Test
8
26.11.2020

Praxis

Stichwort Firmware. Wie es sich für einen Test gehört, steht vor einem Praxistest das Update auf die neuste Firmware an. Dafür nutzt man das SimplyPUT Update Tool vom Music Tribe. Dieses Tool ist ein kleines Programm, das für Windows, Mac und Linux erhältlich ist. Ich verwende die Windows-Version und bin erstaunt, wie einfach der Prozess ist. SimplyPUT installieren, ausführen und den Flow-Mixer via USB-Kabel mit dem Computer verbinden. Der Computer muss dabei mit dem Internet verbunden sein, denn die Software sucht auf dem Server von Music Tribe (Behringer) nach der aktuellen Firmware. Ist die Firmware lokalisiert, braucht man nur noch den Update Button zu klicken. Alles andere geschieht automatisch. Nach wenigen Sekunden ist die Firmware V11708 aufgespielt. Das war einfach!

Als Erstes probiere ich, den Mixer ohne die App zu bedienen, was tatsächlich möglich ist. Zumindest wenn man die EZ-Gain-Funktion findet. Denn Hardware-Potis zur Aussteuerung der Mikrofon- und Line-Signale sucht man vergeblich. Der Flow 8 verfügt über eine automatische Aussteuerung, die man mit dem simultanen Drücken der beiden Monitor-Taster aktiveren kann. Man kann wählen, ob man einzelne Eingänge oder gleich alle Kanäle automatisch auspegeln lassen möchte. Liegt kein Signal am Flow 8 an, pegelt der Mixer die Vorverstärkung der Mikrofonkanäle auf +30 dB und die Line-Eingänge auf 0 dB ein. Durchaus praxisnahe Grundeinstellungen.

Um den EZ-Gain-Algorithmus zu verlassen, wählt man einfach das Main-Layer an. Nun kann man die Lautstärke der einzelnen Kanäle über die Fader justieren. Möchte man ein oder mehrere Signale auf die Monitorweg 1 & 2 schicken, wählt man den entsprechenden Monitorweg an, schiebt die Fader in die gewünschte Stellung und kehrt anschließend in das Main Layer zurück. Nun entspricht die Fader-Stellung ja dem zuletzt bearbeiteten Monitorweg und nicht dem Main Layer, was durch die gelb leuchtenden Offset-LEDs angezeigt wird. Für den Abgleich schieben wir die Fader solange in die Positionen, bis alle Offset-LEDs erlöschen.

Die Effektmischungen erfolgen nach dem gleichen Prinzip. Effektweg 1 oder 2 per Taster auswählen, den Sends-Level über die Kanal-Fader bestimmen und zuletzt wieder in den Main-Layer zurückwechseln und die Fader-Positionen abgleichen. Stehen die Monitor- und Effektpegel, benötigt man in der Regel nur noch den Main-Layer, um die Show nach Hause zu bringen.

Kanäle und Effekte lassen sich beide über die Mute-Taste auf Wunsch stummschalten. Über die Tap-Tempo-Taste lassen sich Effekte dem Songtempo anpassen. Die beiden Effekteinheiten bieten je 16 unterschiedliche Effektalgorithmen, von denen sich zwei Hauptparameter (z. B. Pre Delay) editieren lassen. Das geht tatsächlich auch direkt am Mixer über die Menu-Taste und den Select/Adjust-Encoder. Deutlich übersichtlicher und schneller geht das allerdings über die FLOW App, die ich mir als Nächstes ansehe.

Mixen mit der FLOW App

Die App braucht nicht lange, um sich mit dem Mixer zu verbinden. Auf der Startseite bieten sich gleich mehrere Optionen an. Man kann mit „continue session“ mit der letzten Einstellung weiterarbeiten, oder über „start new“ eine neue Session anlegen. Alternativ kann man einen der 15 geräteinternen Snapshots aufrufen. Einsteiger und Unentschlossene können sich über die „assisted setup“-Funktion bei der Einrichtung des Mixers helfen lassen. Die App fragt, welche Signalquellen man anschließen möchte und nimmt danach automatische Voreinstellungen vor. Eine gute Idee!

Im Grunde ist der Flow 8 die digitale Alternative zu einem analogen Behringer Xenyx Mixer. Wer sich entschlossen hat, vom analogen Kleinmixer zum Flow 8 zu wechseln, der dürfte diese aktive App-Unterstützung durchaus begrüßen. Ich wähle die Funktion “start new“ und schaue mich um. Die „Mixer“-Ansicht begrüßt mich als Erstes.

