Gitarre
Feature
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16.10.2019

4 Dinge, die jeder Gitarrist hasst

Gitarristen-Klischees aus der Sicht eines Betroffenen

Die wirklich wichtigen Herausforderungen des Gitarristenlebens

Zugegeben, die Musikwelt ist voller von Klischees und auch als Gitarrist kennt man die Vorurteile, mit denen die Protagonisten eigentlich jeder Musikgattung aufs Korn genommen werden. Sicherlich gibt es in einem Musikerleben mehr Nervereien und Probleme als diese stereotypen Sticheleien, aber trotzdem stellt sich nicht selten die Frage, wie man damit umgehen soll.
Vor allem dann, wenn man selbst die Zielscheibe ist oder im (wirklich rein hypothetischen ) Fall, dass die Wirklichkeit tatsächlich das Klischee einholt. In dieser Hinsicht haben wir eigentlich nur die Möglichkeiten, es zu widerlegen oder aber das Gegenteil ins Auge zu fassen, es einfach auf die Spitze zu treiben. Ich habe mich für Letzteres entschieden und darum sollte der folgende, durchaus teilweise autobiographische Artikel auch mit einem Augenzwinkern gelesen werden.

1. Andere Gitarristen

Jeder kennt sie! Meistens stehen sie mit ausgewaschenen Röhrenjeans, schwarzen Existentialisten-T-Shirts und halblangen Haaren rechts neben dem Mischpult, haben die Arme verschränkt und den Oberkörper gönnerhaft nach hinten und den Kopf skeptisch zur Seite geneigt: Gitarristen.
Du hingegen stehst auf der Bühne und lieferst eine astreine Dreistunden-Show ab, obwohl du nur vier Stunden Schlaf im ruckeligen Nightliner abbekommen hast. Lediglich im vorletzten Song rutscht dir aufgrund des schweißtreibenden Geschehens mal kurz der Finger von der G-Saite, was in einem etwas unvorteilhaften Klang mündet. Dein Blick geht in diesem Moment in Richtung Mischpult und du siehst, wie die lokalen Gitarrenmatadore geschlossen deinen vollkommen unverzeihlichen Lapsus noch im Umdrehen mit einer abwinkenden Handbewegung quittieren und den Saal verlassen. Tja, selbst schuld! Hättest Du mal mehr geübt, denn echte Profis machen nie Fehler, das wissen selbst die Gitarristen neben den Mischpulten!

2. Sänger/innen

Wer zur Gitarre oder zu einem anderen Instrument greift, das auch für solistische Ausflüge prädestiniert ist, hat meist einen etwas stärkeren Hang zum Exhibitionismus und Narzissmus als dies bei Bassisten oder Drummern der Fall ist. Gitarristen stehen in der Regel in der ersten Reihe und sind nicht selten die Identifikationsfigur, gäbe es da nicht noch den wahren Frontmann: den Sänger! Vielen Saitenhexern passt es natürlich überhaupt nicht in den Kram, das spärliche Rampenlicht auch noch teilen zu müssen, und daher ist die Musikgeschichte auch reich an Beispielen, die von nicht gerade harmonischen Verhältnissen zwischen Sängern und Gitarristen erzählen. Hier fallen einem natürlich sofort Ritchie Blackmore, Yngwie Malmsteen, George Lynch und viele mehr ein, die sich mit ihren Vokalisten teilweise sogar handgreifliche Auseinandersetzungen auf der Bühne lieferten.
Hinzu kommt, dass Sänger keine Marshall-Türme und Effektboards schleppen müssen, sondern meist nicht mal ihr eigenes Mikrofon dabei haben. Oder dass man ständig die Tonarten an ihren stimmlichen Tonumfang anpassen muss, wo E-Moll doch so schön in den Fingern liegt. Und natürlich vor allem, dass sie sich ständig über die Lautstärke deiner mickrigen 100W-Topteile im Rechtsanschlag über einem Fullstack beschweren. Wer angesichts dieser Fakten die Animositäten zwischen Gitarristen und Sänger nicht verstehen kann, muss schon fast als empathielos bezeichnet werden! Das bringt uns auch gleich zum nächsten Punkt:

3. Kritik an der Lautstärke

Leider stimmt es: Röhrenamps klingen einfach geiler, wenn man sie laut spielt und die Jeans und das Muscle-Shirt mit dem "Never too old to Rock’n Roll" Logo vom Schalldruck staubfrei geblasen werden. Die Endstufe fährt schön in die Zerre und komprimiert, dass das Blut aus den Trafos läuft und euch stellt sich die Gänsehaut vor lauter Selbstergriffenheit auf – und dann kommt der Rest der Band und sagt ganz herzlos, das ist zu laut, mach leiser! Du drehst dich zum Amp um, und tust so, als würdest du die Regler bewegen, was du natürlich nicht wirklich machst. Doch der FOH ist nicht doof und sagt dir, Alter, so kann ich nicht mischen, das Publikum wird euren Sound miserabel finden. Und dir fällt ein: Stimmt, da war doch was, wir spielen ja vor einem Publikum! Und auch noch vor einem, das nicht nur aus Gitarristen besteht.

4. Amateure, die glauben, sie könnten Gitarre spielen

Die Fete am Lagerfeuer ist im vollen Gange. Du kommst eine Stunde zu spät, denn du musstest noch deine tägliche Überoutine, bestehend aus Killerdeath-Legatolicks from Hell und Torturepainstrinkskippingsweepalternatepickarpeggios zu Ende üben.
Nach einer kurzen französischen Deo-Dusche mit Nivea Sensitive und dem Überwerfen der Jeansjacke bist du jedoch bereit für die Feier, auf der du die Anwesenheit deines großen Schwarmes erwartest. Doch was musst du sehen: Der Typ aus der Klasse über dir, der kaum eine Gitarre geradehalten kann, sitzt am Feuerplatz und singt zu einem vollkommen arhythmischen Anschlag, bei dem man nicht weiß, ob das Strumming von den Wurstfingern oder dem labbrigen Ärmel des Grungepullovers erzeugt wird - und wird dafür geliebt, inklusive von deiner Angebeteten, die ihn mit verträumten Augen anhimmelt. Was für ein Künstler! War das nicht der gleiche, der nach deinem letzten Gig zu dir gekommen ist und gesagt hat, ich spiele ja auch Gitarre. Ich bin aber eher so der Rhythmustyp, Soli find ich irgendwie doof?
Aber du hast es damals schon besser gewusst: Eine Frau, die nicht auf Stringskipping-Legato steht, hat dich einfach nicht verdient.

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