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Test
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27.01.2012

AKG D112 Test

Tauchspulenmikrofon-Klassiker

Das Österei aus Osterreich

Ich habe schon als tontechnisch unerfahrener, jugendlicher Trommler eine gewisse Antipathie verspürt, wenn mich bei Auftritten mit meiner ersten Band dieses debile Grinsen der AKG D112 Gummilippe in gnadenlosem 1980er-Türkis aus dem Inneren meiner Bassdrum angeblickt hat. Aber ich habe es überlebt und dafür das gute Gefühl genossen, dass ich mit meinem Fuß die Möglichkeit hatte, sowohl ordentlich Subbass als auch Attack-Punch aus der PA zu drücken.


Das AKG D112 ist nicht zuletzt deswegen so beliebt, weil es bis zu einem gewissen Grad “Set-it-and-forget-it” liefert und das Herumdrehen des Engineers am EQ zumindest im Live-Betrieb auf ein weiteres Absenken der Kesselresonanzen und leichte Arbeit mit den Shelves beschränken kann. Auch im Studio ist das Osterei aus Österreich aufgrund dieser Fähigkeiten äußerst beliebt und gilt nicht umsonst als das Bassdrum-Mikrofon. Das Einsatzgebiet von AKGs Verkaufsschlager beschränkt sich aber nicht auf das Innere der großen Trommel, wie zahlreiche Anwendungen und auch dieser Test zeigen.

Details

Roadtaugliches Mikrofon-Gehäuse

Der Mikrofonkorpus des AKG D112 ist aus Druckguss-Aluminium gefertigt. Das größte Bauteil, das den Schaft mit der XLR-Buchse beinhaltet, formt auch die Eintrittsöffnungen für den rückwärtigen Schall – es handelt sich nämlich um ein Druckgradientenmikrofon in guter alter Nierencharakteristik. Im vorderen Bereich übernimmt die Gummilippe den Schutz, da ein Korbgeflecht für Beschädigungen naturgemäß etwas anfälliger ist (darunter ist jedoch ein stabiler Stützkorb angebracht). Insgesamt ist das Mikrofon also gegen raue Behandlung gefeit: Schrammen ja, Brüche nein. Die DKC-29-Kapsel mit recht großer Membranfläche ist durch einen zweifachen Schutz weitgehend immun gegenüber Strömungsgeräusche, wie sie vor allem im Bereich der Resonanzlochöffnung von Bassdrums vorkommen. 

Soundmacher für tieffrequente Instrumente

Wie es sich für ein dynamisches Bassdrum-Mikrofon gehört, ist der Schalldruckpegel, den das Mikrofon verzerrungsfrei übertragen kann, enorm hoch. AKG gibt “nicht mehr messbar” im Manual an. Ob nun messbar oder nicht, hoch genug ist er. 1 kHz wird mit 1,8 mV/Pa übertragen, dem Datenblatt entnimmt man, dass das Mikrofon einen Frequenzgang von 20 Hz bis 17 kHz überträgt. Der Blick in den Frequenzgang verrät, wie es dazu kommt, dass das D112 auch als “Soundmaker” beschrieben wird: Bei 100 Hz, zwischen 3 und 4 kHz und etwas über 12 kHz finden sich die Maxima starker Überhöhungen. Einem Bassdrumsignal tut es ganz gut, wenn – das wäre die umgekehrte Betrachtungsweise – der Bereich zwischen 200 Hz und 2 kHz abgesenkt ist, denn die Trommel klingt dort gerne recht holzig. Ich habe schon öfters einen Bass mit einer Bandsperre in diesem Frequenzbereich komplett eliminiert. Das Air-Band des Mikrofons ist denkbar schwach ausgeprägt, doch sollte sich darüber bei einem Mikrofon dieser Bauart und für diesen Einsatzzwecks niemand mokieren. Das Polar Pattern zeigt, dass das AKG mit einer recht breiten Niere aufzeichnet. Besonders innerhalb der Bassdrum ist dagegen kaum etwas einzuwenden. 

Das Ei des Kolumbus?

Um noch einmal auf die Optik zurückzukommen: Mich erinnert das D112 weniger an ein Osterei, sondern eher an das Raumschiff aus der Matt-Groening-Serie “Futurama”. (Dort hat das Raumschiff in einer Folge eine Affäre mit Bender, der es entsprechend seines Robotercharakters nach Strich und Faden betrügt und dadurch heftige Reaktionen hervorruft.) Die Robustheit des D112 kann ich aus langer Erfahrung bezeugen. Ich habe schon öfters die Situation einer “Wandertrommel” gehabt, bei der das Fell der in Richtung Publikum rutschenden Bassdrum das Mikrofon berührte. Dass der Plastikschlägel meiner Maschine dabei einmal sogar das AKG direkt beschossen hat, konnte man an den leichten Verformungen des Plastikwulstes und des Korbes erkennen – der Funktionalität hat das aber keinen Abbruch getan. 

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