Dort finde ich virtuelle Fader für alle Eingänge und ganz rechts den Summen-Fader. Die Layer-Anwahl (Main, FX, Monitor) erfolgt über die Top Bar. In der App folgt die Fader-Stellung natürlich den jeweiligen Layer-Einstellungen und benötigt keinen manuellen Abgleich. Somit sieht man mit der App deutlich besser, wie die einzelnen Layer tatsächlich eingestellt sind.

Wie es sich für einen Digitalmixer ziemt, gibt es in den einzelnen Kanälen auch ein Processing, das für die Eingangskanäle 1 bis 8 identisch ist. Wir tippen auf die Kanalzahl und die „channel view“ erscheint. Ich notiere: ein durchstimmbarer Low Cut (20 – 600 Hz), ein Gain-Poti (-20/+60 dB), Panorama-Schieber und ein One-Knob-Kompressor. All diese Funktionen lassen sich antippen und ein deutlich vergrößertes Bedien-Icon erscheint.

Der Kanal-EQ verfügt über vier Bänder (+/-15 dB) mit Festfrequenzen. Ebenfalls im „channel view“ zu Hause sind das Duo „Mute & Solo“ und die Möglichkeit dem Kanal einen eigenen Namen und ein Icon zu verpassen. Die Kanäle 9 & 10 verwalten entweder das Bluetooth-Signal oder einen Stereo-USB-Mix des Audiointerface. Hier stehen lediglich der Panorama-Slider und der vierbandige EQ zur Verfügung.

Interessant wird es in den Ausgängen. Die Monitorwege 1 & 2 sowie der Main Mix lassen sich mit einem 9-Band-GEQ bearbeiten, zusätzlich steht in jedem Ausgang noch eine One-Knob-Limiter bereit, um krasse Pegelspitzen oder Feedbacks abzumildern.

Stichwort Feedback: Schade, dass man nicht wenigstens zwei durchstimmbare Notchfilter für das Eliminieren von Koppel- oder Resonanzfrequenzen implementiert hat. So bleibt bei hartnäckigen Feedback-Frequenzen nur der Versuch, diesen mit der groben Kelle (dem 9-Band-GEQ) entgegenzutreten. Wo wir gerade bei der Wunschliste sind. Ich vermisse ein Noise in der Kanalausstattung. Zumindest in zwei Kanälen, um dort vielleicht eine Cajon oder rauschende Gitarrenverstärker zu besänftigen. Vielleicht lässt sich das über ein Firmware Update nachreichen.

Auf der anderen Seite muss man anerkennen, dass der Flow 8 deutlich mehr bietet als ein analoger Xenyx-Mixer im gleichen Preisgefüge. Klanglich ist der Flow 8 ebenfalls besser aufgestellt als die meisten analogen Kleinmixer. Hier rauscht nichts, der Headroom ist überzeugend und die Klangqualität der Effekte lässt nichts zu wünschen übrig.

Doch wie performant ist die USB-Schnittstelle? Ich habe den Flow 8 an einem Intel-Skull-Canyon-Rechner ausprobiert und dort mit der DAW Presonus Studio One V5 verbunden. Als Samplerate bietet mir der kleine Mixer ausschließlich 48 kHz an. Zumindest die Option 44.1 kHz wäre noch wünschenswert. Ich konnte ein 40 Spuren umfassendes Projekt mit zahlreichen Plug-ins stabil und ohne Klangartefakte mit einer Einstellung von 128 Samples im Safe Mode ohne Probleme abspielen und simultan Overdubs dazu aufnehmen. Unter 128 Samples schleichen sich dann erste Knackser ein. Somit ist das Interface nicht unbedingt die erste Wahl für Realtime-Audioanwendungen, für normale Recording Tasks erweist sich der Flow 8 allerdings als veritable Recording-Lösung.

Wer in Pandemiezeiten das Leben abseits eines stickigen Proberaums bevorzugt und sich zum Songschreiben in eine einsame Waldhütte ohne Strom zurückziehen möchte, der kann dort an frischen Ideen basteln. Denn der Flow 8 lässt sich problemlos mit einer Powerbank betrieben. Zusammen mit einem iPad oder einem Laptop erhält man eine Multitrack-Recording-Lösung, die nicht auf feste Stromversorgung angewiesen ist. Ein Feature, das sich durchaus als nützlich erweisen kann.

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