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Test
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20.03.2017

Audio-Technica Artist Elite AE3000 Test

Kondensator-Instrumentenmikrofon

Große Membran in kleinem Gewand

Das Audio-Technica AE3000 aus der Artist Elite Serie ist anders als viele andere für Drum-Mikrofonierung verwendete kein dynamisches, sondern ein Kondensatormikrofon. Dynamische Mikrofone haben sich in der Geschichte der Schlagzeugaufnahme einen festen Platz gesichert. Solide und kompakt gebaut sowie mit einem auf das Wesentliche fokussierten Übertragungsbereich ausgestattet, tun sie täglich brav ihren Dienst an zigtausenden von Drumsets. Besonders als Close-Mics verwendet, gelten sie für viele Tonleute als alternativlos. Großmembranige Kondensator-Mikrofone kommen hingegen eher als Overhead- und Raum-Mikrofone zum Einsatz, denn ihre deutlich wuchtigere Bauform in Verbindung mit ihrer meist seitlichen Einsprechrichtung schränkt das Handling zwischen Toms und Snaredrums stark ein. Einige Modelle dieser Art übersteuern an lauten Quellen wie Drumsets auch schnell mal und benötigen ein Dämpfungsglied (Pad). Klanglich liefern sie allerdings ein größeres Spektrum und höhere Detailtreue als ihre dynamischen Kollegen, weshalb nicht wenige Drummer und Tonleute die Nachteile in Kauf nehmen und die großen Apparate an den Trommeln verwenden. Ob ihr nun zu diesem Personenkreis gehört oder nicht: Ihr solltet jetzt auf jeden Fall weiterlesen, denn das Audio-Technica AE3000 ist zwar ein solcher Großmembraner, Gewicht und Gehäuseabmessungen orientieren sich aber eher an kompakten Modellen und ein integriertes Pad soll für entspannte Pegel auch an geprügelten Snaredrums sorgen.

AE steht bei Audio-Technica für die Serie „Artist Elite“, neben dem Testmodell bietet Audio-Technica innerhalb dieser Reihe auch verschiedene Handheld-Vocal-Mikrofone sowie Spezialitäten wie das mit zwei Kapseln ausgerüstete AE2500 an. Gegenüber den günstigeren PRO- und der preislich in der Mittelklasse positionierten ATM-Serie sollen die etwas teuereren AE-Modelle einen natürlicheren Sound mit einem nach oben hin erweiterten Übertragungsspektrum bieten. Gleichzeitig sollen sie mit robuster Bauweise auch den Widrigkeiten des Tour-Alltags trotzen. Wir haben unser Testexemplar in verschiedenen Anwendungen rund ums Schlagzeug gecheckt. 

Details

Auffallend kompakte Bauform trifft auf komplette Ausstattung

Klein sollte es sein, stand in der Beschreibung. Dass ich es beim Öffnen der Pappschachtel zunächst mit der Halterung verwechseln würde, hätte ich allerdings nicht erwartet. Wo andere Großmembraner schwer in der Hand liegen, kann das nur 170 Gramm leichte AE3000 mühelos mit spitzen Fingern gehalten werden. Rein optisch wirkt es zunächst, als würde es ausschließlich aus Mikrofonkorb bestehen – sieht man mal vom kurzen Sockel ab, welcher die XLR-Buchse beinhaltet. Eine Halterung mit integriertem Shockabsorber und Reduziergewinde für EU-Stative sowie eine gepolsterte Tasche komplettieren die Ausstattung. Dreht man das Mikrofon und betrachtet es von der Seite, fällt auf, dass das schützende Drahtgeflecht im oberen Bereich nochmals schmaler gestaltet ist, was dem AE3000 ein sehr flaches seitliches Profil beschert. Auf der Rückseite entdecke ich zwei kleine Schalter, wovon der linke einen bei 80 Hertz eingreifenden Low Cut aktiviert, auf der rechten Seite kann ein Pad geschaltet werden, welches den Ausgangspegel um zehn dB verringert. Auch ohne dieses Pad besitzt das AE3000 eine im Verhältnis zu konventionellen Kondensatormikrofonen künstlich reduzierte Empfindlichkeit, schließlich ist es nicht für flüsternde Stimmen, sondern für krachende Drums konzipiert. 7 mV/Pa wären in der Tat auch ein schlechter Wert für einen Allround-Großmembraner. Mit aktiviertem Pad darf das Testexemplar wahnwitzigen 158 db SPL ausgesetzt werden, womit Sorgen, dass das niedliche Ding womöglich Schaden am Schlagzeug nehmen könnte, ausgeräumt sein dürften.

Das AE3000 arbeitet mit einer Backplate-Elektret-Kapsel

Im Gegensatz zu einem Echtkondensator arbeitet im AE3000 eine sogenannte Back Electret Membran, bei der eine permanente Vorspannung aufgebracht ist. Dieses Design kann auf bestimmte Bauteile verzichten, was einerseits Platz und andererseits Produktionskosten spart. Der Nachteil einer solchen Bauart ist die begrenzte Haltbarkeit aufgrund nachlassender Spannung, welcher man bei Audio-Technica mit einer Art Voralterung zu begegnen versucht. Aktuelle Elektretmikrofone halten ihre Spannung allerdings Jahrzehnte lang.

Auf einen Transformator verzichteten die Ingenieure von Audio-Technica beim AE3000. Trafos stehen im Ruf, den Klang anzudicken und gehaltvoller zu machen, gerade am Drumset können trafolose Mikrofone allerdings für eine schnellere Transientenwiedergabe sorgen. 20 – 20000 Hertz gibt man bei Audio-Technica als Übertragungsbereich an, im Bereich von etwa 6000 Hertz (also dort, wo Stöcke den Anschlagsklang erzeugen) zeigt das Frequenzdiagramm eine leichte Anhebung.

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