Test
2
12.05.2017

Praxis

Sehr guter Klang!

Ich steppe von Instrument zu Instrument und bearbeite wahllos die Tasten. Dabei fällt sofort auf, wie wahnsinnig gut alles klingt. Die Samples sind erstklassig aufgenommen und jeder Sound ist eine wahre Freude. Um die Lebendigkeit zu unterstreichen, ist jeder Effekt in mehreren Variationen vorhanden. Sinnigerweise sind die Unterschiede subtil. Sollte man innerhalb eines Stückes einen Effekt also mehrfach verwenden, lässt sich so jedes Gefühl mechanischer Wiederholung einfach vermeiden. 

Etwas starre Effektvorgaben

Zusätzlich sind die meisten dieser Variationen auch noch in verschiedenen Lagen zu haben, es bleiben also wirklich keine Gebete unerhört. Was ein bisschen bedauerlich, wenn auch nicht tragisch ist, ist der Umstand, dass sich keine Effekte auf das komplette Orchester beziehen. So gibt es zum Beispiel in den Low String einige „sul ponticello“-Effekte. Davon habe ich in den High Strings keine gefunden, jedenfalls nicht dem Namen oder der Machart nach. Was uns zu einem weiteren kleinen Mangel führt; statt suggestiver Instrumentennamen wäre es hilfreich gewesen, auch ein Stichwort zur Spielweise in allen Patchnamen zu haben („sul ponticello“). Manche Patches bieten das, andere aber nicht.

Viel Auswahl

Auf die einzelnen Patches einzugehen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen – es sind schlicht zu viele. Aber man findet wirklich alles, Auf- und Abwärtsglissandi verschiedenster Machart, Texturen (seien sie gestrichen oder auf den Korpus geklopft), seltsame Hits, von tief und rumpelig bis hin zu grell und scharf à la „Psycho“. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf dem Faktor „Geräusch“. Wer ein sauberes, nur leicht auseinanderdriftendes Glissando á la „Sicario“ sucht, wird hier eher nicht fündig, denn CAGE Strings kommt tendenziell krachig daher.

Klanggestaltung per Mixer

Ein Mixer mit verschiedenen Mikroeinstellungen gehört in der Welt der Orchesterlibraries ja mittlerweile schon fast zum Standard. Dass es davon neun Stück gibt ist eher unüblich, im Ergebnis allerdings sensationell! Hier zeigt sich neben der bereits erwähnten Strategie zur Vermeidung von Monotonie abermals, wie ernst es 8dio mit lebendiger Klanggestaltung in dieser Library ist. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Mikros sind teilweise enorm, zum Beispiel zwischen „Far“ und „Wide“. Die Spot-Mikrofone finde ich am erstaunlichsten. Alle vier Positionen sind natürlich nah am Instrument, doch sind die Spots so gewählt, dass man die verschiedenen Elemente, aus denen der Effekt besteht, sehr gut isoliert hören kann. So lässt er sich in seine einzelnen Komponenten zerlegen und quasi vervielfachen. Sollte einem der eigentliche Klang zu groß sein, so lässt er sich mittels Spot-Mikrofonen reduzieren. Es ist unglaublich was sich so allein mittels der neun Mikrofone aus einem einzigen Effekt alles machen lässt. Als hätte man zu jeder Artikulation noch neun zusätzliche Varianten.  Mit den beiden Helfern „EQ Presence“ und „Stereo Field“ aus dem Dropdown-Menü lässt sich der Klang noch weiter verändern. Beide Werkzeuge arbeiten in kleinen Schritten und funktionieren so tatsächlich eher im Sinne der klanglichen Feinabstimmung und weniger als Effekt.

Alte Bekannte jedoch wenig Neues im Bereich „Options“

„Options“ mit seinen Möglichkeiten zur Regelung von Attack, Release, Offset und Expression bietet nichts, das man hervorheben müsste. Alles funktioniert, wie man es gewohnt ist, und diese Werkzeuge gehören bei einer Library dieses Kalibers zum guten Ton. Auch die Möglichkeit des Bewertens von Sounds ist in meinen Augen eher eine nette Spielerei. Ganz praktisch ist dagegen die Möglichkeit des Markierens. Das ist eine willkommene Hilfe bei der Fülle des Angebots.

Saubere Effekte

Als erstes seien die sehr sauberen Klangeigenschaften von 8dios Effektpalette genannt; es fällt mir immer wieder auf, wie wenig diese Effekte färben. Färbung ist natürlich eine Sache von Geschmack und Bedürfnis, aber ich schätze diese Eigenschaft sehr, da die Samples immer erkennbar bleiben, selbst wenn man sie durch relativ drastische Effekte wie das Trancegate schickt. Auch die Standards wie Reverb, Delay oder EQ arbeiten solide, sind aber, was die Übersichtlichkeit angeht, nicht erste Wahl. Zum schnellen Eingreifen oder zur Grundsoundgestaltung sind sie aber bestens geeignet.

Interessant wird es bei den außergewöhnlichen Vertretern. Der Degrader ist dabei noch eher „normal“, eine Kombination aus Bitcrusher und Distortion. „Key Control“ hingegen bietet nicht nur Werkzeuge für Volume, Pan und Fine Tuning, sondern auch die Möglichkeit, ein Sample chromatisch über die gesamte Klaviatur zu strecken. Das klingt zwar nicht besonders außergewöhnlich, führt aber zu sehr interessanten Ergebnissen. In Maßen eingesetzt ist das Trancegate vor allem bei Texturen eine echte Bereicherung und hilft mühelos beim Spagat von der Tradition zum Hybrid.

Am meisten habe ich mich auf „Transform“ gefreut, eine Art Reverb, allerdings mit unorthodoxen Impulsantworten wie zum Beispiel Mutate, Deep Space, Abduction. Leider erlebe ich hier den ersten Totalausfall, der Effekt funktioniert nicht. Egal welches Preset ich lade, der Reverb bleibt derselbe. Manchmal hilft es, den Effekt aus- und wieder einzuschalten, aber oft genug klingelt der Reverb beim wieder Einschalten einfach weiter. Schade. Dafür kann ich aber bezeugen, dass alles, was funktioniert, einen ausgezeichneten Job macht. Ich empfehle außerdem sehr, sich durch die verschiedenen Presets der Effekte zu arbeiten; bei aller Sauberkeit in der Performance führen diese doch immer wieder zu abenteuerlichen Klangbildern. In Verbindung mit allen bereits erwähnten Möglichkeiten die Effekte zu bearbeiten und zu manipulieren, wird klar, was für eine Fülle an Möglichkeiten diese Library bietet, sei es, dass man beim reinen Orchester bleiben möchte, oder an hybriden Streicherklängen interessiert ist. 

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare