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Test
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24.09.2012

API 512c Test

Mikrofon-Vorverstärker

Rau und direkt

Klar, dass in APIs 500-Portfolio der Preamp nicht fehlen darf. Der 512c trägt ein Erbe weiter, dass sich bis auf die legendären API-Konsolen der 70er-Jahre zurückführen läst. Damals hieß der API-Preamp „312“ und bestand aus einer mit Op-Amp, Übertragern und sonstigen Bauteilen bestückten Steckkarte, die in die jeweiligen Mischpultkanalzüge integriert war. Als Eingangsmodul der API-Konsole hat der Vorverstärker natürlich einen immens wichtigen Einfluss auf den Gesamtsound eines solchen Dickschiffes. Kompressoren sind manchmal im Signalweg, EQs häufiger (aber eben nicht immer), doch den Preamp durchläuft das Eingangssignal in allen Fällen. Die Bedeutung dieses Vorverstärkers für den sprichwörtlichen „API-Sound“ sollte man also auf gar keinen Fall unterschätzen.

Set den frühen 70er-Jahren ist API mit eigenen Mischpulten am Markt präsent, vor allem in den USA wurden hunderte der klassischen Baureihen in verschiedensten Studios installiert. Unter den Recording-Komsolen gilt API als großes, klassisches Pendant zum britischen Hersteller Neve; insbesondere die amerikanische Rockmusik dieser Ära ist untrennbar mit dem Namen API verbunden. Ungezählte Klassiker sind auf diesen Konsolen entstanden, auch heute noch gilt ein Studio mit API-Konsole (ob nun ein Vintage-Exemplar oder eines der aktuellen Baureihen Legacy, Vision oder 1608) als etwas sehr besonderes.

Details

In vielen Konstruktionsdetails ist der 512 in der aktuellen Revision mit dem Namenszusatz „c“ mit der originalen 312-Karte nahezu identisch. Die Schaltungstopologie des reinen Vorverstärkers unterscheidet sich laut Paul Wolff, der lange Zeit Chefdesigner bei API war (und mittlerweile seine eigene Firma Tonelux gegründet hat) nur in einem wesentlichen Detail: Zwischen dem Op-Amp und dem Ausgangsübertrager sitzt beim 512 ein Koppelkondensator, der den Übertrager vor Beschädigungen schützen soll, falls der Op-Amp den Geist aufgibt. Ansonsten liegt ein wesentlicher Unterschied darin, dass es sich beim 312 um eine „nackte“ Platine handelt, die tief in den Eingeweiden der Konsole verschwindet, während der 512 selbstverständlich eine Frontplatte mitsamt all der für den Standalone-Betrieb außerhalb eines Mischpults nötigen Bedienelemente mitbringt.

Hier setzt API auf eine durchaus angemessene, aber nicht unbedingt luxuriöse Ausstattung. Für die Pegeleinstellung ist ein einziges Poti mit recht kleiner Kappe zuständig, welches den gesamten Verstärkungsbreich von 65 dB überspannt. Hier haben andere Hersteller durchaus bessere Lösungen im Gepäck – etwa einen gröber gestuften Drehschalter und ein weiteres Poti zur Feineinstellung. Manuelles „Gain-Riding“ während der Aufnahme gelingt meist leichter, wenn das dafür verwendete Poti keinen allzu großen Pegelbereich überstreicht.

Neben diesem einsamen Poti verfügt der 512 noch über eine Reihe von Schaltern. Separat können Polarität, Phantomspeisung sowie eine 20-dB-Pegeldämpfung gesetzt werden, ein weiterer Schalter besorgt die Anwahl der Eingangsquelle (Mic oder Instrument). Zusätzlich zu den gewöhnlichen Audio-Anschlüssen an der Lunchox (oder dem 19“-Frame) verfügt der 512 noch über Mic- und Instrumenten-Eingänge auf der Frontplatte – im bisweilen etwas hektischen Studio-Alltag kein zu unterschätzendes Feature...

Zur Pegelkontrolle dient eine LED-Kette mit 7 Segmenten. Das ist in jedem Fall für eine grobe Einschätzung ausreichend; im Zeitalter des DAW-Recordings sollte das letzte Wort ja sowieso immer das digitale Peakmeter des Wandlers oder der DAW haben.

Als einziges 500-Modul von API kommt der 512 mit einem Gehäuse mit offener Bauform. Dies mag auf den ersten Blick als unschöne, allenfalls Herstellungskosten sparende Entscheidung erscheinen. Das ist aber zu kurz gedacht: Durch Lunchbox oder 19“-Frame wird das Modul nach dem Einbau völlig ausreichend vor potenziell schädlichen Umwelteinflüssen geschützt, ein geschlossenes Gehäuse ist bei 500-Modulen also keineswegs zwingend notwendig. Und diese offene Bauform hat sogar einen ganz handfesten Vorteil: Die Wärme, die von der Class-A-Schaltung produziert wird, kann viel einfacher nach außen abgeleitet werden. Und wir wissen ja alle: Nichts ist für Elektronik (neben Flüssigkeiten) so tödlich wie ein Hitzestau. Dieser wäre zwar auch bei einem Preamp mit geschlossenem Gehäuse nicht unbedingt zu befürchten, aber je weniger sich die Schaltung aufheizt, desto länger ist prinzipbedingt die Lebensdauer der Elektrolytkondensatoren.

Der eigentliche Aufbau der Preamp-Schaltung ist vergleichsweise simpel, und das ist auch gut so. Ganz allgemein gilt, etwas vereinfachend dargestellt: Je einfacher eine Schaltung aufgebaut ist, desto wahrscheinlicher ist, dass sie das Signal nicht unschön beeinträchtigt. Generell ist das ein „Geheimnis“ der Qualität vieler Vintage-Schaltungen: Sie machen exakt das, was sie sollen, ohne dass überflüssiger Schnickschnack den Klang verwässert. Für den API 512 bedeutet das: Auf den Eingangsübertrager folgt der diskrete 2520-Operationsverstärker, dessen Signal dann im Prinzip direkt auf den Ausgangsübertrager geht. Der interne Schaltungsaufbau ist dabei – für solch einen Preamp nicht untypisch – unsymmetrisch, was auch bedeutet, dass der von Haus aus unsymmetrische Instrumenteneingang am Eingangsübertrager vorbei direkt auf den Op-Amp geführt wird. Das Pegel-Poti arbeitet, indem es die Gegenkopplung des Op-Amps beeinflusst. Das bedeutet, dass etwaige Klangfärbungen der Schaltung bei höheren Verstärkungsfaktoren um so deutlicher in Erscheinung treten.

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