Hersteller_Audix
Test
8
10.12.2013

Praxis

Nicht nur, dass das Fireball super-kurz ist. Dadurch, dass sein „Body“ aus Aluminium ist, fällt es definitiv in den Bereich „Fliegengewicht“ unter den Handhelds. Dabei schmeichelt die kompakte Formgebung sowohl dem typischen Shouter-Griff, bei dem das Mikrofon in der halbgeschlossenen Hand verschwindet, als auch einer lässigen Mikrofonhaltung zwischen den Fingern. Einzig im Stativ macht das Fireball eine seltsame Figur: wann sieht man sich schon einem Mikrofon gegenüber, dessen Korpus kürzer als ein XLR-Stecker und seine eigene Stativklemme ist?

Aber hören wir mal, was der feurige kleine Kamerad an klanglichen Qualitäten zu bieten hat. Zu diesem Zweck habe ich für euch ein Audiosnippet vorbereitet, das dem Old School-Rap frönt. Das vom Fireball gelieferte Signal wurde mit einem Focusrite Liquid Channel verstärkt (Preset „FLAT e-BAL“) und mittels eines RME Fireface 800 gewandelt. Soviel zum Testaufbau. Beim Close Miking der Rap-Stimme fällt zunächst auf, dass das Stimmsignal recht »weich« ist. Die Beschreibung des Herstellers hatte mich hier etwas Anderes erwarten lassen. Wir erinnern uns: Es war von ausgeprägten Transienten die Rede. Dass die Vocal-Transienten in der Praxis definiert, aber keineswegs allzu »scharf« erscheinen, ist für mich ein echter Pluspunkt des Fireball. Auch Zischlaute werden vorbildlich abgebildet, und sogar bei der Off-Axis-Besprechung gibt sich das Fireball keine Blöße. Wie üblich fällt zwar der Pegel ab, aber das Mikrofon liefert im Bereich von bis zu 45° jenseits der Hauptachse frequenztechnisch noch immer ein ausreichend stimmiges Frequenzbild, das nicht allzu weit von dem der Hauptachse entfernt ist.

Und überhaupt macht das Frequenzbild einen guten Eindruck. Seine Optimierung für Vocals ist ihm deutlich anzuhören. Während die Bässe unterhalb von 100 Hz stark abfallen, wird den Vocals im Bereich um 200 Hz ein wenig zusätzliches Fundament verliehen. Am offensichtlichsten ist aber die graduelle Anhebung der oberen Mitten, die den Bereich zwischen 3 und 7 kHz deutlich hervorhebt. Dabei gelingt die klangliche Einbindung dieser 5 dB starken Anhebung in das gesamte Frequenzbild mühelos und wirkt hinsichtlich des Sounds keineswegs störend. Doch das ist nicht verwunderlich, schließlich ist sie in eine großflächigere Verstärkung eingebettet, die schon bei etwa 1 kHz einsetzt und sich bis 15 kHz erstreckt. Es fällt daher klanglich nicht negativ auf, dass das Mikrofon oberhalb von 16 kHz gar keine Information mehr liefert. (Und schließlich verarbeiten einige Konkurrenz-Handhelds gar nur Frequenzen bis 15 kHz.)

Beim Umfassen des Mikrofonkorbs während der Performance wird deutlich, dass dabei die Bassanteile des Vocalsignals verloren gehen. Die Anhebung der Mitten wirkt deshalb weniger gut in den Gesamtsound eingebunden. Nichtsdestotrotz ist das vom Fireball gelieferte Signal aber absolut brauchbar. Das zeigen auch unsere Audiobeispiele, bei denen ich beide Varianten (Mikrofonkorb jeweils nicht umfasst und umfasst) mit einem Beat unterlegt habe. Mittels des EZmix-Presets „Vocal Slap“ habe ich die Vocals zusätzlich mit Kompression und Reverb versehen. Beide Varianten lassen sich gut in einen Mix einbinden. Die »offene« Variante ohne Umfassen des Mikrofonkorbs wirkt »voller« und ausgewogener, die Variante mit Umfassen des Mikrofonkorbs dagegen nasaler, aber gerade dadurch ebenfalls durchsetzungsstark.

Selbstverständlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, auch den vom Hersteller beworbenen Einsatz des Audix Fireball bei sehr naher Mikrofonierung zu testen. Um es vorwegzunehmen, das Fireball hat mich ausgerechnet in diesem Bereich nicht überzeugen können. Beim Ultra Close Miking (Lippen direkt am Mikrofonkorb) sorgt der Nahbesprechungseffekt des Mikrofons für ein Signal, das aus meiner Sicht einfach nicht mehr schön klingt. OK, im Werbevideo liefert eine angesagte Beatbox-Künstlerin die Performance für das entsprechende Vocal-Demo. Sie hat sicher die nötige Erfahrung, um das Mikro optimal einzusetzen. Bei unseren Testaufnahmen gelang es jedoch nicht, ein halbwegs brauchbares Beatboxing-Audiosignal aufzuzeichnen.

Wenn ein hoher maximaler Schalldruck für das Fireball tatsächlich kein Problem darstellt und eine nahe Mikrofonierung bei nahezu umschlossenem Mikrofonkorb möglich sein soll, dann wären das natürlich optimale Bedingungen, um mit dem Mikrofon den Klang einer Cross Harp aufzugreifen. Und auch wenn mein Spiel auf einer Blues-Mundharmonika stark zu wünschen übrig lässt, so lässt sich an den Audiobeispielen dennoch erkennen, wie gut sich das Fireball für Cross Harp-Performances eignet. Mit einem etwas flacheren Besprechungswinkel ließen sich zweifellos auch die in den Audiobeispielen zu hörenden Luftgeräusche noch verringern.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare