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Test
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02.09.2016

Praxis

Arpeggiator

Es scheint, als habe Arturia sich Gedanken gemacht. Los geht es mit dem Arpeggiator. Neben den bekannten Modi Up, Down, Exclusive (ähnlich wie Up&Down) und Random sind auch Up bzw. Down x2 (hierbei wird jede einzelne Note wiederholt), Inclusive (tiefste und höchste Note wird wiederholt) und Order (ähnlich wie Sequencer: Reihenfolge der gespielten Noten) anwählbar. Mit einem Knopfdruck auf die Play-Taste im Transport-Feld wird der Arpeggio-Loop aktiviert. Alle Töne, die nun gespielt werden, werden automatisch ins Arpeggio eingebunden. Via Shift+Transpose hat man die Möglichkeit das Arpeggio live zu transponieren. Mithilfe des Hold-Tasters können die Tasten losgelassen werden, der Arpeggiator läuft trotzdem weiter. Wenn mindestens eine Taste gedrückt bleibt, bekommt man die Chance im Hold-Modus das laufende Arpeggio zu erweitern. Ansonsten beginnt es mit den neu gespielten Tasten von vorn.

Bei Betätigung der Shift-Taste lassen sich weitere Funktionen des Arpeggiators einstellen. Mit den Drehreglern kann man den Swing-Faktor und die Gate Time regulieren und das Arpeggio rhythmisch präzisieren. Das alles funktioniert natürlich bei laufendem Arpeggiator, und die Übertragung per MIDI erfolgt zu jeder Zeit tadellos.

Über das Transport-Feld hat man nun die Option, die Maschinerie zu stoppen, zu pausieren oder endlos weiter laufen zu lassen, um sich zum Beispiel um die Sound-Bearbeitung des angesteuerten Synthesizers/Keyboards zu kümmern. In meinem Fall ist das ein Software-Synth in Ableton Live. Und jetzt bin ich doch ein bisschen enttäuscht: Die einzige Möglichkeit, die Klangfarbe des Software-Synths per MIDI mit dem Keystep zu kontrollieren, sind die Touch-Fader. Über der Tastatur wäre durchaus noch Platz für zwei bis drei frei belegbare Potis, mit denen man dann beispielsweise einen LFO-Amount oder die Resonanz kontrollieren könnte. Ein paar Controller mehr hätten dem Keystep definitiv nicht geschadet; so sind die Steuerungsmöglichkeiten für Parameter externer Instrumente leider begrenzt.

Sequencer

Die beschriebenen Features treffen größtenteils auch auf den Sequencer des Keystep zu, der durch seine Polyphonie bis zu acht verschiedene Töne auf jedem seiner maximal 64 Steps erlaubt. So bekommt man beispielsweise die Möglichkeit ganze Akkordverbindungen in Sequenzen unterzubringen. Die erstellte Sequenz wird an der Stelle abgespeichert, wo der Encoder gerade steht. Intern lassen sich also acht Sequenzen speichern, die dann unkompliziert live abgerufen werden können. Über die MIDI Control Center Software kann man noch weitere Patterns unterbringen und abrufen.

Bei meinen ersten Gehversuchen musste ich allerdings doch noch einmal in die Bedienungsanleitung schauen. Der Workflow des Sequencers ist zunächst verwirrender als beim simplen Arpeggiator. Mittels Transport-Feld lassen sich Sequenzen nämlich nicht bloß aufnehmen und abspielen, sondern auch noch weiterführend editieren. Bestimmte Steps können gelöscht oder verlängert werden. Besonders interessant ist für mich hierbei die Rest-Taste. Damit können zwischen einzelnen Steps Pausen oder Überbindungen eingefügt werden. Im Echtzeit-Modus lassen sich außerdem bestimmte Steps ersetzen oder komplett löschen. Die Sequenzen können bis ins letzte Detail editiert und schließlich noch via Shift-Features zum Beispiel in Sachen Swing und Gate bearbeitet werden. Mit ein bisschen Übung geht selbst das auch live leicht von der Hand. So schnell wird einem Sequenzer/Arpeggiator-Enthusiasten also mit dem Keystep nicht langweilig.

Der Sequencer zeichnet Velocity-Informationen auf, aber leider keine Controllerdaten wie etwa den Mod-Slider. Über Tonhöhe und Dauer hinausgehende Informationen lassen sich also nur sequenzieren, indem man sie der Velocity zuweist.

CV/Gate

Mit seinen CV/Gate-Ausgängen und einem zusätzlichen Mod CV Output eignet sich der Keystep zur Ansteuerung analoger Synthesizer ohne MIDI und lässt sich auch als (USB-)MIDI-to-CV-Interface verwenden. Im Zuge des Analogrevivals und Modular-Booms erlebt dieses Verfahren ja gerade eine Renaissance und auch Arturias eigene Analogsynths sind damit ausgestattet. Die CV-Outputs sind für maximale Kompatibilität per Editor-Software umschaltbar: Für Pitch CV stehen die Verfahren 1V/Okt. und V/Hz bereit, Gate kann in den Modi S-Trigger, V-Trigger 5V und V-Trigger 12V arbeiten und für den Mod CV Output gibt es acht Optionen von 0-12 Volt. Welche Funktionen per CV gesteuert werden können, hängt naturgemäß von den Anschlüssen und Fähigkeiten des empfangenden Gerätes ab. Der Keystep ermöglicht die Übermittlung von Gate, Pitch CV und einer weiteren Steuerspannung zu Modulationszwecken, die vom Mod-Slider, Aftertouch oder der Velocity bestimmt werden kann. Indem man die Velocity dafür zweckentfremdet und diesem Output zuweist, lässt sich die Mod CV auch sequenzieren, um zum Beispiel den Filter Cutoff eines angeschlossenen Synths zu steuern.

MIDI und CV sind auch parallel verwendbar. Dies ist vor allem bei der Shift-Funktion „Keyboard-Play“ nützlich. Sie ermöglicht es, dass der Keystep beispielsweise per MIDI eine Information sendet, während man auf der Tastatur eine Melodie spielen kann, die dann unabhängig vom Arpeggio/Sequenzer an den CV-Out geschickt wird.

Dank der Sync-Option kann der Keystep sowohl als Master, als auch als Slave ohne Probleme mit weiteren Geräten synchronisiert werden. Mein MicroBrute (per MIDI) hat dem Keystep auf Anhieb genauso gehorcht wie mein Korg Volca (per Sync In). Gerade für Live-Setups stellt diese Flexibilität eine große Erleichterung dar. Aber auch im Studio kam ich so durch Jammen und Experimentieren auf interessante Ideen.

Chord Play

Ebenfalls sehr inspirierend ist die „Chord“-Funktion, die man in ähnlicher Ausführung von einigen alten und neuen, polyphonen Analogsynthesizern wie z.B. dem Korg Polysix und dem Dave Smith Instruments OB-6 kennt. Man spielt im Chord-Modus einen beliebigen Akkord. Der Keystep merkt sich die Akkordstruktur und legt sie auf jeden einzelnen Ton, der nun gespielt wird. Die Funktion ist kombinierbar mit dem Sequencer/Arpeggiator. So lassen sich Akkorde plötzlich wie Melodien spielen und in einen völlig neuen Zusammenhang zueinander stellen. Selbst ohne jegliches Harmonielehre-Verständnis kommt man so auf unkonventionelle Akkordverbindungen. Ein sehr intuitives und effektives Tool, welches aufzeigt, dass der Keystep den inspirierenden Charakter eines eigenständigen Instruments haben kann, obwohl er eigentlich bloß ein MIDI-Controller ist.

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