Workshop
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22.10.2018

5 Tipps zum Aufnehmen einer Hi-Hat

Hi-Hat mikrofonieren

Schnelle Praxis-Tipps für Recording-Einsteiger – Hi-Hat abmiken

Die Hi-Hat ist das wahrscheinlich am häufigsten gespielte Schlaginstrument – zumindest nach Anzahl der "Hits". Als wichtiges Instrument im Drumkit bekommt sie beim Drum-Recording oft ein eigenes Mikrofon: Will man das Signal des Instruments im Mix gezielt bearbeiten, benötigt man natürlich ein separates Mikrofon an diesen Becken. Hier gibt es nun im kleinen Praxis-Workshop einige kurze Empfehlungen, Hinweise und Ratschläge.  

Tipp 1. Das richtige Mikrofon an der Hi-Hat nutzen

Auf der Bühne im Live-Betrieb, bei Recordings im Studio oder Proberaum-Aufnahmen werden gerne Kleinmembran-Kondensatormikrofone benutzt. Diese stellen besonders die Höhen sehr gut dar und lassen sich gut positionieren, daher sieht man diesen Mikrofonetyp zu etwa 90% an der Hi-Hat. Etwas sanftmütiger sind Großmembran-Kondensatormikrofone wie das Shure PGA27, AKG P220/420 oder das Sennheiser MK 8. Doch auch dynamische Mikrofone können verwendet werden, etwa die robusten Tauchspulenmikrofone wie Shure SM57, Electro-Voice RE20, Sennheiser MD 441 und Beyerdynamic M88, oder sogar Bändchenmikrofone – die aber eher nicht im Live-Betrieb.

Wir haben für euch auch eine Übersicht der klassischen Schlagzeug-Mikrofone!

Meist wird man, falls am Mikrofon oder am Vorverstärker vorhanden, das Hochpassfilter aktivieren, um tieffrequente Anteile aus dem Signal zu entfernen. Kondensatormikrofone haben oft ein Pad, also eine Vordämpfung. Falls das Signal zerrt, ist es sinnvoll, dieses einzuschalten, meist genügen -10 dB. Eine Hi-Hat ist nämlich verdammt laut, aber immer nur über einen kurzen Zeitraum. Sinnvoll ist es, "richtende" Mikrofone zu verwenden, also Nieren- oder auch Acht-Mikrofone

Tipp 2. Richtigen Abstand zur Hi-Hat wählen

Fast immer wird die Hi-Hat mit einem Mikrofon von oben abgenommen. Der klassische Fehler ist jedoch, dass die Hi-Hat zu nah mikrofoniert wird. Zunächst einmal ändert sich natürlich der Klangcharakter im Nahbereich generell dann, wenn die Schalquelle bewegt wird – und genau das ist es ja, was das obere Hi-Hat-Becken tut! Und bis auf wenige Ausnahmen werden Mikrofone durch den sogenannten Nahbesprechungseffekt (auch "Proximity Effect") umso bassiger, je näher sie an der Schallquelle sind. Das kann bei Snare, Bassdrum, Stimmen und vielen anderen Signalen toll sein, bei der Hi-Hat klingt das fast immer grauenhaft. Die Hi-Hat soll ja nach Hi-Hat klingen und nicht nach Kirchenglocke. Probiert es aus, wann ihr die beste Balance zwischen Tiefenanteilen und einer guten Trennung von benachbarten Instrumenten habt.

Tipp 3. Soundvariationen durch Bewegen des Mikrofons auf dem Radius der Hi-Hat wählen

So eine Hi-Hat ist ein komplexes Instrument, aber die größten Klangvariationen erhält man, wenn man sich über dem Top-Becken (oberes Becken) auf einer gedachten Linie zwischen Hi-Hat-Dorn und Kante hin- und herbewegt. Ausgehend von einer Mittelposition werdet ihr feststellen, dass der Klang meist zur Mitte hin glockiger und gehaltvoller wird (bis er irgendwann zu "dengelig" ist), zum Rand hin etwas feiner, aber zunehmend auch das untere, schwerere Becken zu hören ist, was besonders bei halbgeöffneter oder geöffneter Hat wichtig wird.

Tipp 4. Bitte nicht ins Hi-Hat-Mikrofon pusten!

Nein, es geht hier nicht um den schnaufenden und schnaubenden Trommler, sondern um die Hi-Hat selbst. Mikros sind üblicherweise recht empfindlich gegen Wind. Und eine Hi-Hat, die geschlossen wird, produziert prinzipiell nichts anderes als Wind. Um zu verhindern, dass ihr nachher ein Brutzeln auf dem Hi-Hat-Signal habt, das nach Orkan an der Nordsee klingt (und das sich nicht entfernen lässt!), achtet darauf, dass die gewählte Mikrofonposition immer geschützt ist. Wie ihr das macht? Ganz einfach: Ihr haltet einfach die Handfläche an die Stelle, an der ihr mikrofonieren wollt und tretet die Hi-Hat zu. Ein Windschutz hilft meistens nicht viel und klaut bisweilen Höhen. 

 

 

Tipp 5. Snare und High Tom braucht man nicht – auf der Hi-Hat-Spur

Snare und Toms braucht man nicht? Blödsinn. Natürlich braucht man sie, zumindest die Snare. Aber für eine gute spätere Bearbeitung des Hi-Hat-Signals hat man sie möglichst alleine. Eine schön klingende Hi-Hat auf einer Spur, bei der jeder Snare-Schlag lauter ist, ist recht nutzlos. Also muss man zusehen, dass man diese benachbarten Trommeln gut ausblendet. Achtet hier auf die Richtcharakteristik des Mikrofons. Nieren (erkennbar an einem kleinen nierenförmigen Icon irgendwo auf dem Gehäuse) sind auf der Rückseite am unempfindlichsten, Achten seitlich, Super- und Hypernieren dazwischen. Bei manchen Großmembran-Kondensatormikrofonen kann man diese Charakteristik auch einstellen. Wählt die Position so, dass Snare und Tom möglichst im Bereich dieser geringsten Empfindlichkeit liegen. Es kann sinnvoll sein, das Mikrofon wie im Bild unten von Snare und Tom "wegzurichten". 

 

So, dann holt euch keine Erkältung im Luftzug der Hi-Hat und quetscht euch nicht die Finger ein. Vor allem aber wünsche ich euch viel Spaß beim Experimentieren!

 

Beste Grüße!

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