnen Inhalte manuell auf die Festplatte zu kopieren. Auch auf eine Seriennummer oder einen Online-Aktivierungs-Prozess verzichtet der Hersteller. Unterm Strich wandern 22,5 Gigabyte auf die Harddisk, bestehend aus 8546 Samples, die allesamt als Files mit 16 Bit und 44,1 kHz vorliegen. Ein derart opulentes Angebot ist kaum zwischen Frühstück und Mittagspause zu begutachten, also wird kurzerhand ein Sixpack dunkelbrauner Koffeinbrause am nächstgelegenen Büdchen geschoppt, dazu Chips und diverses Fruchtgummi-Naschwerk - und schon kann der Nachtflug beginnen.

Erstens

DVD1 hat 680 Sounds mit einem Datenvolumen von knapp vier Gigabyte unter der Haube. Sie trägt den Titel Natur und widmet sich eben dieser sowie tierischen Lebewesen. Neben einer reichhaltigen Sammlung von Hintergrundgeräuschen bilden die Themen Wetter und Wasser einen großen Anteil an dieser DVD. Regen, Hagel, Gewitter, Wasserfälle, Winde und Stürme sind hier vertreten, ferner Dschungelatmosphären, Erdbeben, Küstenaufnahmen, strömende Flüsse, Seen, sowie Unterwasserszenarien. Es blubbert, spritzt, schäumt, tropft, donnert und grollt kräftig in angemessener Qualität aus den Monitorboxen. Ebenfalls dieser Kategorie zugeordnet sind knisternde, knackende und brechende Hölzer.

Den nächsten großen Block nimmt eine Hersteller-Auswahl an Zwei-, Vier- und Mehrbeinern ein, die Flora und Fauna unseres Planeten bevölkern. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Berliner Zoos teilweise ein exotischeres Artenaufkommen an den Tag legen, aber für gängige Themen sollte die Zusammenstellung vielleicht ausreichen. Ich höre singende, krächzende und zwitschernde Vögel am Morgen, im Mai, auf der Plaza oder im Unwetter. Hühner lachen oder geraten in Panik. Man trifft auf gut- und schlechtgelaunte Hunde, auf einen Esel und diverse Dschungelfrösche. Pferde traben, und sollten sie vor eine vor Kutsche gespannt sein, tun sie dies auf Kopfstein, Beton oder Asphalt. Indische Elefanten begegnen laut brüllenden Löwen - da die tonale Kommunikation der Meeresbewohner nicht so vielfältig ist, sind diese lediglich in Form von Walen und Delfinen vertreten.

Zweitens

Die zweite DVD ist 5,85 Gigabyte „schwer“ und beinhaltet 1797 urbane, ländliche und allgemeine Geräusche unserer Weltkultur (freundliche und böse Aliens inklusive). Religion gehört seit Anbeginn der Zeitrechnung zur Menschheit, daher verwundert es nicht, dass sich hier eine Vielzahl unterschiedlicher Gebete und Gesänge, Kirchenglocken und -orgeln tummeln. Das Spektrum reicht von der Lobpreisung über den tibetanischen Mönch bis hin zum Voodoo-Gebet. Immer gern gesehen sind Schritte, zum Beispiel auf der Treppe, im Bus, auf Schotter, Eis, Parkett, im Schnee, im Dungeon oder zur Geisterstunde. Allerdings fehlen mir hier definitiv ein paar schnelle, gehetzte Varianten.

Schon mal gezählt, wie viele elektronische, hydraulische oder sonstige Türen ein Mensch innerhalb eines Tages wohl öffnet und schließt und wie viele Schalter er betätigt? Das Arsenal ist in diesem Punkt jedenfalls sehr reichhaltig. Einkaufszentren und Supermärkte lassen Kassen und Münzen klingeln. Mittschnitte aus Bahnhöfen, Flughäfen, U-Bahnen, Museen, Hotelhallen, Bars und diversen Freizeiteinrichtungen gehören ebenso zum Sortiment, wie Atmosphären vom türkischen Schwarzmarkt, dem Time Square oder einem balinesischen Hahnenkampf. Eine praktische Sammlung von repräsentativen Haushaltsgeräuschen gehört ebenfalls zum Sortiment. Es knallen Champagnerflaschen, Bierflaschen ploppen, Gläser werden angestoßen, es wird gespült, gebraten, gekocht, Rasen gemäht und Schnee geschippt. Ein Luftballonleben und was dieser während seines Daseins alles über sich ergehen lassen musste, ist ebenfalls für die Ewigkeit festgehalten.

Essen und Trinken hält ja bekanntlich auch des Musikers Leib und Seele zusammen. Neben einer Reihe gekonnter Schlucker, Schlürfer, Schmatzer und Rülpser fangen die Produzenten das Flair bayerischer Biergärten, Pariser Straßencafés, eines Londoner Pubs zur Mittagszeit und diverse Restaurants in China, Japan oder den USA ein. Die Gruppe Children enthält ein gutes Dutzend Samples spielender Kinder und schreiender Babys. Ein Schmunzeln auf den Lippen erzeugt die Hundertschaft an Lachern. Ich kämpfe mich durch eine handvoll Straßenfeste - beim Berliner  Karneval der Kulturen wird stilistisch mehr geboten - lausche Zirkus-, Jahrmarkt-, Karussell-, Drehorgel- und Achterbahn-Geräuschen. Folkloristische Gesänge, Kompositionen und Percussions sind der lokalen Stimmung zuträglich. Ganz im Gegensatz zum Zahnarzt-Motiv mit Bohrern, Pustern und Saugern oder zu den Kampfgeräuschen, Schlägen, Tritten und Fausthieben kontaktbetonter Sportarten - treffend in Szene gesetzt, sodass man fast schon mitleiden möchte. Überhaupt widmet sich ein stattlicher Block dem Motiv Sport. Harpunen werden geschossen, Balken geturnt, Kugeln geworfen und gestoßen, Säbel, Schwerter und Schläger geschwungen. Bälle werden gedribbelt, getreten, geschlagen und wieder aufgefangen, die sich mit Dutzenden Applaus-Varianten, Aahs und Oohs zu einem sportlichen Großevent kombinieren ließen. Allerdings konnte ich keine Schach-, Memory- oder Kartenspieler ausmachen.

Drittens

Volume drei trägt den Namen “Technical“. Ergo findet sich hier eine aussagekräftige Ansammlung technischer Sounds aus einigen hundert Jahren neuzeitlicher Evolution ein. Dies umfasst primär Maschinengeräusche und Handwerksarbeiten: Sägen kreischen, Presslufthammer hämmern, es wird geschweißt, gehobelt, gefeilt, geflext, gebohrt und gefräst. Kompressoren springen an, Gas strömt irgendwo aus, Energie knistert und Spannung brummt - mal mehr, mal weniger musikalisch. Die Audioqualität ist durch die Bank als angemessen einzustufen. Wer Aufzeichnungen für den Imagefilm eines Industrie-Unternehmens benötigt oder einen Game-Showdown in der Fabrik- Kulisse arrangieren will, wird hier definitiv fündig. Was ich bis hierher vermisse, sind ein paar Soundtracks oder gar Soundtrack-Construction-Kits.

Zum Alltag gehören auch Unfälle und in der Folge Martinshörner, Polizeisirenen oder Feuerlöschboote. Womit wir bei den Transportmitteln ziviler und militärischer Art wären. Flugzeug, Kampfjet, Hubschrauber, Auto, Bus und Bahn sind mit stellvertretenden sachgerechten Samples bedacht. Ich hangele mich durch Jeeps, Motorräder, Motorrad-Rennen, Parkhäuser, Tankstellen, Werkstatt- und Waschanlagen. Da sich ein Formel1-Wagen selbst für Motorsport-averse Laien anders anhören dürfte, als ein Porsche oder Pontiac, wurden zudem verschiedene Marken, wenngleich an einer Hand abzuzählen, gesampelt. Ganz wie es beliebt startend, stoppend, ankommend, abfahrend, vorbeifahrend hupend oder bremsend. Dazu gesellt sich eine stattliche Anzahl an Einzelklängen, die unser kommunikations-geschärfter Verstand in einer typischen modernen Umgebung erwartet. Nämlich klingelnde Mobiltelefone und Büroausstattung aller Art. Technische Stadt- und Straßenatmosphären diverser Metropolen runden das Paket ab.

Viertens

Volume 4 beschäftigt sich mit dem Thema „Cinema & Game“, ergo finden sich hier die Special-FX ein. Zur Vertonung von Film und Spiel der härteren Gangart tummeln sich auf diesem Datenträger  Explosionen, Schüsse, Schläge, Laserschwerter und Phaser. Einschläge von Pfeilen und Kugeln in Materialien aller Art krachen, thumpen und zwooshen. Psychodelische, gefährliche und diffuse Motive lassen sich mit Kreaturen, Robotern und Monstern kombinieren. Kosmisches trifft auf Fantasy, Sweep auf Swell, schnelle Bewegungen auf Schleichen, Hand- auf Schnellfeuerwaffe. Von der 8-Bit-Telespiel-Retro-App bis hin zum 3rd-Person-Shooter bekommt der Käufer eine Vielfalt passender Soundeffekte, wobei im letzten Fall ein paar spektakuläre Ablebensbekundungen der Sammlung gut zu Gesicht gestanden hätten. Auch hier gibt es eine reichhaltige Kollektion an häuslichen, industriellen oder perkussiven oder sonstigen Short-Sounds. Zum Beispiel Alarme, Glocken, Gläser und Buzzer, Dampf-, Dresch- und Drehmaschinen. Exotische oder sehr spezielle Geräusche bilden die Ausnahme.

Sehr gut in die Sparte Trickfilm, Cartoons und Animatic passen die vielen Geräusche Marke „ratter, knatter, zisch, bleep und blop sowie kratz, schab, rassel, quietsch und schleif“. Ihnen folgen speziell auf dieses Genre zugeschnittene perkussive Effekte, lustige Stimmen und Pfeifen sowie allerhand Slapstick-Sounds. Interessant sind auch die vielen synthetischen FX-Kategorien und die Layout-Soundbanken, um die Weiten des Weltraums oder auch unheilvolle Stimmungen heraufzubeschwören.

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